Die Frage, ob die Tageszeit und der Verzicht auf Mahlzeiten am Abend eine Rolle in unserer Ernährung spielen, sorgt seit Langem für Diskussionen unter Experten und Laien. Bisher fehlten jedoch klare Antworten. Doch spanische Wissenschaftler haben nun spannende Erkenntnisse veröffentlicht, die besonders für Menschen mit einer genetischen Veranlagung zu Fettleibigkeit von Bedeutung sein könnten.

Analyse deckt auf: Warum die Essenszeit relevant sein kann

Im Rahmen einer Langzeituntersuchung begleiteten spanische Forscher rund 2000 Menschen mit Übergewicht auf ihrem Weg zu weniger Kilos. Die Teilnehmer nahmen an einem 16-wöchigen Abnehmprogramm in sechs spanischen Diätkliniken teil. Doch das wirklich Spannende kam zwölf Jahre später: Die Wissenschaftler wollten wissen, wie nachhaltig der Abnehmerfolg geblieben ist. Die Probanden hatten im Schnitt ein Alter von 41 Jahren, rund 81 Prozent waren Frauen; 36 Prozent litten unter Übergewicht, 54 Prozent waren adipös.

Die Forscher untersuchten nicht nur das Gewicht, sondern auch die Essgewohnheiten der Teilnehmer. Im Durchschnitt frühstückten diese um 8:28 Uhr, aßen um 14:33 Uhr zu Mittag und um 21:20 Uhr zu Abend. Der rechnerische Mittelpunkt der Mahlzeiten lag bei 14:54 Uhr. Das Ergebnis? Während des Abnehmprogramms verloren die Teilnehmer im Schnitt 9,3 Prozent ihres Körpergewichts, doch nur etwa 24 Prozent konnten dieses Gewicht auch nach 12 Jahren halten.

Wie Gene und der Zeitpunkt der Mahlzeiten zusammenwirken

Für die Analyse der genetischen Einflüsse auf das Gewicht nutzten die Forscher sogenannte polygenetische Risikowerte (PRS-BMI). Diese Werte basieren auf einer Vielzahl kleiner genetischer Faktoren, die zusammen das Risiko für Übergewicht und Adipositas erhöhen. Mithilfe von 900.492 genetischen Variationen (Einzelnukleotid-Polymorphismen) berechneten sie den PRS-BMI und setzten ihn in Bezug zu den Essenszeiten der Teilnehmer.

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Der Mittelpunkt der Essenszeit wurde als die Hälfte der Zeit zwischen der ersten und letzten Mahlzeit bestimmt. Um präzise Ergebnisse zu erhalten, filterten die Forscher Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Herkunft und den Klinikstandort heraus.

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Die Analyse brachte eine überraschende Erkenntnis ans Licht: Je später die Mahlzeiten nach dem errechneten Mittelpunkt (14:33 Uhr) lagen, desto höher war der BMI der Teilnehmer. Konkret bedeutete jede zusätzliche Stunde nach diesem Zeitpunkt einen Anstieg des BMI um 0,952 kg/m² – das entspricht 2,2 Prozent mehr Gewicht zwölf Jahre nach dem Klinikaufenthalt. Wer insgesamt später am Tag aß, besonders abends, hatte ein höheres Risiko, wieder zuzunehmen.

Die Ergebnisse waren besonders deutlich bei Teilnehmern mit einem hohen genetischen Risiko für Übergewicht: In der Gruppe mit dem höchsten polygenetischen Risikowert stieg der BMI um etwa 2,21 kg/m² für jede Stunde, die die Mahlzeiten nach dem berechneten Mittelpunkt eingenommen wurden. Im Gegensatz dazu zeigte sich bei Personen mit einem geringeren genetischen Risiko kein Zusammenhang zwischen späteren Essenszeiten und Gewichtszunahme.

Fazit: Wann ist nun die ideale Zeit für Mahlzeiten?

Die Studie zeigt: Späte Mahlzeiten erschweren nicht nur das Halten des Gewichts, sondern erhöhen – besonders bei genetischer Veranlagung – das Risiko für Übergewicht. Wer spät isst und genetisch vorbelastet ist, hat womöglich schlechtere Chancen, langfristig abzunehmen.

Die Forscher plädieren daher für individuelle Behandlungsansätze, die sowohl Essenszeiten als auch genetische Faktoren berücksichtigen. Allerdings bleibt offen, wann genau der optimale Zeitpunkt für Mahlzeiten liegt. Auch Empfehlungen, zu welcher Uhrzeit die meisten Kalorien konsumiert werden sollten, fehlen. Die Autoren betonen, dass zukünftige Studien diese Fragen klären müssen, um gezielte Ernährungsprogramme für Betroffene zu entwickeln.