Am 10. Januar 2025 registrierte ein internationales Weltraumteleskop ein unscheinbares, aber präzises Röntgensignal. Die sogenannte Einstein-Sonde, eine internationale Röntgenmission, hatte gerade erst ihren wissenschaftlichen Betrieb aufgenommen, als sie das kurze, intensives Aufleuchten am Himmel erfasste. Das Ereignis erhielt die Kennung EP 250108a.

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Was wie ein gewöhnlicher technischer Messwert wirkte, entpuppte sich schnell als etwas weitaus Bedeutenderes. Astronominnen und Astronomen auf der ganzen Welt wurden alarmiert, Teleskope rund um den Globus richteten sich auf die Quelle. Denn das, was hier beobachtet wurde, war kein gewöhnliches Naturereignis. Es war ein Blick auf den stillen Tod eines Sterns.

Die Entdeckung wurde am 9. Juli 2025 durch das US-amerikanische Forschungsnetzwerk NOIRLab in einer offiziellen Pressemitteilung bekannt gegeben. Die wissenschaftlichen Analysen dazu sind in zwei Fachartikeln dokumentiert.

Was ist ein Fast X-Ray Transient? – Rätselhafter Kurzblitz im All

EP 250108a gehört zu einer bislang kaum verstandenen Klasse kosmischer Phänomene: den sogenannten Fast X-ray Transients, kurz FXTs. Dabei handelt es sich um extrem kurzlebige Ausbrüche hochenergetischer Röntgenstrahlung – sie dauern nur Sekunden, manchmal wenige Stunden, und verschwinden dann spurlos. 

Auf der Website des NOIRLab, das an der Auswertung des aktuellen Ereignisses beteiligt war, heißt es: „FXTs gelten als eine der rätselhaftesten Klassen kosmischer Ausbrüche. Ihre kurze Dauer und geringe Helligkeit machen sie schwer zu erfassen.“

Über Jahrzehnte hinweg gaben diese Blitze der Astrophysik Rätsel auf. Weder war klar, wodurch sie ausgelöst werden, noch gelang es bislang, einen solchen Ausbruch vom ersten Moment an zu beobachten. Das änderte sich im Januar 2025. Denn die Einstein-Sonde, die eigens für die Entdeckung solcher schnellen Röntgensignale entwickelt wurde, registrierte EP 250108a in Echtzeit – und leitete die Daten innerhalb von Minuten an Partnerobservatorien weltweit weiter.

Was folgte, war eine beispiellose Beobachtungskampagne: Teleskope auf der Südhalbkugel, darunter das SOAR-Teleskop in Chile und das internationale Gemini-Observatorium, nahmen die Quelle ins Visier – ausgestattet mit den Instrumenten FLAMINGOS-2 (für infrarotes Licht) und GMOS (für den optischen Bereich). Ihr gemeinsames Ziel: endlich zu verstehen, was sich hinter diesen flüchtigen Blitzen verbirgt – und was sie über das Leben und Sterben von Sternen verraten.

Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert

Supernova ohne Gammablitz: Wenn ein Jet im Stern erstickt

Als das Röntgensignal EP 250108a eintraf, war es nur der Auftakt eines längeren kosmischen Dramas. In den folgenden Tagen registrierten Teleskope weltweit ein zunehmendes Leuchten im sichtbaren und infraroten Bereich – das typische Nachglühen einer Supernova. Die Spektralanalyse bestätigte schließlich: Es handelte sich um eine Supernova vom Typ Ic mit Breitlinien (Ic-BL) – das explosive Endstadium eines massereichen Sterns, der seine äußeren Gashüllen bereits abgestoßen hatte. Die Quelle: ein Stern mit etwa 15 bis 30 Sonnenmassen.

