Ein technischer Fehler bei einem Aktiensplit hat bei Trade Republic falsche Steuerberechnungen ausgelöst. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, steht der Fehler im Zusammenhang mit einem Aktiensplit des US-Chipkonzerns Nvidia im Jahr 2024. Dabei sei jede Aktie in zehn neue Aktien aufgeteilt worden – der Gesamtwert blieb gleich.
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Trade Republics System habe die zusätzlichen Aktien jedoch wie einen Neukauf behandelt, wie unter anderem die „Wirtschaftswoche“ berichtet. Fälschlicherweise sei Kapitalertragssteuer abgezogen worden – obwohl kein Gewinn entstanden war. Einzelne Kunden zahlten mehr Steuern als eigentlich nötig und rutschten mit ihrem Cashkonto während der Korrekturbuchung kurzfristig ins Minus. Auf der Social-Media-Plattform Reddit war in einzelnen Beiträgen von 7000 bis 10.000 Euro zu lesen.
Trade Republic: Nur kleine Gruppe von betroffenen Kunden
Was ist ein Aktiensplit?
Bei einem Aktiensplit wird eine Aktie in mehrere kleinere Anteile aufgeteilt. Der Kurs der Aktie sinkt entsprechend, der Gesamtwert für den Anleger bleibt aber gleich. Ein Beispiel: Aus einer Aktie im Wert von 1000 Euro werden zehn Aktien zu je 100 Euro. So soll die Aktie leichter handelbar und für mehr Anleger erschwinglich werden. Dieser Prozess ist marktüblich und passiert automatisch – Anleger müssen dafür nichts tun.
Das Unternehmen bestätigte den Fehler auf Nachfrage unserer Redaktion. Es sei jedoch nur eine kleine Gruppe von Kunden betroffen gewesen, teilte Trade Republic mit. „In Einzelfällen ist es zu falschen Buchungen durch unseren Steuerdienstleister gekommen“, sagte eine Sprecherin von Trade Republic. Der Fehler sei erkannt und behoben worden. „Trade-Republic-Kunden können grundsätzlich sicher davon ausgehen, dass ihnen zustehende Steuererstattungen gutgeschrieben werden.“
Ist die Panne wirklich ein Einzelfall? In der Vergangenheit machte Trade Republic bereits häufiger Negativ-Schlagzeilen – etwa wegen fehlender Dividendenzahlungen an etliche Kunden. Für Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist die jüngste Panne nur die Spitze des Eisbergs. „Ein Aktiensplit ist ein ganz normaler Vorgang, mit dem jeder Broker umgehen können muss.“
Täglich erreichen ihn und andere Verbraucherschützer Beschwerden zu Trade Republic, erzählte er. Das reiche von Problemen bei der Depotübertragung bis zu Fällen, in denen eingezogene Sparraten nicht im Depot verbucht werden, sagte er. Die von vielen Social-Media-Usern genannten Kommunikationsprobleme sind der Verbraucherzentrale ebenfalls bekannt. Eine Notfallnummer gibt es bei Trade Republic nicht, der Erstkontakt erfolgt über einen Chat-Boot.

Das rät der Verbraucherschützer betroffenen Trade Republic-Kunden
Keine oder über mehrere Wochen verspätete Rückmeldungen zu Kundenanliegen sind aus Sicht von Nils Nauhauser inakzeptabel. „Jeder Kunde hat einen Vertrag mit Trade Republic und der Broker muss gewährleisten, dass die darin genannten Leistungen von Seiten des Unternehmens erfüllt werden.“ Betroffenen Verbrauchern rät er in einer solchen Situation, alles genau zu dokumentieren und eine Meldung an die Finanzaufsicht BaFin zu schicken.
Eine BaFin-Meldung löst zwar kein einzelnes Problem. Doch bei vielen Beschwerden steigt der Druck auf die Finanzaufsicht, einzugreifen. „Die BaFin kann bei Trade Republic einen Sonderbeauftragten einsetzen oder die Anzahl an Neukunden begrenzen, wie zuvor schon bei der N26 Bank“, sagte Nauhauser.
BaFin schweigt zu neuer Panne bei Trade Republic
Der BaFin ist der aktuelle Sachverhalt bekannt. Aus Verschwiegenheitsgründen dürfe man sich aber weder zu Einzelfällen noch zum konkreten Beschwerdevolumen äußern, teilt uns ein Sprecher der Finanzbehörde mit.
Wer ist die BaFin?
Die BaFin ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Sie kontrolliert Banken, Broker, Versicherungen und Wertpapierhändler in Deutschland. Wenn sich viele Kunden beschweren, kann die Behörde eingreifen – etwa indem sie strengere Auflagen macht, einen Sonderbeauftragten einsetzt oder das Wachstum eines Unternehmens bremst. Ziel der BaFin ist es, das Finanzsystem stabil zu halten und Verbraucher zu schützen.
Trade Republic dementiert schwere Fehler – häufig Einzelfälle
Aus Sicht von Trade Republic sind die Probleme oft kleiner, als von außen kommentiert wird. Es handele es sich um Einzelfälle, die sich über Social Media schnell verbreiten würde, erklärt das Unternehmen. Vereinzelte Komplikationen beim Kundensupport bestreitet Trade Republic dagegen nicht. „Wir investieren weiterhin erheblich in unseren Kundenservice und nehmen jede Anfrage ernst“, sagte die Sprecherin. Dem steht eine Meldung aus dem Jahr 2024 gegenüber: Damals kündigte das Unternehmen Dutzenden Mitarbeitenden im Kundenservice.
Kommen Verbraucher mit dem Kundensupport nicht weiter, können sie sich an Schlichtungsstellen wenden oder sich rechtlichen Rat einholen. „Unter Umständen kann dem Broker eine grob fahrlässige Pflichtverletzung unterstellt werden, was den Weg für Schadensansprüche ebnet“, sagte Nauhauser. Auch Verbraucherzentralen können helfen, im ersten Schritt zu prüfen, ob tatsächlich eine Unrechtmäßigkeit vorliegt.
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Auch ein Depotwechsel hin zu einem anderen Anbieter ist grundsätzlich jederzeit möglich. Einen aktuellen Vergleich von Brokern und Banken finden Sie hier. Wichtig bei einem Depotübertrag: Verbraucher sollten immer genau darauf achten, dass alle Positionen sowie die steuerlichen Informationen korrekt übermittelt werden, rät Nauhauser. Einen Wechselservice bieten die meisten Online-Banken und Broker kostenlos an.
Im Vergleich zu reinen Krypto-Börsen zeigt Trade Republic* übrigens Stärken und Schwächen. Laut Extra-ETF sind die Gebühren niedriger als bei Bison oder Coinbase. Nur Justtrade* schneidet günstiger ab: Der durchschnittliche Spread liegt bei 0,30 Prozent, die Fremdkostenpauschale bei 0,00 Euro. Mehr dazu lesen Sie hier: Bitcoin bei Trade Republic kaufen? Das ist der größte Haken.
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