Wer mit 50 Jahren beginnt, sich intensiver mit dem Thema Vermögensaufbau oder Altersvorsorge zu beschäftigen, steht vor besonderen Herausforderungen: Die verbleibende Zeit bis zum Ruhestand ist begrenzt und das Sicherheitsbedürfnis hoch. Gleichzeitig steigt der Druck, vorhandenes Kapital sinnvoll zu investieren. Wo fängt man damit am besten an?
Lukas Enzersdorfer-Konrad ist Co-CEO der Investmentplattform Bitpanda und kennt die sinnvollsten Strategien für Späteinsteiger. Im Interview erklärt er, wie Investoren über 50 Aktien, ETFs und Kryptowährungen für ihre Anlage nutzen sollten und wie eine ausgewogene Portfolioaufteilung aussehen kann.
>> Sie brauchen ein passendes Depot? Unser Depot-Vergleich hilft bei der Suche nach einem Anbieter.

Welche Geldanlage mit 50 Jahren? Bitpanda-Chef teilt Faustregel
Ist es ab 50 Jahren noch sinnvoll, mit dem Investieren zu beginnen?
Lukas Enzersdorfer-Konrad: Grundsätzlich ja – allerdings verschiebt sich ab 50 der Fokus. In dem Alter geht es nicht mehr nur um Vermögensaufbau, sondern zunehmend auch um Vermögenserhalt. Investieren lohnt sich weiterhin, aber mit klarer Vorstellung über Anlagehorizont und Ziele.
Gibt es bestimmte Anlageprodukte, die sich für den Vermögensaufbau ab 50 besonders eignen?
Enzersdorfer-Konrad: Das hängt vom Anlagehorizont ab. ETFs sind ein sehr kostengünstiges Mittel, um breit gestreut in Wirtschaftsleistung zu investieren – etwa in den amerikanischen oder europäischen Markt, oder global über den MSCI World. Wer an langfristiges Wirtschaftswachstum glaubt, ist damit gut aufgestellt. Zusätzlich können Anleger weitere Renditechancen beimischen: Das können Einzelaktien sein oder alternative Anlageklassen wie Kryptowährungen. Je nach Risikobereitschaft können etwa drei bis 15 Prozent des Portfolios in diese riskanteren Bereiche fließen.
>> Welcher Welt-ETF ist der beste? Unsere Checkliste zeigt die wichtigsten Unterschiede.
Über Lukas Enzersdorfer-Konrad:
Lukas Enzersdorfer-Konrad ist Co-CEO beim Finanzdienstleister Bitpanda und hat langjährige Erfahrung in der Finanzdienstleistungsbranche. Enzersdorfer-Konrad ist Profi im Bereich digitaler Assets und war zuvor unter anderem bei der Erste Bank und der Raiffeisenlandesbank tätig.
Wie könnten Investoren die Verteilung ihres Portfolios konkret gestalten? Gibt es eine Faustregel?
Enzersdorfer-Konrad: Es kommt stark auf das persönliche Ziel an. Wer mit Anfang 50 noch 15 Jahre bis zur Rente hat, könnte zum Beispiel 60 bis 70 Prozent in breit gestreute ETFs investieren. Weitere 20 bis 30 Prozent könnten in Einzelaktien oder andere Assetklassen fließen, davon eventuell zehn bis 15 Prozent in risikoreichere Anlagen wie Kryptowährungen. Letztlich hängt die genaue Gewichtung vom individuellen Risikoprofil ab.
>> Wo steht der Bitcoin-Kurs? Unser Ticker verfolgt aktuelle Entwicklungen.
ETFs für Anleger ab 50: Reicht der MSCI World aus? Experte hat klaren Rat
Viele setzen beim ETF-Investment auf den MSCI World. Reicht das oder ist mehr Diversifikation nötig?
