Im Laufe seines Lebens erkrankt fast jeder zweite Mensch an Krebs. Bei 49 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen wird eine Krebserkrankung diagnostiziert. Das geht aus dem Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Krebs treffe etwa jede sechste Frau und jeden siebten Mann sogar noch vor dem 65. Lebensjahr. Zur Vorbeugung wird häufig geraten, auf Rauchen und Alkohol zu verzichten, sich gesund zu ernähren und genug zu bewegen. Doch es gibt noch einen Faktor, der oft vergessen wird und weltweit für etwa zwölf Prozent der Neuerkrankungen verantwortlich ist. Die Rede ist von Infektionen.

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2024 erhielten weltweit rund 20 Millionen Menschen eine Krebsdiagnose. 2,3 Millionen davon gehen auf Bakterien, Viren oder Parasiten zurück. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC). Ihre Analyse wurde im Fachjournal „The Lancet Oncology“ veröffentlicht. Wie die Forscher betonen, werde die Bedeutung von Infektionen für die Krebsentstehung häufig unterschätzt.
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Diese Erreger verursachen die meisten infektionsbedingten Krebserkrankungen
Die neue Analyse zeigt: Für die meisten Fälle der infektionsbedingten Krebserkrankungen sind vor allem fünf Erreger verantwortlich. Doch nicht alle Infektionen führen zwangsläufig zu Krebs. Ob jemand erkrankt, hängt auch von den Erbanlagen ab, vom Lebensstil und vom Immunsystem.
- Helicobacter pylori: Das Bakterium war 2024 für etwa 760.000 Krebsfälle verantwortlich. Den größten Anteil machten dabei Magenkrebserkrankungen aus. Schätzungen der Experten zufolge ist etwa jede dritte Person in Europa mit H. pylori infiziert.
- HPV: Humane Papillomviren (HPV) lösten 2024 weltweit etwa 750.000 Krebsfälle aus. Rund 600.000 davon waren Gebärmutterhalskrebs.
- Hepatitis B und Hepatitis C: Etwa 360.000 Krebsfälle weltweit wurden 2024 auf Hepatitis B zurückgeführt. Besonders häufig handelte es sich um Leberkrebs. Hepatitis C war der Analyse zufolge für rund 160.000 neue Krebsfälle verantwortlich. Auch hier entfiel der überwiegende Teil auf Leberkrebs.
- Epstein-Barr-Virus: EBV wurde von den Forschern mit etwa 260.000 Krebserkrankungen in Verbindung gebracht. Dazu zählten bestimmte Lymphome und Magenkrebs. Das Epstein-Barr-Virus tragen mehr als 90 Prozent der Menschen in sich.
Daneben machten weitere Infektionserreger wie das Kaposi-Sarkom-assoziierte Herpesvirus (KSHV), HIV, HTLV-1, das Merkelzell-Polyomavirus und bestimmte Parasiten weitere Fälle aus.
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Impfungen und Tests: So lassen sich Infektionen verhindern
Dabei sehen die Forscher erhebliches Potenzial für die Prävention. Bei HPV und Hepatitis B spielt die Impfung eine zentrale Rolle. Für HPV empfehlen sie zudem HPV-Tests zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs und die Behandlung von Krebsvorstufen. Auch eine HPV-Impfung könne dazu beitragen, HPV-bedingte Krebserkrankungen zu verhindern. Bei Hepatitis B seien insbesondere die Impfung von Neugeborenen, sichere Injektionen sowie der Zugang zu Tests und antiviralen Behandlungen entscheidend.
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H. pylori lässt sich durch Tests und Behandlung bekämpfen; zudem nennen die Forscher bessere Hygiene und eine Verringerung der Übertragung innerhalb von Familien als wichtige Ansätze. Bei Hepatitis C nennen die Forscher vor allem sichere Injektionen sowie einen besseren Zugang zu Tests und antiviraler Behandlung.
Zur Vermeidung von HIV-Infektionen nennen die Forscher unter anderem Kondome, HIV-Tests und die Präexpositionsprophylaxe (die vorbeugende Einnahme von HIV-Medikamenten). Für EBV gibt es dagegen bislang keine effizienten Strategien zur Kontrolle der Infektion. Bei KSHV sehen die Forscher ebenfalls großen Präventionsbedarf; ein wirksamer Impfstoff wäre aus ihrer Sicht eine wichtige Möglichkeit, Kaposi-Sarkome zu verhindern.












