• MSCI-World-ETFs sind beliebt bei Einsteigern, bieten aber nicht immer ausreichend Diversifikation.
  • Trotz starker Langfrist-Performance zeigt der Index zuletzt Schwächen durch Börsenrücksetzer.
  • ETF-Expertin Chris Hofmann erklärt, wann der MSCI World nicht immer genügt – und worauf Anleger achten sollten.

Wer heute mit dem Investieren beginnt, greift häufig zu einem ETF, der den MSCI World abbildet. Der internationale Aktienindex spiegelt die Entwicklung von über 1500 Unternehmen aus 23 Industrieländern wider. In den vergangenen fünf Jahren erzielte der MSCI World ein Plus von rund 80 Prozent. Doch in den letzten Monaten kam es zu einigen Rücksetzern an der Börse.

Reicht ein MSCI-World-ETF unter diesem Umständen noch aus? Chris Hofmann, ETF-Expertin beim Vermögensverwalter Vanguard, sagt: nicht in jedem Fall. Sie erklärt, für wen der MSCI World als Anlageform nicht genügt, worauf Sparer bei der Auswahl ihrer ETFs achten sollten und wie sie ihr eigenes Geld heute anlegen würde.

Über Chris Hofmann:

Chris Hofmann leitet Vanguards Intermediated Wholesale Team für Deutschland und Österreich und verfügt über rund 20 Jahre Erfahrung. Diese sammelte sie sowohl auf der Händler- als auch der Emittentenseite im Bereich börsennotierte Indexfonds (ETFs). Zuvor war Hofmann bei mehreren namhaften Asset Managern im Bereich ETFs und Indexlösungen tätig. Sie betreut deutschlandweit Family Offices und vermögende Privatpersonen zu ihren ETF-Allokationen. Chris Hofmann ist Mutter von zwei Söhnen und lebt in München.

Investieren: Reicht ein MSCI-World-ETF aus?

Die Expertin hat eine klare Meinung: „Der MSCI World ist beliebt, aber etwas irreführend“, sagt Hofmann. „Nur auf den Index zu setzen und zu glauben, man habe damit weltweit investiert, ist zu kurz gedacht.“ Der Grund: Der MSCI World bildet vor allem Unternehmen aus Industrieländern ab. „Wer wirklich weltweit investieren möchte, sollte auch Schwellenländer berücksichtigen“, erklärt der ETF-Profi.

Als umfangreichere Alternative nennt Hofmann den FTSE All-World Index, der rund 90 Prozent der globalen Marktkapitalisierung abdeckt – inklusive Schwellenländern sowie Large-, Mid- und Small Caps. Das bedeutet: Sowohl große als auch kleine Unternehmen kommen in dem ETF vor.

Sparen mit ETFs: Das rät die Expertin jungen Anlegern

Ein weiterer Weg für ein breiter aufgestelltes und krisensicheres Portfolio sind Anleihen. „Es gibt verschiedene Indizes, besonders im Bereich der Unternehmensanleihen“, sagt Hofmann. „Allein für US-Unternehmensanleihen existieren acht große Indizes mit völlig unterschiedlichen Gewichtungen – von 1000 bis 9000 enthaltenen Wertpapieren.“

Wer anfängt zu investieren, sollte auf die Gebühren der Plattform achten.
Wer anfängt zu investieren, sollte auf die Gebühren der Plattform achten. © picture alliance / photothek.de | Thomas Trutschel

Wer es einfach halten möchte, sollte auf den Bloomberg Global Aggregate Index setzen: „Er umfasst über 30.000 Titel – Staats- und Unternehmensanleihen weltweit und ist sozusagen das Pendant zum FTSE All-World bei Aktien“, sagt Hofmann. Dennoch kann es für Investoren schwer sein, die richtige Mischung aus Aktien und Anleihen zu finden. Eine Lösung bieten Multi-Asset-ETFs.

Bei Multi-Asset-ETFs besteht der Fonds aus einer festen Kombination von Aktien und Anleihen. „Ein ETF mit einer 80/20-Aufteilung – 80 Prozent Aktien, 20 Prozent Anleihen – ist einfach, transparent, sparplanfähig und flexibel“, sagt Hofmann. Sie seien zum Beispiel ideal für Sparer Mitte 30, die langfristig investieren möchten, ohne sich ständig um die Gewichtung kümmern zu müssen.

