Kupfer ist eines dieser Elemente, über die man im Alltag kaum nachdenkt, obwohl sie ständig um uns herum sind. Es steckt in Wasserrohren, Kabeln und Münzen. Für viele ist Kupfer vor allem ein technisches Material. Doch was, wenn dieser unscheinbare Stoff auch im Innersten unseres Körpers eine entscheidende Rolle spielt – und zwar ausgerechnet dort, wo man es am wenigsten erwarten würde: im Gehirn?

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Genau dieser Frage ist nun ein Forschungsteam aus China nachgegangen. Es untersuchte, welche Rolle Kupfer in der Ernährung älterer Menschen spielt – und welchen Einfluss das Spurenelement auf die geistige Leistungsfähigkeit im Alter haben könnte. Die im Fachjournal „ „Nature“ veröffentlichten Ergebnisse eröffnen damit neue Perspektiven für die Prävention kognitiver Einschränkungen im Alter.
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Den entscheidenden Anstoß für diese neue Forschungsrichtung gab ein Team der Hebei Medical University im chinesischen Shijiazhuang, geleitet von Dr. Weiai Jia, Anästhesistin am dortigen Universitätsklinikum. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysierten die Daten von 2420 US-Amerikanern im Alter von 60 Jahren oder älter, die an der breit angelegten US-Gesundheitsstudie NHANES (National Health and Nutrition Examination Survey) teilgenommen hatten – einer Langzeitstudie, die regelmäßig Gesundheits- und Ernährungsdaten erhebt.
Im Mittelpunkt stand die Frage, ob und wie die tägliche Kupferaufnahme mit der kognitiven Leistungsfähigkeit älterer Menschen zusammenhängt. Um das herauszufinden, wurde die Kupferzufuhr auf Basis von zwei 24-Stunden-Ernährungsprotokollen geschätzt – eine Methode, die zwar Momentaufnahmen liefert, aber international als etabliert gilt.
Parallel dazu werteten die Forschenden die Ergebnisse mehrerer neurokognitiver Tests aus. Diese erfassten zentrale geistige Funktionen wie verbalen Erinnerungsabruf, Verarbeitungsgeschwindigkeit und arithmetisches Denkvermögen – alles Fähigkeiten, die mit zunehmendem Alter häufig nachlassen.
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Die Analyse der Daten ergab eine deutliche Tendenz: Teilnehmende mit einer höheren Kupferaufnahme schnitten in mehreren kognitiven Tests signifikant besser ab als jene mit einer niedrigeren Zufuhr. Dieser Effekt zeigte sich insbesondere bei älteren Menschen mit einer Vorgeschichte von Schlaganfällen – also einer Bevölkerungsgruppe, die besonders anfällig für kognitive Einbußen ist.
In ihrer Auswertung schreiben die Studienautoren: „Unsere Analyse deutet auf einen möglichen Zusammenhang zwischen höherer Kupferaufnahme über die Ernährung und verbesserter kognitiver Funktion bei älteren Erwachsenen hin, insbesondere bei Personen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben.“
Die Forscher identifizierten dabei einen optimalen Wert von rund 1,22 Milligramm Kupfer pro Tag. Darüber hinaus war kein zusätzlicher Nutzen mehr messbar – ein klassischer Fall von „nicht zu viel, nicht zu wenig“. Denn auch das wurde deutlich: Eine Überversorgung kann laut Jias Team oxidativen Stress im Nervensystem fördern und dadurch neurodegenerative Prozesse begünstigen.
Auch internationale Richtlinien bestätigen diese Einschätzung. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen eine tägliche Kupferzufuhr zwischen 1,0 und 1,5 Milligramm – ein Wert, den auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) unterstützt. Diese Menge gilt als ausreichend, um zentrale Körperfunktionen zu sichern, darunter:
- die Energiegewinnung in den Mitochondrien,
- die Aktivität antioxidativer Enzymsysteme,
- die Bildung roter Blutkörperchen
- sowie den Schutz von Nervenzellen vor freien Radikalen
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Kupferhaltige Lebensmittel: Diese Quellen sind besonders ergiebig
Wer Kupfer nicht in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zuführen möchte, kann den täglichen Bedarf problemlos über eine ausgewogene Ernährung decken. Denn das Spurenelement kommt in zahlreichen alltäglichen Lebensmitteln vor – teils in überraschend hohen Konzentrationen.
