Sie gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen weltweit: Humane Papillomviren (HPV) werden hauptsächlich durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt übertragen. Laut dem Deutschen Gesundheitsministerium infizieren sich etwa 80 Prozent der sexuell aktiven Menschen im Laufe ihres Lebens mit HPV. „Die meisten Infektionen verlaufen asymptomatisch und werden vom Körper selbstständig überwunden. Einige Infektionen führen aber in weiterer Folge zu verschiedenen Krebsarten“, sagt Dr. Michael Wojcinski. Er ist Gynäkologe und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Impfen des Berufsverbandes der Frauenärzte.

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Wie ernst die Lage ist, zeigt ein Blick in die aktuelle Krebs-Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI). Demnach erkranken in Deutschland aktuell pro Jahr etwa 10.000 Personen an HPV-bedingtem Krebs, davon etwa 7000 Frauen und 3000 Männer. „Dazu gehören vor allem Gebärmutterhalskrebs, aber auch Peniskrebs, Analkrebs und Krebs im Mund-Rachen-Bereich“, erläutert der Gynäkologe Wojcinski. Im Gegensatz zu vielen anderen Krebsarten kann eine HPV-Impfung nachweislich vor diesen Krebsarten schützen. Trotzdem ist die Impfquote rückläufig.
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„Die HPV-Impfquote in Deutschland liegt deutlich unter der Zielmarke“, beklagt der Experte. Laut WHO-Strategie zur Eliminierung der HPV-Krebsarten soll bis 2030 eine Impfquote bei Mädchen bis zum 15. Lebensjahr von 90 Prozent erreicht sein. „Vollständig geimpft sind aktuell jedoch nur 55 Prozent der Mädchen und 34 Prozent der Jungen bis 15 Jahre“, erklärt Wojcinski.

HPV-Ansteckung ist auch beim Küssen möglich
Dabei empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die HPV-Impfung seit fast 20 Jahren. Seit 2007 gilt die Empfehlung für alle Mädchen zwischen 9 und 17 Jahren. Im Jahr 2018 hat die Stiko ihre Empfehlung auch für Jungen bis 17 Jahre ausgeweitet. „Je mehr Kinder und Jugendliche geimpft werden, desto niedriger ist die Ansteckungsgefahr für sich selbst, aber auch für andere“, sagt Wojcinski.
Denn was die wenigsten wissen würden: Jeder kann sich durch genitalen Haut- und Schleimhautkontakt mit anderen Menschen anstecken. „Das kann nicht nur beim Sex passieren. Auch bei anderen Kontakten mit Genetalsekret ist eine Ansteckung möglich“, warnt der Experte. Kondome bieten daher keinen vollständigen Schutz vor einer HPV-Infektion, da sich die Viren auch auf Hautbereichen befinden können, die nicht vom Kondom bedeckt sind.
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Doch warum ist die Impfquote in Deutschland so schlecht? Laut RKI liegt die HPV-Impfquote im europäischen Vergleich lediglich auf Platz 17. "Viele Eltern und Jugendliche sind sich der Bedeutung der HPV-Impfung und der damit verbundenen Gesundheitsrisiken nicht ausreichend bewusst“, erklärt Wojcinski. Zudem gebe es immer noch Vorurteile und falsche Vorstellungen über die HPV-Impfung, was zu einer Ablehnung führt. „Weltweit haben Studien bestätigt, dass die HPV-Impfung für beide Geschlechter eine sehr sichere Impfung ist“, betont der Experte.
Im Jahr 2020 wurde in Schweden eine Studie veröffentlicht, die die Wirksamkeit der Impfung nochmals belegt. Die schwedische Forschungsgruppe untersuchte die Daten von über 1,5 Millionen Mädchen und Frauen zwischen zehn und 30 Jahren. Dabei fanden sie heraus, dass eine Impfung vor dem 18. Lebensjahr das Risiko für Gebärmutterhalskrebs um etwa 88 Prozent senkt. „Es ist davon auszugehen, dass die Impfung auch andere Krebsarten, die durch HPV hervorgerufen werden, signifikant senkt“, erläutert der Gynäkologe Wojcinski.
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HPV-Impfung für Erwachsene: Wie viel sie kostet und wer sie zahlt
„Es gibt über 200 verschiedene HPV-Typen, von denen einige Hochrisikotypen sind und Krebs verursachen können, während andere Genitalwarzen auslösen“, erklärt Wojcinski. Um den bestmöglichen Schutz zu gewährleisten, sollte die HPV-Impfung, die vor den häufigsten HPV-Typen einschließlich der Genitalwarzen schützt, daher so früh wie möglich vor dem ersten sexuellen Kontakt verabreicht werden. Doch auch Erwachsene könnten von einer HPV-Impfung profitieren, so vor allem „Erwachsene, die vor einer neuen Partnerschaft stehen“, sagt der Experte. Auch wenn man schon Kontakt zu einem HP-Virus hatte, schützt die Impfung vor den anderen im Impfstoff berücksichtigten Typen. Um die individuelle Risikosituation zu beurteilen, rät der Experte zu einer ärztlichen Beratung.
Jedoch werden die Kosten für eine HPV-Impfung im Erwachsenenalter in der Regel nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Eine einzelne Impfung würde etwa 200 Euro kosten. Laut Wojcinski benötigen erwachsene Personen drei Impfungen. „Einige Krankenkassen erstatten jedoch freiwillig die Kosten für junge Erwachsene bis zu einem bestimmten Alter, oft bis zum 26. oder 27. Geburtstag“, heißt es auf der Seite des RKI.











