Wer nachts stärkerem Licht ausgesetzt ist, könnte ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Darauf deutet eine groß angelegte Untersuchung mit Daten aus der britischen UK Biobank hin. Menschen mit hoher nächtlicher Lichtexposition erkrankten im Beobachtungszeitraum häufiger an Herzschwäche, Vorhofflimmern, Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, war erhöht. Die Ergebnisse wurden im European Heart Journal veröffentlicht.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Für die Untersuchung werteten die Forscher die Daten von 73.286 Erwachsenen aus. Ein Teil der Teilnehmer wurde zusätzlich mit einer speziellen Herz-MRT untersucht. Dadurch konnten die Wissenschaftler nicht nur spätere Erkrankungen betrachten, sondern auch Veränderungen an der Struktur und Funktion des Herzens erkennen.

Auch interessant

Sensor am Handgelenk misst Licht

Die Daten zur nächtlichen Beleuchtung stammen aus den Jahren 2013 bis 2015. Damals trugen die Teilnehmer sieben Tage lang ein Gerät am Handgelenk, das neben Bewegungen auch die einfallende Lichtmenge erfasste. Die Forscher untersuchten insbesondere, wie häufig die Teilnehmer nachts Licht von mehr als drei Lux ausgesetzt waren.

Bei 11.071 Menschen wurde rund drei Jahre später zusätzlich eine Magnetresonanztomografie des Herzens durchgeführt. Dabei zeigten sich bei Personen mit hoher nächtlicher Lichtexposition mehrere Auffälligkeiten.

Unter anderem war die Masse der linken Herzkammer im Verhältnis zur Körpergröße um 2,4 Prozent größer als bei Menschen ohne entsprechende nächtliche Lichtbelastung. Auch die durchschnittliche Dicke der Herzwand war um 1,5 Prozent erhöht. Gleichzeitig war die sogenannte myokardiale Kontraktionsfraktion, ein Maß für die Funktion des Herzmuskels, um 1,9 Prozent niedriger.

Auch andere Bereiche des Herzens waren betroffen. Die rechte Herzkammer wies größere Volumina auf, während der linke Vorhof ebenfalls vergrößert war und eine geringere Auswurffraktion zeigte. Zudem fanden die Forscher Hinweise darauf, dass sich der Herzmuskel bei den stärker beleuchteten Personen weniger gut verformte und zusammenzog.

Auch interessant

Höheres Risiko für Herzschwäche und Schlaganfall

Die Unterschiede zeigten sich nicht nur bei den MRT-Aufnahmen. Über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren wurde auch verfolgt, welche Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den Teilnehmern auftraten.

Menschen mit hoher nächtlicher Lichtexposition hatten im Vergleich zu Personen ohne entsprechende Belastung ein um 29 Prozent höheres Risiko für Herzschwäche. Das Schlaganfallrisiko lag um 33 Prozent höher. Für Herzinfarkte wurde ein um 24 Prozent erhöhtes Risiko festgestellt, für Vorhofflimmern ein um 15 Prozent höheres. Das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, war um 26 Prozent erhöht.

Auch interessant

Dabei zeigte sich ein kontinuierlicher Zusammenhang: Je stärker die nächtliche Lichtbelastung war, desto ungünstiger fielen die untersuchten Herzwerte aus.

Schlaf spielt eine Rolle – aber nicht allein

Einen Teil des Zusammenhangs erklären die Forscher mit der Schlafdauer. Menschen, die nachts stärkerem Licht ausgesetzt waren, schliefen tendenziell weniger. Eine kürzere Schlafdauer erklärte je nach untersuchtem Herzmerkmal zwischen 24 und 49 Prozent der beobachteten Zusammenhänge.

Damit lässt sich der Effekt allerdings nicht vollständig erklären. Welche weiteren Mechanismen eine Rolle spielen könnten, bleibt offen. Denkbar sind nach Einschätzung der Forscher unter anderem Störungen des natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Die vorliegende Untersuchung kann solche möglichen Ursachen jedoch nicht nachweisen.

Auch die Lichtbelastung am Tag zeigte nach Angaben der Studie kaum vergleichbare Zusammenhänge mit den untersuchten Herzmerkmalen. Das spricht dafür, dass insbesondere Licht während der eigentlichen Ruhephase relevant sein könnte.

Studie beweist keinen direkten Zusammenhang

Trotz der deutlichen Unterschiede gibt es eine wichtige Einschränkung: Die Untersuchung ist beobachtend angelegt. Sie kann deshalb nicht beweisen, dass nächtliches Licht unmittelbar Herzkrankheiten verursacht.

Die Forscher berücksichtigten bei ihrer Auswertung verschiedene weitere Faktoren, darunter Alter, Geschlecht, Gewicht, Rauchen, körperliche Aktivität, Einkommen, Luftverschmutzung, Diabetes und Bluthochdruck. Dennoch können bei einer solchen Untersuchung weitere, nicht erfasste Einflussfaktoren eine Rolle spielen.