Sie waren im Schnitt 23 Jahre alt – doch ihre Halsschlagadern sahen an manchen Stellen aus wie die von 33-Jährigen. Diesen Befund meldete ein US-Forschungsteam bereits vor einem Jahr und nannte ihn selbst „ominous“ – bedrohlich. Jetzt legt dieselbe Gruppe mit einer neuen Auswertung im Fachblatt „Circulation: Population Health and Outcomes“ nach.

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Untersucht wurden 1283 junge Erwachsene aus 20 großen US-Städten. Sie stammen aus einer Langzeitstudie, die ihre Mütter kurz nach der Geburt zwischen 1998 und 2000 aufnahm. Sieben Erhebungswellen liegen dahinter, die letzte fand zwischen 2021 und 2023 statt. Diesmal kamen die inzwischen erwachsenen Kinder persönlich ins Untersuchungszentrum. Ärztinnen und Ärzte maßen Blutdruck, Blutfette, Blutzucker und Nierenwerte. Zwei erfahrene Fachkräfte der University of Wisconsin-Madison machten anschließend einen Ultraschall der Halsschlagadern.

CKM-Syndrom: 80 Prozent der Teilnehmenden erfüllen neue Kriterien für Risikoerkrankung

Das Ergebnis: Knapp 80 Prozent erfüllten die Kriterien für das sogenannte kardiovaskulär-renal-metabolische Syndrom, kurz CKM. Die American Heart Association (AHA) prägte den Begriff 2023. Bekannt ist das Syndrom noch kaum. Eine US-Umfrage ergab: 90 Prozent der Befragten hätten noch nie davon gehört.

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Der Begriff CKM beschreibt, wie Herz, Nieren und Stoffwechsel zusammenwirken – im Guten wie im Schlechten. „Herz-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen treten nicht isoliert auf. Sie hängen eng zusammen“, erklärte Kardiologe Chiadi Ndumele von der Johns Hopkins School of Medicine, als die AHA und das American College of Cardiology in diesem Jahr die ersten klinischen Leitlinien zum Syndrom vorlegten.

Das Modell kennt vier Stufen. Stufe 0 bedeutet: kein Risikofaktor. Stufe 1 steht für übermäßiges Fettgewebe, Stufe 2 für Risiken bei Stoffwechsel oder Nieren, Stufe 3 für stumme Vorstufen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. In der Studie landeten 20,7 Prozent auf Stufe 0, 40,2 Prozent auf Stufe 1, 36,2 Prozent auf Stufe 2 und 2,8 Prozent auf Stufe 3. Stufe 4 kam nicht vor. Menschen mit bereits diagnostizierter Herz-Kreislauf-Erkrankung schloss das Team vorher aus – das betraf eine Person.

Arterien: Schon kleine Unterschiede erhöhen Herzinfarktrisiko

Je höher die Stufe, desto dicker die Gefäßwand. Die maximale Intima-Media-Dicke misst die inneren Schichten der Halsschlagader. Sie lag auf Stufe 1 um 0,014 Millimeter über dem Wert von Stufe 0. Auf Stufe 2 waren es 0,020 Millimeter, auf Stufe 3 sogar 0,100 Millimeter. In absoluten Zahlen: von 0,622 Millimeter auf Stufe 0 bis 0,72 Millimeter auf Stufe 3. Das klingt nach wenig. Frühere Arbeiten zeigen aber, dass schon Unterschiede unter 0,10 Millimeter bei älteren Menschen mit einem deutlich höheren Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall einhergehen. In einer jüngeren Gruppe könnten diese Zusammenhänge noch stärker ausfallen, schreiben die Autorinnen und Autoren.

Ein zweiter Wert veränderte sich ebenfalls: Der sogenannte Grauwert-Median. Der beschreibt, wie hell sich das Gewebe im Ultraschall darstellt. Das Team zählt ihn zu den Markern früher Gefäßschäden. Auf Stufe 0 lag er bei 85,1, auf Stufe 2 nur noch bei 73,9.