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ETFs für Anfänger: Auf diese Punkte sollten Sie achten

Für Hofmann beginnt eine gute ETF-Strategie mit klaren Zielen: „Will ich zum Beispiel für die Rente vorsorgen? Dann ist ein langfristiger, globaler Ansatz sinnvoll – mit einer breiten Streuung über Aktien aus Industrie- und Schwellenländern, ergänzt durch einen Anleihenanteil zur Risikodämpfung“, erklärt sie.

Bei der ETF-Auswahl empfiehlt Hofmann, auf folgende Punkte zu achten:

  1. Index verstehen: „Bei Aktien meist recht einfach, bei Anleihen deutlich komplexer“, so die Expertin. „Man sollte nie blind kaufen.“
  2. Kosten: „Jeder Prozentpunkt weniger bei den Gebühren verbessert direkt die Rendite“, sagt Hofmann.
  3. Größe und Liquidität: Kleine ETFs (unter 100 Millionen Euro Fondsvolumen), die nach mehreren Jahren nicht wachsen, könnten geschlossen werden.
  4. Tracking-Qualität: Wie gut bildet der ETF seinen Index wirklich ab? Der sogenannte Tracking-Error gibt hier Aufschluss.
  5. Fondsanbieter: Anleger sollten sich hier fragen: Wie lange ist der Anbieter am Markt? Wie zuverlässig sind seine Produkte?
  6. Steuerliches Domizil: „Bei US-Aktien etwa lohnt sich ein ETF mit Sitz in Irland – denn das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Irland und den USA sorgt dafür, dass ein Teil der Quellensteuer zurück in den Fonds fließt“, rät Hofmann. „Das verbessert die Nettorendite.“
  7. Plattformwahl: Hier lohnt sich ein Vergleich der Gebühren.

Wie wichtig ein Vergleich bei der Plattformwahl ist, hat Hofmann selbst erlebt: So habe ein Anbieter pro Ausführung Gebühren von 1,5 Prozent erhoben, während die Transaktionen bei anderen kostenlos ist. Ein weiterer, oft übersehener Punkt ist die Wertpapierleihe – insbesondere bei Anleihen-ETFs. „Manche Anbieter verleihen bis zu 60 Prozent des Portfolios. Das schafft zusätzliche Risiken, die man kennen sollte“, so Hofmann.

Welche ETFs für Anfänger? Expertin teilt wichtige Faustregel

Wie würde Hofmann investieren, wenn sie heute noch einmal als Anfängerin starten und für die nächsten 20 Jahre anlegen könnte? „Das hängt natürlich von der persönlichen Lebenssituation und Risikobereitschaft ab“, sagt sie. „Grundsätzlich würde ich bei einem so langen Anlagehorizont aber global diversifiziert investieren: Über 20 Jahre kann man Marktschwankungen gut aussitzen – und langfristig zeigt der Markt historisch gesehen nach oben.“

Hofmanns bevorzugte Strategie: „Ich würde in einen weltweit aufgestellten Aktien-ETF investieren – idealerweise ein Produkt mit All-World-Exposure.“ Zusätzlich würde der Finanz-Profi aus persönlichem Sicherheitsbedürfnis rund 20 Prozent Anleihen beimischen: „Das gibt mir mehr Stabilität im Portfolio und sorgt dafür, dass ich ruhiger schlafen kann“, erklärt sie.

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Anleger sollten vor der Investition in ETFs auf mehrere Punkte achten.© iStock | primeimages

Am wichtigsten sei für die Expertin allerdings die langfristige Perspektive. „Wir haben intern einmal ein Portfolio über 100 Jahre hinweg analysiert – mit unterschiedlich hohen Aktienquoten in 10-Prozent-Schritten“, erklärt Chris Hofmann. „Das Ergebnis war eindeutig: Je höher der Aktienanteil, desto besser war die langfristige Rendite.“

Was tun bei Börsenturbulenzen? Klarer Rat für ETF-Anleger

Auch für turbulente Zeiten hat Hofmann einen klaren Rat: Augen zu und weitermachen. „Wer in Panik verkauft, trifft meist die falsche Entscheidung“, sagt sie. Dabei zeigt Anleihen gerade in turbulenten Phasen ihre Stärke: „Sie sorgen für Stabilität, dämpfen Kursschwankungen und geben ein Stück Sicherheit.“ Trotzdem betont Hofmann: „Das Fundament eines langfristig ausgerichteten Portfolios sollten weiterhin global diversifizierte Aktien bilden – idealerweise inklusive Schwellenländern.“

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.