Nach Angaben der US National Institutes of Health (NIH) sind vor allem folgende Lebensmittel gute Quellen:
- Walnüsse, Cashews und Mandeln
- Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und schwarze Bohnen
- Vollkornprodukte, etwa Weizenkleie, Haferflocken oder Roggenbrot
- Dunkle Schokolade (ab etwa 70 % Kakaoanteil)
- Pilze – insbesondere Champignons und Shiitake
- Kartoffeln und Süßkartoffeln
- Austern, Krabben oder Hummer
Wie das Forschungsteam um Dr. Weiai Jia betont, könne eine gezielte Integration kupferreicher Nahrungsmittel insbesondere im höheren Lebensalter sinnvoll sein. Gerade ältere Menschen mit eingeschränktem Appetit oder einseitiger Ernährung nähmen oft zu wenig Mikronährstoffe auf. Eine bewusste Auswahl der Lebensmittel könne hier helfen, Versorgungslücken zu vermeiden – und möglicherweise auch das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen zu senken.
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Die Studie von Dr. Weiai Jia fügt sich in eine wachsende Reihe wissenschaftlicher Arbeiten ein, die Kupfer als potenziell neuroprotektiven Faktor betrachten. Schon 2005 berichtete ein Forschungsteam der Freien Universität Berlin, dass Alzheimer-Patientinnen und -Patienten häufig unter deutlich erniedrigten Kupferwerten im Blut leiden. Auch spätere Studien zeigten eine statistische Verbindung zwischen niedrigem Kupferstatus und schwächerer kognitiver Leistung im höheren Alter.
Dr. Jia nimmt in ihrer aktuellen Veröffentlichung explizit Bezug auf diese Vorarbeiten: „Unsere Ergebnisse stimmen mit früheren Studien überein, die Kupfer mit der Gesundheit des Gehirns und der neuronalen Signalübertragung in Verbindung bringen.“
Vor dem Hintergrund einer zunehmend alternden Weltbevölkerung gewinnt das Thema zusätzlich an Bedeutung. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört Demenz bereits heute zu den zehn häufigsten Todesursachen weltweit– Tendenz steigend. Da medikamentöse Therapien bislang nur begrenzte Erfolge zeigen, rückt die Prävention stärker in den Fokus. Insbesondere die Rolle von Mikronährstoffen in der Ernährung gilt vielen Forschenden inzwischen als zukunftsweisender Ansatz.
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Auch dazu äußert sich Dr. Jia in der Publikation. Die Daten ihrer Studie, so schreibt sie, „deuten darauf hin, dass die Kupferaufnahme über die Ernährung ein potenzieller Ansatz zur Prävention kognitiver Beeinträchtigungen sein könnte – vor allem bei Risikogruppen.“
Kupfer reiht sich damit ein in eine Gruppe von Spurenelementen wie Zink, Magnesium, Eisen und Selen, die in jüngeren Studien ebenfalls mit einer besseren kognitiven Resilienz im Alter in Verbindung gebracht wurden.
Die Schlussfolgerung der aktuellen Arbeit ist daher vorsichtig, aber eindeutig: Kupfer verdient mehr Beachtung – nicht nur in der Technik, sondern auch in der Präventionsmedizin. Zwar betont das Forschungsteam, dass weitere Langzeitstudien nötig sind, um kausale Zusammenhänge zu belegen. Doch schon jetzt legt die Evidenz nahe, dass eine bewusste, nährstoffreiche Ernährung mehr zum Schutz des Gehirns beitragen kann, als bislang angenommen wurde.














