Der Homo sapiens ist längst zu Homo sedens geworden – von der „Krone der Schöpfung“ zum Sitzriesen mit den bekannten Nebenwirkungen: Rückenschmerzen, Muskelschwäche, Stoffwechselerkrankungen und einiges mehr. Laut Wissenschaft gibt es aber auch für Menschen, die sich nur wenig bewegen wollen oder können, eine Möglichkeit, sich fit und gesund zu halten – und das sogar mit sehr geringem Zeitaufwand.
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Neue Studie: Schon zwei bis drei Minuten intensiver Aktivität haben messbare Auswirkungen
Laut einer Studie des „European Heart Journal“ könnten bereits kurze Phasen intensiver körperlicher Aktivität im Alltag eine signifikante positive Auswirkung auf die kardiovaskuläre Gesundheit haben. Das Zauberwort heißt „Vilpa“ (vigorous intermittent lifestyle physical activity, auf Deutsch so viel wie: intensive, intermittierende Alltagsaktivität). Dafür braucht man kein Abo im Fitnessstudio und keine Trainingspläne. Zwei bis drei Minuten Anstrengung im Alltag – also etwa schnelles Gehen, Treppensteigen oder das Schleppen schwerer Einkaufstüten – können demnach das Risiko für chronische Erkrankungen und sogenannte „schwere kardiovaskuläre Ereignisse“ wie etwa einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall deutlich verringern.
Weitere Studien, die im Fachblatt „JAMA Oncology“ und im „British Journal of Sports Medicine“ veröffentlicht wurden, erhärten die These, dass zwei bis drei Minuten Mini-Training in Alltagssituationen einen positiven Effekt auf den Körper haben können. „Wenn Sie Ihren Körper stärker fordern, aktivieren Sie Systeme, die bei leichter Bewegung kaum arbeiten. Auch wenn es nur kurz ist. Ihre Herzfrequenz steigt, Ihre Muskeln arbeiten stärker und Ihr Stoffwechsel passt sich an“, sagte der Sportwissenschaftler Jordan D. Metzl im Interview mit der britischen Zeitung „Times“.
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Für die Studie im „British Journal of Medicine“ wurden 22.368 nicht sportlich aktive Personen (13.018 Frauen, 9350 Männer. Altersmedian 61,8 Jahre) über etwa acht Jahre begleitet und ihre körperliche Aktivität mittels am Handgelenk getragener Beschleunigungssensoren erfasst. Bei ihnen traten nach Abschluss der Studie insgesamt 819 „schwere kardiovaskuläre Ereignisse“ auf, 331 bei den Frauen, 488 bei den Männern. Es zeigte sich, dass eine tägliche Vilpa-Dauer von nur 3,4 Minuten das Risiko für solche Ereignisse um 45, für einen Myokardinfarkt um 51 und für Herzinsuffizienz sogar um 67 Prozent verringerte. Auch eine geringe Vilpa-Tagesdosis von 1,5 Minuten hatte noch einen deutlichen Effekt. So verringerte sich das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse immerhin noch um 30, für einen Myokardinfarkt um 33 und für Herzinsuffizienz um 40 Prozent.
Frauen profitieren stärker von körperlicher Alltagsaktivität als Männer
Die in „JAMA Oncology“ veröffentlichte Studie konnte nachweisen, dass bei einer Vilpa-Dauer von 3,5 Minuten das allgemeine Krebsrisiko um 18 Prozent sank. Bei Krebsarten, die durch Bewegungsmangel bedingt sind, verringerten 4,5 Minuten Vilpa pro Tag das Risiko sogar um bis zu 32 Prozent.
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Allerdings zeigten die durchgeführten Studien auch, dass der schützende Effekt durch Vilpa bei Frauen und Männern unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Frauen profitieren laut der Studien deutlich mehr. Vor allem der kardioprotektive Effekt war bei Männern geringer. Als Grund dafür vermuten die Wissenschaftler die Tatsache, dass Frauen für die gleichen Aktivitäten mit 83,2 Prozent oft vergleichsweise mehr Energie aufwenden müssen als Männer (70,5 Prozent). Die sportliche Aktivität führe bei den Frauen zu stärkeren physiologischen Anpassungen und habe damit einen größeren Effekt. Die Autoren betonen aber auch, dass es sich um Beobachtungsstudien handele. Ein kausaler Effekt von Bewegung auf eine verbesserte Gesundheit könne damit nicht belegt werden.











