Die HPV-Impfung wird vor allem mit dem Schutz vor Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht. Doch möglicherweise reicht ihr Nutzen weiter: Frauen, die vor einer Schwangerschaft gegen humane Papillomviren geimpft worden waren, brachten ihre Kinder in einer großen schwedischen Studie seltener zu früh zur Welt. Der Zusammenhang fiel besonders deutlich aus, wenn die Impfung bereits vor dem 17. Geburtstag erfolgt war.

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Die Untersuchung des Karolinska-Instituts in Stockholm wurde Anfang Oktober 2026 im Fachjournal „The BMJ“ veröffentlicht. Das Forschungsteam um Zhongsong Zhang und Jiayao Lei wertete Gesundheitsregister aus und untersuchte 624.713 erste Geburten in Schweden zwischen 2006 und 2023. Insgesamt 92.620 Frauen, also 14,8 Prozent, waren vor ihrer Schwangerschaft mit einem HPV-Impfstoff geimpft worden.

HPV-Impfung: Warum sie auch für Schwangerschaften relevant sein könnte

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Impfung nicht nur bei der Vorbeugung HPV-bedingter Erkrankungen eine Rolle spielen könnte, sondern möglicherweise auch Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen beeinflusst. Einen ursächlichen Zusammenhang kann die Beobachtungsstudie allerdings nicht beweisen.

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Humane Papillomviren gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Viele Infektionen verschwinden von selbst. Bestimmte HPV-Typen können jedoch Zellveränderungen am Gebärmutterhals auslösen, aus denen sich Gebärmutterhalskrebs entwickeln kann.

Solche Veränderungen müssen mitunter operativ behandelt werden. Bei einer sogenannten Konisation entfernen Ärzte einen kegelförmigen Gewebeabschnitt am Gebärmutterhals. Der Eingriff kann den Gebärmutterhals verkürzen und damit das Risiko für eine spätere Frühgeburt erhöhen.

Daneben gibt es Hinweise darauf, dass auch eine HPV-Infektion selbst mit einem erhöhten Frühgeburtsrisiko zusammenhängen könnte. Eine 2021 in „PLOS Medicine“ veröffentlichte schwedische Untersuchung von mehr als einer Million Geburten fand einen entsprechenden Zusammenhang bei Infektionen kurz vor oder während einer Schwangerschaft.

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Vor diesem Hintergrund untersuchte das Forschungsteam nun, ob Frauen, die bereits vor einer Schwangerschaft gegen HPV geimpft worden waren, seltener von Komplikationen betroffen waren.

Geimpfte Frauen hatten seltener Frühgeburten

Die Auswertung ergab einen vergleichsweise kleinen, aber statistisch nachweisbaren Unterschied bei Frühgeburten. Bei geimpften Frauen war die Wahrscheinlichkeit einer Geburt vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche um etwa fünf Prozent geringer als bei ungeimpften Frauen.

Noch deutlicher fiel der Unterschied bei sehr frühen Frühgeburten zwischen der 28. und 31. Schwangerschaftswoche aus. Hier lag die Wahrscheinlichkeit bei geimpften Frauen rund 15 Prozent niedriger. Auch spontane Frühgeburten traten seltener auf.

Darüber hinaus fanden die Forscher Zusammenhänge mit weiteren Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen. Dazu gehörten ein vorzeitiger Blasensprung sowie ein besonders starkes Unterschreiten der für die jeweilige Schwangerschaftswoche erwarteten Größe eines Kindes.

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Für Totgeburten und die Sterblichkeit von Neugeborenen ließ sich dagegen kein statistisch gesicherter Zusammenhang nachweisen. Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass die Impfung diese Komplikationen nachweislich verhindert. Sie zeigen vielmehr, dass geimpfte Frauen in der untersuchten Gruppe seltener betroffen waren.

Warum eine frühe Impfung besonders wichtig sein könnte

Besonders ausgeprägt war der Zusammenhang bei Frauen, die vor ihrem 17. Geburtstag geimpft worden waren. Bei ihnen lag das Frühgeburtsrisiko rund zehn Prozent niedriger. Bei Frauen, die erst später geimpft worden waren, fiel der Unterschied geringer aus.

Für Studienautor Zhongsong Zhang passt dieser Befund zu bisherigen Erkenntnissen über die HPV-Impfung: Sie bietet den besten Schutz, wenn sie verabreicht wird, bevor es zum ersten Kontakt mit den entsprechenden Viren kommt.

Ein möglicher Erklärungsansatz ergibt sich ebenfalls aus den schwedischen Daten. Hochgradige Zellveränderungen am Gebärmutterhals waren vor der Geburt bei 3,7 Prozent der ungeimpften Frauen festgestellt worden. Bei den geimpften Frauen lag der Anteil bei 0,6 Prozent.

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Da solche Veränderungen teilweise operativ behandelt werden müssen und die Eingriffe das Risiko für Frühgeburten erhöhen können, könnte dies einen Teil des beobachteten Zusammenhangs erklären. Ob und in welchem Umfang dieser Mechanismus tatsächlich für die Ergebnisse verantwortlich ist, lässt sich aus der Studie jedoch nicht abschließend ableiten.

Studie hat Grenzen: Kein Beweis für Ursache und Wirkung

Trotz der großen Datenbasis lassen sich aus den Ergebnissen keine eindeutigen Ursache-Wirkungs-Beziehungen ableiten. Die Untersuchung erfasste Zusammenhänge, konnte aber nicht ausschließen, dass sich geimpfte und ungeimpfte Frauen auch in anderen Punkten unterscheiden. Dazu könnte unter anderem ihr Gesundheitsverhalten gehören.

Hinzu kommt, dass die Studie den quadrivalenten HPV-Impfstoff untersuchte, der gegen vier HPV-Typen schützt. Inzwischen werden vielerorts Impfstoffe eingesetzt, die neun HPV-Typen abdecken. Ob sich die Ergebnisse ohne Einschränkungen auf andere Impfstoffe und Gesundheitssysteme übertragen lassen, ist offen.

Auch frühere Studien kamen nicht durchweg zu denselben Ergebnissen. Untersuchungen aus Finnland und Dänemark fanden ähnliche Zusammenhänge, während eine schottische Auswertung keinen Zusammenhang zwischen der HPV-Impfung und Frühgeburten feststellte.

Die Sicherheit der Impfung während einer versehentlichen Anwendung in einer noch unbemerkten Schwangerschaft wurde ebenfalls untersucht. Eine dänische Studie mit rund 580.000 Schwangerschaften, die 2017 im „New England Journal of Medicine“ erschien, fand dabei keine Hinweise auf erhöhte Risiken. Dennoch wird die HPV-Impfung während einer Schwangerschaft nicht empfohlen.

HPV-Impfung: Was die Stiko Familien empfiehlt

An den geltenden Impfempfehlungen ändert die schwedische Studie nichts. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren. Versäumte Impfungen sollen bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.

Die Impfquoten in Deutschland bieten weiterhin Anlass zur Verbesserung. Nach den vorliegenden Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sind rund 55 Prozent der 15-jährigen Mädchen vollständig gegen HPV geimpft. Portugal erreicht demnach eine Quote von etwa 90 Prozent.

Auch für Erwachsene kann eine HPV-Impfung infrage kommen. Der bestmögliche Schutz wird jedoch erreicht, wenn die Impfung bereits in jungen Jahren und vor einem möglichen Kontakt mit den Viren erfolgt. Die regelmäßige gynäkologische Krebsvorsorge bleibt unabhängig vom Impfstatus wichtig.