In unserem wöchentlichen Zins-Check analysieren Fachleute aus der Finanz- und Immobilienbranche die aktuelle Situation für Baufinanzierungen. Diese Woche teilt Carsten Zimmermann, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Baufinanzierung, seine Einschätzung. Außerdem gibt er wertvolle Tipps für Kreditnehmer und wagt einen Ausblick auf die weitere Bauzins-Entwicklung.

Bauzinsen: Diese Entwicklung erwartet der Profi

Laut Zimmermann zeigt sich die Zinslage derzeit zumindest auf kurze Sicht ruhig. „Kurzfristig, das heißt für die nächsten ein bis vier Wochen, gehen wir eher von einer Seitwärtsbewegung aus“, so Zimmermann. „Dabei kann es kleinere Zinsschwankungen geben, im Bereich von plus, beziehungsweise minus 0,10 Prozentpunkten.“

Carsten Zimmermann
 ist Vorstandsvorsitzender im Bundesverband Baufinanzierung.
Carsten Zimmermann ist Vorstandsvorsitzender im Bundesverband Baufinanzierung und kann auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken.© Privat

Baufinanzierung: Diese Aspekte wirken sich auf die Kosten aus

Auf die Frage, welche Faktoren aktuell am stärksten auf die Zinsen wirken, verweist Zimmermann auf den engen Zusammenhang zwischen Bauzinsen und den Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen: „Steigen diese, dann steigen auch die Baugeldzinsen – und umgekehrt.“ Einen entscheidenden Einfluss auf die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen hätten derzeit vor allem drei Faktoren:

  1. wirtschaftliche Prognosen, insbesondere im Zusammenhang mit der Zollpolitik der USA,
  2. Angebot und Nachfrage nach Staatsanleihen – nicht zuletzt durch das sogenannte Sondervermögen,
  3. sowie geopolitische Ereignisse, wie der anhaltende Krieg zwischen Russland und der Ukraine.

Über Carsten Zimmermann:

Carsten Zimmermann ist Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Baufinanzierung. Der Verein unterstützt Verbraucherinnen und Verbraucher bei Fragen rund um die Immobilie, die Finanzierung und die Prüfung von Kauf- und Bauträgerverträgen. Zuvor war Zimmermann als Bauträger und als Vertriebs- und Kreditleiter in einer Hamburger Genossenschaftsbank tätig.

Immobilienfinanzierung: Jetzt abschließen? Experte weist auf mögliche Fallstricke hin

Wer derzeit überlegt, eine Immobilie zu kaufen, sollte laut Zimmermann gut vorbereitet sein. Denn in einem angespannten Marktumfeld mit wenig Neubau und gleichzeitig steigenden Immobilienpreisen sei die richtige Objektwahl entscheidend. Dabei warnt er vor Fehleinschätzungen: „Verkäufer von Bestandsimmobilien scheinen nur langsam zu begreifen, dass Preise wie bei einem Zinsniveau von einem Prozent nicht mehr zu erzielen sind“, so Zimmermann.

Besonders bei energetisch grenzwertigen Immobilien sei Vorsicht geboten: „Was eine energetische Ertüchtigung an gedanklichem, organisatorischem und finanziellem Aufwand bedeutet, wird kolossal unterschätzt“, betont Zimmermann. Käufer sollten sich rechtzeitig und umfangreich damit beschäftigen. „Erst damit anzufangen, wenn einem die vermeintlich passende Immobilie vor die Füße fällt, ist zu spät“, so Zimmermann. Die Finanzierung sei dabei der „deutlich schnellere und leichtere Teil der Übung.“

Bitte beachten:

Dieser Artikel stellt keine Kreditberatung dar. Alle Informationen wurden sorgfältig recherchiert und dienen der redaktionellen Übersicht. Bei Interesse an einem Kredit sollten Sie individuelle Konditionen direkt bei der jeweiligen Bank prüfen und bei Bedarf eine unabhängige Beratung in Anspruch nehmen.

Zudem weist Zimmermann auf öffentliche Fördermittel hin: „Auch, weil die Preise hoch sind und die Marktlage vielerorts angespannt ist, werden Kauf- und Sanierungsvorhaben staatlich gefördert.“ Selbst wenn solche Mittel nicht direkt beantragt werden, sollten sie immer in die Überlegungen mit einfließen. Gut zu wissen: Auch einige Banken bieten Zins-Rabatte für energetischen Sanierungen: Wir haben Angebote zusammengetragen.

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