Zusammenfassung
- Eine neue Meta-Analyse zeigt, dass die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft das Risiko für ADHS und Autismus bei Kindern erhöhen kann.
- Die Forscher empfehlen, Paracetamol in der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Rücksprache und so sparsam wie möglich einzunehmen.
- Der Zusammenhang ist noch nicht abschließend geklärt, weitere Forschung wird dringend benötigt.
Hat die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft Auswirkungen auf das Kind – oder nicht? In zahlreichen wissenschaftlichen Studien wurde bereits untersucht, ob das Risiko für neurologische Entwicklungsstörungen wie ADHS oder Autismus bei Kindern erhöht ist, deren Mütter in der Schwangerschaft das Präparat mit dem Wirkstoff Acetaminophen eingenommen hatten.

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Dabei kamen mehrere Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen. Eine neue Meta-Analyse, die 46 Studien untersucht und nach wissenschaftlichen Gütekriterien bewertet hat, gibt nun Aufschluss. Demnach kann die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft tatsächlich das Risiko für ADHS und Autismus bei Kindern erhöhen.
ADHS durch Paracetamol? Diese neue Studie sollten Schwangere kennen
Die Studie wurde im Journal „Environmental Health“ veröffentlicht. Zwar zeigt sie nicht, dass – und wie – Paracetamol direkt neurologische Entwicklungsstörungen verursacht. Aber die Ergebnisse des Forschungsteams untermauern den Verdacht auf einen Zusammenhang und geben Anlass zur Sorge hinsichtlich der aktuellen klinischen Praxis. Durchgeführt hat die Analyse ein Forschungsteam der Icahn School of Medicine des renommierten Mount-Sinai-Krankenhauses in New York City.
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Die Qualität der Analyse wurde über ein Peer-Review-Verfahren gesichert: Mehrere Forscherinnen und Forscher haben sie also vor der Veröffentlichung auf ihre Richtigkeit überprüft. Sie entstand in Zusammenarbeit mit der University of California, Los Angeles, der University of Massachusetts Lowell und der Harvard T.H. Chan School of Public Health. Finanziert wurde die Analyse durch das US-amerikanische National Cancer Institute, das National Institute of Environmental Health Sciences und das National Institute on Aging.
Ist die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft gefährlich?
Das Forschungsteam hat 46 Studien und die Daten von 100.000 Menschen ausgewertet und kommt zu dem Schluss: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass qualitativ hochwertigere Studien eher einen Zusammenhang zwischen der pränatalen Paracetamol-Exposition und einem erhöhten Risiko für Autismus und ADHS nachweisen.“
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Medikamente mit Acetaminophen sind hierzulande als Paracetamol bekannt, in den Vereinigten Staaten (USA) und Kanada werden sie häufiger unter dem Markennamen Tylenol® verkauft. Bislang galt der Wirkstoff als eines der am häufigsten verwendeten rezeptfreien Schmerz- und Fiebermittel während der Schwangerschaft – Schwangere weltweit nehmen Paracetamol ein. Doch wie ist nun mit dem Präparat umzugehen? Was müssen Schwangere beachten?
Paracetamol in der Schwangerschaft: Was Experten raten
Das Forschungsteam, das die Analyse durchgeführt hat, betont: Es sei notwendig, vorsichtig mit dem Wirkstoff Acetaminophen in der Schwangerschaft zu sein. Außerdem sei weitere Forschung nötig. „Wir empfehlen eine umsichtige Anwendung von Paracetamol – niedrigste wirksame Dosis, kürzeste Wirkungsdauer – unter ärztlicher Anleitung und individueller Risiko-Nutzen-Abwägung, anstatt eine generelle Einschränkung“, heißt es von den Studienautoren.
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Denn, so erklärt einer der an der Analyse beteiligten Wissenschaftler, Diddier Prada: „Unbehandelte Schmerzen oder Fieber können ebenfalls dem Baby schaden. Unsere Studie unterstreicht, wie wichtig es ist, mit Ärztinnen und Ärzten über den sichersten Einsatz zu sprechen und, wann immer möglich, nicht-medikamentöse Optionen in Betracht zu ziehen.“
Experte plädiert auf vorsichtigen Umgang mit Paracetamol in der Schwangerschaft
Auch der deutsche Experte Wolfgang Paulus plädiert gegenüber dieser Redaktion auf einen moderaten Umgang mit Paracetamol in der Schwangerschaft. Paulus arbeitet als Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Universitätsklinikum Ulm. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Anwendung von Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit.
Paulus‘ Regeln für den Umgang mit Paracetamol in der Schwangerschaft:
- Der Einsatz von Paracetamol sollte laut dem Experten in der Schwangerschaft so kurz und moderat dosiert wie möglich erfolgen.
- Der Arzt sagt: Schwangere sollten nicht zwangsläufig auf stärker dosierte Schmerzmittel mit noch problematischerem Wirkungsprofil ausweichen.
- Die vermehrte Aufklärung in medizinisch-pharmazeutischen Fachkreisen, aber auch bei Laien, sollte Paulus zufolge das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Paracetamol in der Schwangerschaft stärken. „Es handelt sich auch hier um ein Medikament und nicht um ein Nahrungsergänzungsmittel!“, sagt der Mediziner.
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Auch Paulus spricht sich für weitere Forschung auf diesem Gebiet aus. Eine plausible Erklärung für einen kausalen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft und späteren Entwicklungsstörungen fehle noch. Ein vielversprechender Ansatz, so Paulus: „Geschwistervergleiche sind eine hervorragende Methode, um äußere Einflussgrößen wie etwa Arzneimittelkonsum von familiären Faktoren zu unterscheiden.“
Dieser Artikel erschien erstmals im August 2025.












