Abnehmen, das bedeutet in der Regel, seine Ernährung umzustellen und regelmäßig Sport zu machen. Nicht immer klappt das – und wohl auch darum wählen viele lieber einen anderen Weg. Für ihn reicht ein kleiner Piks: Medikamente wie Semaglutid (bekannt unter dem Handelsnamen Wegovy) oder Tirzepatid (Mounjaro) lassen das Gewicht purzeln.

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Die Wirkstoffe gehören zur Klasse der GLP-1-Rezeptoragonisten und imitieren die Wirkung von Darmhormonen. Diese Hormone regulieren den Appetit, verlangsamen die Magenentleerung und beeinflussen somit die Nahrungsaufnahme direkt. In klinischen Studien verloren Patientinnen und Patienten damit im Schnitt bis zu 20 Prozent ihres Körpergewichts.
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Doch während die Pfunde schwinden, schwindet laut neuen Untersuchungen auch etwas anderes, das für die Gesundheit mindestens genauso wichtig ist, wie der Bauchumfang.
Muskelschwund und Knochenabbau durch Abnehmspritze?
Eine 2024 veröffentlichte Analyse der Universität Liverpool weist darauf hin, dass GLP-1-Medikamente wie Semaglutid oder Tirzepatid beim Abnehmen nicht nur Fett reduzieren, sondern auch sogenannte fettfreie Masse, zu der auch Muskulatur und Knochensubstanz zählen. In einigen Fällen lag der Anteil bei 40–60 Prozent, in anderen deutlich darunter, bei etwa 15 Prozent oder weniger. Entscheidend seien, so die Autorinnen und Autoren, Alter, allgemeiner Gesundheitszustand und das Ausmaß der Gewichtsabnahme.
Zu einem ähnlichen Befund kam eine Untersuchung am angeschlossenen Krankenhaus der Universität für Chinesische Medizin in Changchun: Auch dort zeigte sich, dass unter GLP-1-Therapie der Anteil verlorener Muskelmasse am Gesamtgewichtsverlust höher lag als bei herkömmlichen Diäten.
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Warum Muskelabbau bei Abnehmspritzen ein Gesundheitsrisiko ist
Der Verlust von Muskelmasse ist weit mehr als ein kosmetisches Problem. Muskeln sind das größte Stoffwechselorgan des Körpers – sie speichern Glukose, verbrennen Energie und helfen, den Blutzuckerspiegel im Gleichgewicht zu halten. Laut einer 2023 in „Nutritions“ veröffentlichten Studie haben Menschen mit niedriger Muskelmasse eine signifikant schlechtere Blutzuckerkontrolle – unabhängig von ihrem Körpergewicht.
Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel gilt wiederum als Risikofaktor für eine ganze Kaskade schwerer Erkrankungen: Herzinfarkt, Schlaganfall, Nervenschäden, Erblindung, Nierenversagen. Und der Zusammenhang geht über den Stoffwechsel hinaus. Weniger Muskeln bedeuten auch weniger Kraft im Alltag – und erhöhen vor allem bei älteren Menschen die Gefahr für Stürze und deren oft folgenschwere Komplikationen.
Abnehmspritzen und Osteoporose: Risiken für Knochendichte und Bruchgefahr
Auch die Knochenmasse ist ein unterschätzter Gesundheitsfaktor. Starke Knochen ermöglichen nicht nur Mobilität, sondern dienen auch als Speicher für Mineralstoffe wie Kalzium, wie die „Apotheken Rundschau“ schreibt. Sinkt die Knochendichte – was beispielsweise durch eine zu schnelle Gewichtsabnahme passieren kann –, steigt die Gefahr für Brüche, insbesondere im Alter.
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Die „Royal Osteoporosis Society“ in Großbritannien warnt ausdrücklich vor diesem Effekt. Für Menschen mit ohnehin niedriger Knochendichte, wie Osteoporose-Patientinnen und -Patienten, oder für jene mit erhöhter Bruchgefahr könnten GLP-1-Medikamente problematisch sein. „Jedes Medikament, das die Knochendichte verringert, birgt ein Risiko für Knochenbrüche bei gefährdeten Gruppen“, so die Einschätzung der Fachgesellschaft.
Forschung warnt: Warum Abnehmspritzen Muskelmasse und Knochendichte verringern können
Warum GLP-1-Medikamente wie Semaglutid oder Tirzepatid neben Fett auch so viel fettfreie Masse abbauen, ist bislang nicht abschließend geklärt. Forschende der Universität Liverpool vermuten, dass in der Phase des starken Kaloriendefizits Muskelproteine schneller abgebaut werden, als neue aufgebaut werden können. Gleichzeitig sinkt durch den Gewichtsverlust die mechanische Belastung der Knochen, was den Knochenumbau verlangsamt – also den natürlichen Prozess, bei dem alter Knochen durch neuen ersetzt wird.
Die Tatsache, dass ähnliche Effekte auch bei Diäten und bariatrischen Operationen auftreten, deutet laut den Studienautoren darauf hin, dass der Mechanismus nicht ausschließlich medikamentenbedingt ist, sondern im Prinzip jeder starken Gewichtsabnahme inhärent sein könnte. Allerdings deuten die bisherigen Daten darauf hin, dass der relative Muskelverlust unter GLP-1-Präparaten höher ausfallen könnte als bei klassischen Methoden.
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Muskel- und Knochenabbau bei Abnehmspritzen verhindern: Ernährung und Training als Schlüssel
Wer mit Semaglutid oder Tirzepatid Gewicht verliert, sollte den Blick daher nicht nur auf die Waage richten. Ärztinnen und Ärzte empfehlen, gezielt gegen den Verlust fettfreier Masse vorzugehen. Dabei spielen zwei Faktoren die Hauptrolle: ausreichende Proteinzufuhr und regelmäßiges Krafttraining.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt für Erwachsene eine tägliche Proteinzufuhr von 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht an. Beim Abnehmen kann eine höhere Zufuhr von 1,1 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm helfen, die Muskelmasse zu stabilisieren – ein Befund, der durch mehrere Studien gestützt wird.
Beim Training raten die Forschende aus Liverpool klar zu Kraft- statt Ausdauertraining. Schon zwei bis drei Einheiten pro Woche, sei es mit freien Gewichten oder dem eigenen Körpergewicht, könnten den Abbau deutlich bremsen, schreiben sie in einem Beitrag für „The Conversation“. Auch kleine Veränderungen im Alltag zählen: Treppen statt Aufzug, schwere Einkaufstaschen tragen oder zügiges Gehen können helfen.













