• Ein grippaler Infekt geht meist von alleine weg. Die akuten Symptome klingen nach wenigen Tagen ab.
  • Hat der Körper jedoch nicht genug Zeit zu regenerieren, kann eine Erkältung länger anhalten.
  • Durch eine verschleppte Erkältung können Viren und Bakterien tiefer in den Körper eindringen.

Erkältungen gehen meist innerhalb einiger Tage von alleine weg. Medikamente können zwar Symptome wie Hals- und Gliederschmerzen lindern, doch nach einer Woche ist vom Infekt auch ohne äußere Hilfe nur noch wenig zu spüren. Unser Immunsystem schafft es allerdings nicht immer, die Krankheitserreger zu bekämpfen. Das passiert vor allem dann, wenn der Körper nicht genug Zeit zur Regeneration hat. Dabei ist ein verschleppter Infekt nicht nur lästig, sondern auch potenziell gefährlich, warnt der Mediziner Dr. Keihan Ahmadi-Simab.

Eine Frau liegt krank auf dem Sofa
Eine Erkältung kann nur ganz ausheilen, wenn der Körper genügend Zeit zur Erholung bekommt.© iStock | damircudic

Gewöhnliche Erkältung klingt in der Regel nach einer Woche ab

Eine gewöhnliche Erkältung oder ein sogenannter grippaler Infekt wird durch Rhinoviren, seltener durch Corona- und Adenoviren verursacht. Die Viren gelangten auf die Schleimhäute in der Nase, im Hals und im Rachen und beschädigten oder zerstörten dort Zellen. Das Immunsystem löse dann eine Entzündungsreaktion aus. Dadurch schwellen die Schleimhäute an und unsere Husten- und Schmerzrezeptoren reagieren.

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Diese Prozesse lösen die typischen Erkältungssymptome aus: Der Hals schmerzt und schwillt an, die Nase läuft, dazu kommen Reizhusten und Gliederschmerzen. Nach einigen Tagen entwickelt sich ein sogenannter produktiver Husten mit Auswurf. Durch die Schleimbildung fängt der Körper die Viren ein und befördert sie nach draußen. So vergeht ein grippaler Infekt bei Menschen mit einem funktionierenden Immunsystem schnell.

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Die akute Phase einer Erkältung mit Fieber und Gliederschmerzen dauert nur einige Tage an. „Halsschmerzen und Schnupfen bessern sich nach drei bis fünf Tagen“, erklärt Ahmadi-Simab. „Der Husten kann bis zu zwei Wochen, in manchen Fällen auch drei Wochen, anhalten.“ Die Hustenrezeptoren sind nach einer Erkältung empfindlicher und reagierten entsprechend stärker auf Reize, wie Kälte, tiefe Atemzüge oder scharfe Gewürze. Zu lange sollte der Husten allerdings nicht anhalten.

Erkältung geht nicht weg: Bakterielle Superinfektion möglich

Hilfe von außen brauchen Erkältete in der Regel nicht: „In den meisten Fällen verläuft eine Erkältung ohne Komplikationen, wenn man dem Körper ausreichend Ruhe und Erholung gönnt“, sagt Ahmadi-Simab. Doch besonders bei leichten Symptomen unterschätzen viele den Infekt und verlängern so ihre Genesung.

Ein nicht vollständig ausgeheilter Infekt macht sich schnell bemerkbar: „Von einer verschleppten Erkältung spricht man, wenn die Symptome ungewöhnlich lange anhalten oder sich nach anfänglicher Besserung wieder verschlechtern“, so der Internist. Jede Form von zu früher körperlicher Belastung könne das Immunsystem schwächen. Neben Sport kurz nach einer Erkältung sei auch anhaltender Stress dafür verantwortlich.

Je länger der Infekt anhält, desto leichter können sich andere Viren oder Bakterien im Körper vermehren. „Durch eine geschwächte Immunabwehr kann es zu einer sogenannten bakteriellen Superinfektion kommen“, warnt Ahmadi-Simab. „Das bedeutet, dass sich zusätzlich zu der ursprünglichen Virusinfektion Bakterien ansiedeln und eine zweite Infektion verursachen.“ In solchen Fällen sei ein Antibiotikum erforderlich.

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Zudem könnten aus einer Superinfektion weitere Komplikationen entstehen, sagt Ahmadi-Simab: Möglich seien eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung, eine Mittelohr- oder eine Nasennebenhöhlenentzündung. Für ältere und vorerkrankte Menschen ist jede Folgeerkrankung mit einem Risiko verbunden. Gefährlich wird es aber auch für gesunde und junge Menschen, wenn die Krankheitserreger über den Blutkreislauf ins Herz gelangen.

Dann kommt es zu einer Herzmuskelentzündung oder Myokarditis. Dabei werden Zellen zerstört, was die Pumpleistung des Herzens beeinträchtigt. „Eine Myokarditis ist besonders tückisch, weil sie oft ohne starke Symptome verläuft, aber zu Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche führen kann“, erklärt der Experte. Bei einer weiteren Belastung des Körpers kann es in seltenen und sehr schweren Fällen zu einem plötzlichen Herztod kommen.

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Dass der Infekt auf die Nasennebenhöhlen, die Lunge oder das Herz übergangen ist, lässt sich an bestimmten Symptomen erkennen. Auf folgende Warnzeichen sollten Erkältete laut Ahmadi-Simab achten:

  • Fieber nach einer Ruhephase
  • zunehmende Schwäche
  • Schmerzen beim Einatmen oder Atemnot
  • Herzklopfen, Herzrasen oder Brustschmerzen
  • anhaltender Husten
  • gelblich-grüner, übel riechender oder blutiger Auswurf
Der Arzt Dr. Ahmadi-Simab
Dr. Ahamdi-Simab ist seit 2014 ärztlicher Direktor des Medizinum Hamburg. Er ist Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie, Klinische Immunologie und Gastroenterologie. © Medizinicum Hamburg

Erkältung loswerden: „Wichtig ist in erster Linie Ruhe“

Nicht nur starke Beschwerden erfordern einen Arztbesuch: „Im Zweifel, insbesondere bei anhaltendem Fieber über 38,5 Grad, ungewöhnlichen Beschwerden oder einem starken Krankheitsgefühl, sollte immer ärztlich abgeklärt werden, ob sich eine Komplikation entwickelt hat“, erklärt Ahmadi-Simab.

Zudem sollten Erkältete ihren Husten im Blick behalten: Verschlimmert er sich oder hält länger als drei Wochen an, kann das auf eine Bronchitis oder eine Lungenentzündung hinweisen. Vorerkrankte Menschen sollten sich zudem untersuchen lassen, wenn sie während einer Erkältung eine Verschlechterung ihrer Grunderkrankung bemerken, so der Rat des Mediziners.

„Wichtig ist in erster Linie Ruhe“, betont Ahmadi-Simab. „Der Körper benötigt Energie, um die Infektion vollständig zu überwinden.“ Bis alle Symptome abklingen, sollten sich Erkältete konsequent schonen. Zusätzlich unterstützten einfache Verhaltensregeln den Heilungsprozess: Der Experte empfiehlt ausreichend Schlaf, „viel Flüssigkeit, um die Schleimhäute feucht zu halten und den Schleim zu lösen und eine leichte, vitamin- und eiweißreiche Ernährung“. Viel Protein liefert unter anderem die klassische Hühnersuppe, die laut Ernährungs-Doc Matthias Riedl eines der besten Hausmittel bei einer Erkältung ist.