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Herzgesundheit: Schlechte Bewertungen trotz gesunder Lebensweise

Parallel dazu sank auch die Bewertung der Herzgesundheit. Das Team nutzte dafür die „Life‘s Essential 8“ der AHA. Acht Bausteine fließen ein: Ernährung, Bewegung, Schlaf, Nikotin, Body-Mass-Index, Blutzucker, Blutfette und Blutdruck. Alles zusammen ergibt eine Skala bis 100 Punkte. Wer auf Stufe 0 stand, kam im Schnitt auf 77,6 Punkte. Auf Stufe 3 waren es 64,4. Über alle Teilnehmenden hinweg lag der Wert im Schnitt bei 69,2 – also im mittleren Bereich. Selbst in der gesündesten Gruppe erreichte die Mehrheit keine hohe Bewertung. Zum Vergleich: Frühere Studien zeigen, dass schon zehn Punkte mehr auf dieser Skala mit einem deutlich niedrigeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einhergehen.

Bei Ernährung, Bewegung, Schlaf und Nikotin unterschieden sich die Stufen statistisch nicht voneinander. Die Werte für Ernährung und Bewegung lagen quer durch alle Gruppen niedrig, unter 50 Punkten. Gesundheitsverhalten wirke im Ursachenpfad weiter vorn und brauche länger als Blutdruck oder Blutzucker, bis es sich in den Gefäßen zeige, vermuten die Forschenden. Möglich sei auch, dass Selbstauskünfte per Fragebogen die Unterschiede nicht sauber abbilden.

Studie: Höheres CKM-Risiko für benachteiligte Gruppen?

Die Forschenden selbst warnen aber auch vor voreiligen Schlüssen. Die Gründe: Sie haben alle Werte zu einem einzigen Zeitpunkt erhoben, Ursache sowie Wirkung lassen sich daraus nicht ableiten und sie prüften viele Zielgrößen gleichzeitig – das erhöht die Chance auf Zufallstreffer.

Auch die gewählte Stichprobe ist besonders. Die Langzeitstudie nahm gezielt viele unverheiratete Mütter auf. So kamen überdurchschnittlich viele Menschen aus armen Verhältnissen hinein: Bei 76,4 Prozent lag das Einkommen der Mutter zur Zeit der Geburt unter 300 Prozent der US-Armutsgrenze. Gut die Hälfte erlebte, dass ein Elternteil ins Gefängnis musste. 51,6 Prozent bezeichnen sich als Schwarz, 27,1 Prozent als hispanisch, 16,8 Prozent als weiß. Damit trägt diese Gruppe eine höhere Last als US-Jugendliche in bundesweiten Erhebungen. Für junge Erwachsene mit anderem Hintergrund gelten die Zahlen deshalb nicht ohne Weiteres.

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Adipositas und Diabetes: Forscher erwarten deutlichen Anstieg bei jungen Amerikanern bis 2050

Die Studie verweist auf eine Hochrechnung für die Jahre 2020 bis 2050. Danach dürfte unter US-Erwachsenen zwischen 20 und 44 Jahren die Adipositas von 41,7 auf 60,0 Prozent steigen, Diabetes von 6,1 auf 15,5 Prozent, Bluthochdruck von 30,3 auf 40,5 Prozent.

Eine Einstufung ist trotzdem kein Urteil. Das Stufenmodell ist ausdrücklich so gebaut, dass sich ein Fortschreiten bremsen oder umkehren lässt – über Ernährung, Bewegung und, wo nötig, Medikamente.

Die Autorinnen und Autoren nennen neuere Wirkstoffe, die gleichzeitig Herz, Nieren und Stoffwechsel entlasten. „So viele Bausteine von CKM treffen Menschen inzwischen in jüngeren Jahren – schon im frühen Erwachsenenalter oder sogar in der Jugend“, sagt Mitautor Nilay Shah von der Northwestern University. Viele junge Erwachsene haben noch keine klinisch erhöhten Werte, wie die Studie festhält. Für eine Zehn-Jahres-Risikoberechnung sind die meisten also schlicht zu jung. Trotzdem zeigen sich Ansatzpunkte über Lebensstil und Verhalten.