Essstörungen sind ein weltweites Gesundheitsproblem, dessen Ausmaß weiter zunimmt. Seit 1990 ist die Häufigkeit dieser Erkrankungen um etwa 21 Prozent gestiegen. Im Jahr 2023 lebten Schätzungen zufolge rund 18,1 Millionen Menschen mit Magersucht oder Bulimie. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Auswertung von Gesundheitsdaten, die am Mittwoch im Fachjournal „JAMA Psychiatry“ veröffentlicht wurde.

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Die Forscher untersuchten Daten aus 204 Ländern und Territorien. Grundlage waren Erhebungen der Global Burden of Disease Study, die weltweit die Verbreitung und Folgen zahlreicher Krankheiten erfasst.
Essstörungen: Vor allem junge Menschen sind betroffen
Den größten Anteil der erfassten Erkrankten machten Frauen aus. Nach den Studienangaben waren 2023 knapp 70 Prozent der Betroffenen weiblich. Rund 41 Prozent gehörten zur Altersgruppe zwischen zehn und 24 Jahren.
Die Auswertung unterscheidet zwischen zwei Erkrankungen: Anorexia nervosa, allgemein als Magersucht bekannt, und Bulimia nervosa, auch Ess-Brech-Sucht genannt. Bei Magersucht schränken Betroffene ihre Nahrungsaufnahme stark ein. Bulimie ist dagegen durch wiederkehrende Essanfälle gekennzeichnet, auf die häufig Maßnahmen wie selbst herbeigeführtes Erbrechen oder übermäßiger Sport folgen.
Für 2023 schätzten die Forscher weltweit rund 3,92 Millionen Fälle von Anorexie und etwa 14,2 Millionen Fälle von Bulimie. Beide Erkrankungen können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Besonders bei Magersucht ist das Sterblichkeitsrisiko erhöht.
„Essstörungen sind ernstzunehmende psychische Störungen, die häufig bereits in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter beginnen und erhebliche körperliche, psychische und soziale Folgen haben können“, erklärt Professor Timo Brockmeyer von der Universität Münster in einer vom Science Media Center (SMC) zusammengestellten wissenschaftlichen Einordnung.
Starker Anstieg in Teilen Asiens
Die höchsten geschätzten Erkrankungsraten fanden sich laut Studie in Regionen mit hohem Durchschnittseinkommen, darunter Australasien und Westeuropa. Den stärksten Zuwachs verzeichneten die Forscher dagegen in Ostasien, Südasien und Südostasien. Warum die Zahlen in einigen Regionen besonders stark steigen, lässt sich anhand der vorliegenden Daten allerdings nicht abschließend erklären.
Als mögliche Einflussfaktoren nennen Fachleute laut SMC gesellschaftliche Veränderungen, den Wandel von Körperidealen und eine verbesserte Erkennung der Erkrankungen. Auch soziale Medien könnten eine Rolle spielen, etwa wenn sie unrealistische Vorstellungen von Schlankheit oder einem muskulösen Körper verstärken. Ein eindeutiger Nachweis, dass soziale Medien den langfristigen Anstieg verursachen, liegt nach Einschätzung der Experten jedoch nicht vor.
Professorin Anja Hilbert vom Universitätsklinikum Leipzig weist zudem darauf hin, dass ein Teil des Anstiegs auf ein größeres Bewusstsein für Essstörungen und eine bessere Diagnostik zurückgehen könnte.
Anorexie & Bulimie: Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen
Die Untersuchung bildet nicht das gesamte Spektrum der Essstörungen ab. Berücksichtigt wurden ausschließlich Anorexie und Bulimie. Andere Erkrankungen, darunter die Binge-Eating-Störung, bei der es zu wiederkehrenden Essanfällen ohne anschließende Gegenmaßnahmen kommt, flossen nicht in die Auswertung ein.
Professor Stephan Zipfel vom Universitätsklinikum Tübingen betont deshalb, dass die tatsächliche Krankheitslast erheblich höher liegen dürfte. Auch atypische Formen der Magersucht und die vermeidend-restriktive Ernährungsstörung, bei der Betroffene bestimmte Lebensmittel oder Nahrungsmengen vermeiden, wurden nicht vollständig erfasst.

Hinzu kommen Lücken bei den verfügbaren Gesundheitsdaten. In Ländern, aus denen nur wenige Untersuchungen vorliegen, müssen Schätzungen teilweise auf Informationen aus anderen Regionen gestützt werden. Die absoluten Zahlen sind deshalb mit Unsicherheiten verbunden.
Auch die Dunkelziffer dürfte eine Rolle spielen. Essstörungen sind häufig mit Scham verbunden und werden nach Einschätzung der Fachleute oft erst spät erkannt. Manche Betroffene nehmen ihre Symptome zunächst nicht als Krankheit wahr. Dadurch kann sich der Weg zu einer geeigneten Behandlung verzögern.
Experten fordern bessere Versorgung
Die Forscher rechnen damit, dass die Zahl der diagnostizierten Fälle von Anorexie und Bulimie bis 2050 weltweit auf rund 21,8 Millionen steigen könnte. Diese Prognose ist allerdings keine sichere Vorhersage. Sie beruht auf bisherigen Entwicklungen und kann Veränderungen in Gesellschaft und Gesundheitsversorgung nicht vollständig berücksichtigen.
Die Fachleute sprechen sich dafür aus, Essstörungen früher zu erkennen und den Zugang zu spezialisierten Behandlungen zu verbessern. Dazu gehören geschultes medizinisches Personal, klare Anlaufstellen in Schulen und Arztpraxen sowie kürzere Wartezeiten auf Therapieplätze.
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Auch Präventionsangebote könnten helfen. Sie sollten junge Menschen dabei unterstützen, ein gesundes Körperbild zu entwickeln, soziale Medien kritisch zu nutzen und Stigmatisierung entgegenzuwirken. Zudem müssten Jungen und Männer stärker berücksichtigt werden, deren Erkrankungen nach Einschätzung der Experten ebenfalls häufig übersehen werden.










