- Etwa 7 bis 8 Prozent der Kinder sind von der Sprachentwicklungsstörung (SES) betroffen
- Doch häufig werden die Symptome mit Autismus vertauscht – das erschwert die richtige Diagnose
- Was hinter SES steckt und was betroffene Eltern unbedingt beachten sollten
Wenn Kinder undeutlich, unverständlich oder generell wenig sprechen, haben viele Eltern – und auch Ärzte – einen Verdacht: Autismus. Die Autismus-Spektrum-Störung (ASS) wird in Deutschland immer häufiger diagnostiziert und mit ähnlichen Symptomen in Verbindung gebracht. Kommen in der Schule noch Probleme beim Lesen und Schreiben hinzu, kann auch eine Lese- und Rechtschreibschwäche (LRS) diagnostiziert werden.

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Dabei gibt es zunehmend Studien, die eine völlig andere, kaum feststellbare Störung als Ursache für die Sprachprobleme für gefährlich unterdiagnostiziert halten: die entwicklungsbedingte Sprachstörung, besser bekannt als Sprachentwicklungsstörung (SES). So warnte bereits 2025 an der Universität Tromsø zu der Störung forschende Psychologin und Linguistin Anastasiia Ogneva davor, die SES bei Kindern zu übersehen und mit Autismus oder LRS zu verwechseln.
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„SES ist keine einfache Entwicklungsverzögerung, die sich mit der Zeit von selbst auflöst“, schrieb Ogneva in einem Gastbeitrag für „The Conversation“. Die „unsichtbare Störung sei ein dauerhafter Prozess und könne, wenn unbehandelt, schwerwiegende Auswirkungen auf die schulischen Leistungen, die sozialen Beziehungen und das Selbstwertgefühl der Kinder haben.
Sprachentwicklungsstörung: Symptome beschädigen Selbstbewusstsein
Laut dem Deutschen Bundesverband für Logopädie (dbl) zeigt sich eine Sprachentwicklungsstörung am deutlichsten darin, dass betroffene Kinder deutlich später oder langsamer sprechen lernen als Gleichaltrige. Häufig ist ihr Wortschatz eingeschränkt, Sätze bleiben kurz und grammatikalisch fehlerhaft. Die Kinder haben Probleme, Laute korrekt zu bilden, oder verwechseln ähnliche Wörter.
Als Beispiele nennt der Verband falsche Lautsetzungen wie zum Beispiel „Gose“ statt „Dose“, oder Grammatikfehler wie „die Oma Kuchen backt“, die sich nach dem Kleinkindalter oftmals nicht auswachsen. Auch das Erzählen von Geschichten, das Beschreiben von Erlebnissen oder das richtige Einsetzen von Zeitformen fällt ihnen schwer. Darüber hinaus treten Schwierigkeiten beim Verstehen komplexerer Anweisungen auf.
Für die Kinder bedeutet SES nicht nur, dass sie Wörter schwerer finden oder Grammatik-Regeln langsamer lernen. Auch Freundschaften, Schulnoten und das Selbstvertrauen können darunter leiden. Wer Anweisungen in der Schule nicht versteht oder im Gespräch mit Gleichaltrigen ständig hinterherhinkt, fühlt sich schnell ausgegrenzt. Fachleute wie Ogneva betonen deshalb, wie wichtig eine frühe Diagnose und gezielte Sprachtherapie sind.
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Sprachstörung kann bisher kaum sicher diagnostiziert werden
„Frühe Förderung ist unerlässlich, denn Sprache bildet die Grundlage für Lesen, Schreiben und schulisches Lernen“, erklärt sie. Je früher ein Kind Hilfe erhalte, desto leichter ließen sich spätere Schwierigkeiten reduzieren: „Ein Kind, das im Alter von vier bis fünf Jahren Hilfe erhält, kann deutlich bessere Fortschritte machen als eines im Alter von neun bis zehn Jahren, wenn es bereits mit schulischen Misserfolgen und Frustration zu kämpfen hat.
Langzeitstudien zeigen entsprechend, dass eine unbehandelte SES sich auch noch im Erwachsenenalter negativ auf die akademische Leistung auswirkt. Dem dbl zufolge sind in Deutschland 7 bis 8 Prozent aller Kinder im Vorschulalter betroffen.
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Anders als bei Autismus oder einer Hörschädigung gibt es keine offensichtliche Ursache, warum Kinder schlechter lesen, schreiben oder zuhören können. Gerade deshalb bleibt die Störung oft lange unentdeckt.
Wahrscheinlich ist, wie das US-Forschungsinstitut National Institute on Deafness and Other Communication Disorders (NIDCD) auf seiner Webseite schreibt, dass es sich bei dem Auftreten einer SES um ein Zusammenspiel genetischer, neurobiologischer und umweltbedingter Faktoren handelt.
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Sprachtraining für Kinder kann Symptome abschwächen
Das internationale Forschungsprojekt CATALISE hat sich deshalb für eine einheitliche Bezeichnung und klarere Diagnosekriterien starkgemacht. Auch die Abgrenzung zu anderen Störungen soll dadurch erleichtert werden.
Eine im Deutschen Ärzteblatt erschienene klinische Leitlinie aus dem Jahr 2024 empfiehlt bei Sprachentwicklungsstörungen zunächst, Eltern in der Unterstützung ihrer Kinder zu trainieren, während bei zusätzlichen Risikofaktoren oder Sprachverständnisproblemen frühzeitige professionelle Sprachtherapie empfohlen wird.
Dieser Artikel wurde erstmals im September 2025 veröffentlicht.