Was ist das Tagesgeld? Tagesgeld ist eine flexible Geldanlage, bei der Anleger ihr Kapital jederzeit verfügbar haben. Das Geld wird auf einem Tagesgeldkonto geparkt und mit variablen Zinsen vergütet. Die Verzinsung ist oft höher als bei einem Girokonto, aber niedriger als bei Festgeld. Tagesgeld eignet sich besonders für die kurzfristige Geldanlage und als Notfallrücklage.

Was ist das Festgeld? Beim Festgeld legen Sparer ihr Geld für eine festgelegte Laufzeit zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeit kann von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren betragen. Während dieser Zeit kann das Kapital nicht verfügbar gemacht werden. Festgeld bietet meist höhere Zinsen als Tagesgeld, ist aber weniger flexibel.

Was ist ein Depot? Ein Depot ist ein Konto, das Anleger für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren wie Aktien, ETFs oder Fonds benötigen. Es wird bei einer Bank oder einem Online-Broker geführt. Depots unterscheiden sich in ihren Gebühren, Handelsmöglichkeiten und Zusatzleistungen.

Was ist ein ETF? Ein Exchange Traded Fund (ETF) ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Index wie den DAX oder den MSCI World abbildet. ETFs sind kostengünstig, transparent und bieten eine breite Diversifikation, da sie viele verschiedene Wertpapiere enthalten. Sie eignen sich besonders für langfristiges Anlegen und sind bei passiven Investoren beliebt.

Was sind Aktien? Aktien sind Anteile an Unternehmen, die an der Börse gehandelt werden. Durch den Kauf von Aktien werden Anleger Miteigentümer des Unternehmens und profitieren von Kurssteigerungen sowie Dividenden. Aktien bieten langfristig hohe Renditechancen, sind aber auch mit Risiken verbunden, da die Kurse schwanken können.

Wie funktionieren Sparpläne? Ein Sparplan ermöglicht es, regelmäßig Geld in Aktien, ETFs oder Fonds zu investieren. Anleger zahlen beispielsweise monatlich einen festen Betrag ein. Durch den Durchschnittskosteneffekt profitieren sie von Schwankungen, da sie bei niedrigen Kursen mehr Anteile und bei hohen Kursen weniger Anteile kaufen.

Was bedeutet MSCI World? Der MSCI World ist ein weltweit verbreiteter Aktienindex, der die Entwicklung von rund 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern abbildet. Er gilt als Basis für viele ETFs und steht für eine breite Diversifikation. Wer in einen MSCI-World-ETF investiert, beteiligt sich indirekt an vielen internationalen Unternehmen.

Was für Anlageformen gibt es? Neben Tagesgeld, Festgeld, Aktien und ETFs gibt es weitere Anlageformen wie Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, P2P-Kredite oder Kryptowährung. Jede Anlageklasse hat spezifische Chancen und Risiken. Eine gute Diversifikation kann helfen, das Risiko zu minimieren und langfristig stabile Renditen zu erzielen.

Inwieweit ist der Einlagenzins der EZB relevant? Die Europäische Zentralbank (EZB) legt den Einlagenzins fest, zu dem Banken Geld bei ihr parken können. Dieser Zins beeinflusst die Sparzinsen für Verbraucher: Ist der Einlagenzins hoch, steigen oft auch die Tages- und Festgeldzinsen. Niedrige Einlagenzinsen führen hingegen oft zu geringen Sparzinsen.

Was ist die beste Anlagestrategie? Die beste Anlagestrategie hängt von individuellen Zielen, der Risikobereitschaft und dem Anlagehorizont ab. Ein bewährter Ansatz ist die breite Diversifikation, beispielsweise durch ETFs. Langfristiges Investieren und regelmäßiges Sparen reduzieren Risiken. Ein Mix aus sicheren (Tages- und Festgeld) und renditestarken (Aktien, ETFs) Anlagen kann ein ausgewogenes Portfolio schaffen.