„Unsere Analyse zeigt eindeutig, dass FXTs aus dem explosiven Tod massereicher Sterne entstehen können“, sagt Jillian Rastinejad, Doktorandin an der Northwestern University und Erstautorin in einer der beiden Hauptstudien. Doch obwohl der Ausbruch viele Merkmale einer sogenannten GRB-Supernova aufwies, fehlte ein zentrales Element: der Gammablitz.

Normalerweise entstehen bei solchen Sternkollapsen extrem energiereiche Jets, die sich mit annähernder Lichtgeschwindigkeit ins All bohren – sichtbar als Gamma-Ray Bursts (GRBs), die hellsten bekannten Explosionen im Universum. Im Fall von EP 250108a aber blieb der Jet im Inneren des Sterns stecken. Statt den Weltraum zu durchdringen, traf er auf zu dichte Materieschichten. Die Energie staute sich, heizte das Sterneninnere auf – und entlud sich schließlich in Form eines schwachen, aber auffälligen Röntgenblitzes.

Gerade dieses Scheitern machte das Ereignis für die Forschung so wertvoll: Es zeigt, dass es neben den seltenen, spektakulären Gammablitzen offenbar eine weit häufigere Klasse „verdeckter“ Explosionen geben könnte – Supernovae, bei denen der Jet im Inneren verpufft und sich nur in einem schwachen Röntgensignal verrät.

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Einstein-Sonde und Gemini-Teleskope liefern entscheidende Beweise

Diese Supernova trägt inzwischen den Namen SN 2025kg. Anhand der Lichtkurve – also des zeitlichen Verlaufs der Helligkeit – und der Spektraldaten konnten Rastinejad und ihr Team nicht nur den Typ, sondern auch die physikalischen Eigenschaften des Ursprungssterns rekonstruieren.

In ihrer zweiten Studie, die auf dem Portal „arXiv“ veröffentlicht wurde, schreiben die Forschenden, dass rund 0,4 Sonnenmassen des radioaktiven Elements Nickel-56 freigesetzt wurden – ein typischer Wert für energiereiche Supernovae. Die Auswurfgeschwindigkeit lag dabei bei über 30.000 Kilometern pro Sekunde. Beides deutet auf ein kosmisches Schwergewicht hin, dessen Jet offenbar zu schwach war, um sich durchzusetzen, aber dennoch stark genug, um einen einzigartigen Röntgenblitz auszulösen.

Wie häufig sind Röntgenblitze wie EP 250108a?

So spektakulär Gammablitze auch sein mögen – sie sind selten. Im Durchschnitt wird nur etwa einmal pro Jahr weltweit ein solcher Ausbruch registriert. Anders sieht es bei den Fast X-ray Transients aus: Seit die Einstein-Sonde in Betrieb ist, werden mehrmals pro Monat neue FXTs gemeldet. Die Beobachtung von EP 250108a war dabei nur die erste in einer wachsenden Reihe.

Für die Forschenden ist das mehr als nur ein statistischer Trend. Wenn FXTs tatsächlich aus demselben Prozess hervorgehen wie GRBs – nämlich dem Kollaps eines massereichen Sterns –, dann könnten „fehlgeschlagene“ Jets häufiger sein als erfolgreiche. FXTs könnten somit die verbreitete Form des massereichen Sternentods sein. 

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Zukunft der Supernova-Forschung

Ab 2026 wird das Vera C. Rubin-Observatorium mit seiner Legacy Survey of Space and Time jede Nacht den ganzen Himmel abtasten. In Kombination mit den Röntgenalarmen der Einstein-Sonde erwarten Astronomen und Astronominnen, künftig Dutzende FXTs pro Monat in Echtzeit verfolgen zu können – und so ein vollständigeres Bild vom leisen Sterben der Riesensterne zu erhalten.  

„Diese Entdeckung öffnet ein neues Fenster in die Frage, wie massive Sterne sterben“, sagte Rastinejad. Auch wenn manche dieser Tode ohne lauten Knall geschehen, seien sie nicht weniger faszinierend – und vielleicht der Schlüssel zu einem besseren Verständnis des Universums.