Enzersdorfer-Konrad: Der MSCI World ist eine solide Basis, weil er die Weltwirtschaft abbildet. Aber es gibt Unterschiede zwischen den Regionen. Die US-Wirtschaft ist beispielsweise strukturell deutlich dynamischer als die europäische. Auch Südostasien bietet interessante Perspektiven. Wer glaubt, dass bestimmte Regionen in Zukunft stärker wachsen, kann gezielt übergewichten – zum Beispiel durch US-Tech-Werte oder die europäische Industrie. Entscheidend ist die eigene Erwartung an die wirtschaftliche Entwicklung.
Auch interessant
Auch interessant
Auch interessant
Auch interessant
Worauf sollten Anleger im Krypto-Bereich besonders achten?
Enzersdorfer-Konrad: Wichtig ist die Grundfrage: Warum investiere ich überhaupt? Kryptowährungen sind letztlich Technologie-Investments, der Bitcoin wird hingegen oft als digitales Gold verstanden. Bei anderen Coins steht die zugrunde liegende Blockchain-Technologie im Fokus. Wer daran glaubt, dass diese Technologien künftig breite Anwendungsfälle in der Gesellschaft haben werden, für den kann ein Investment in große Coins wie Bitcoin oder Ethereum sinnvoll sein.
Geldanlage mit 50: Das sind typische Fehler
Mit 50 haben viele bereits Ersparnisse. Sollte sie diese auf einmal investieren oder eher schrittweise per Sparplan?
Enzersdorfer-Konrad: Sparpläne sind grundsätzlich eine einfache und effektive Möglichkeit, regelmäßig zu investieren. Sie sind ideal, wenn man aus dem laufenden Einkommen anlegt. Das funktioniert automatisiert, beispielsweise in ETFs oder andere Assets. Anders sieht es aus, wenn man einen größeren Geldbetrag auf einmal zur Verfügung hat, etwa durch den Verkauf eines Autos oder eine Erbschaft. Dann ist ein Sparplan weniger geeignet. In solchen Fällen geht es eher darum, eine sinnvolle Aufteilung des Betrags auf verschiedene Assetklassen zu finden. Auch hier gilt die Faustregel, maximal etwa drei Prozent bis 15 Prozent in hochriskante Anlageklassen zu stecken. Dies hängt jedoch ebenfalls stark von den eigenen Vorlieben ab.

Welche typischen Fehler machen Späteinsteiger beim Investieren?
Enzersdorfer-Konrad: Einer der größten Fehler ist der Versuch, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu finden – also zu glauben, man sollte warten, bis der Markt günstiger ist. In den meisten Fällen ist es besser, überhaupt zu investieren, als auf den idealen Moment zu spekulieren. Ein weiterer Punkt: Kapitalmärkte sind volatil, Kryptowährungen noch stärker. Wer bei Kursverlusten aus Angst panisch verkauft, handelt oft gegen seine langfristigen Interessen. Wenn Anleger an den zugrunde liegenden Wirtschaftsraum oder die Technologie glauben – sei es ein ETF oder eine Kryptowährung – sollten sie Geduld mitbringen und nicht vorschnell aussteigen.
Wann Aktien verkaufen? Dieser Tipp gilt unabhängig vom Alter
Wann ist der Punkt erreicht, an dem man sich eingestehen muss: Dieses Investment war ein Fehler und sollte verkauft werden?
Enzersdorfer-Konrad: Wenn der Investor überzeugt ist, dass sich ein Investment fundamental nicht mehr erholen wird, ist es sinnvoll, konsequent zu handeln – selbst bei hohen Verlusten. Dann ist es besser, das restliche Kapital neu zu investieren. Aber: Diese Entscheidung sollte nicht aus einer kurzfristigen Emotion heraus getroffen werden, sondern auf einer durchdachten Einschätzung basieren.
Was raten Sie jemandem, der sehr unsicher ist?
Enzersdorfer-Konrad: Sich zu informieren und mit kleinen Beträgen anzufangen, beispielsweise mit 10, 20 oder 50 Euro. So bekommt der Anleger ein Gefühl für die Märkte. Learning by Doing ist der effektivste Weg. Das gilt unabhängig vom Alter: Wer neu einsteigt, sollte mit kleinen Beträgen starten. Erst wer sich sicher fühlt und versteht, wie Märkte funktionieren, sollte größere Summen investieren.
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.







