„Vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxie...“, heißt es im Vorspann der „Star Wars“-Filme. Diese weit entfernten Galaxien hat seit neuestem ein futuristisches Teleskop samt größter jemals gebauter Digitalkamera im Fokus: das neue „Vera C. Rubin“-Observatorium in Chile. Die Forschungseinrichtung hat erstmals spektakuläre Bilder von bis zu 50 Millionen Lichtjahren entfernten Gegenden des Universums veröffentlicht.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Ein Video zeigt aus dieser Entfernung die Nahaufnahmen zweier Galaxien, bevor es den Blick auf Millionen weitere öffnet Auf einem anderen Bild sind der Trifidnebel und den Lagunennebel zu sehen, die in Rosa und Orangerot schimmern und „nur“ Tausende Lichtjahre von der Erde entfernt in der Milchstraße liegen. Das Bild wurde aus 678 Einzelaufnahmen über sieben Stunden zusammengesetzt.

«Vera Rubin Observatory» liefert erste Bilder
Dieses Bild zeigt den Trifidnebel (oben rechts) und den Lagunennebel. Es setzt sich aus 678 Einzelaufnahmen zusammen. © ---/NSF-DOE Vera C. Rubin Observ | ---

Auf früheren Aufnahmen anderer Teleskope nur verschwommen oder gar nicht sichtbare Einzelheiten dieser Sternen-Entstehungsgebiete sind auf den Bildern klar erkennbar. Als „ultimatives Teleskop“ bezeichnet Professor Catherine Heymans, eine Astrophysikerin an der Universität Edinburgh, das „Vera C. Rubin“ im „Guardian“. Auf dem Gipfel des 2682 Meter hohen Berges Cerro Pachón profitiert es vor allem von der fehlenden Lichtverschmutzung und der trockenen Luft: ideale Bedingungen zur Himmelsbeobachtung.

Auch interessant

Super-Teleskop soll 40 Milliarden Himmelsobjekte erfassen

Das US-Observatorium verfügt neben einem Großteleskop mit einem 8,4 Meter großen Hauptspiegel auch über eine riesige Digitalkamera mit einer Auflösung von 3.200 Megapixeln. Die Universität Heidelberg und das Max-Planck-Institut für Astronomie beteiligen sich an der Softwareentwicklung.

Vor der Entstehung der veröffentlichten Bilder testeten und kalibrierten Wissenschaftler monatelang das Teleskop, dessen Möglichkeiten kaum fassbar sind. So bedeuten beispielsweise Bilder vom 50 Millionen Lichtjahren entfernten All, dass die Kamera nur das seit 50 Millionen Erdenjahren wandernde Licht festhält. Selbst wenn also auf den Bildern Galaxien, Planeten oder sogar der „Todesstern“ zu sehen wären, könnten die bereits seit Millionen Jahren nicht mehr existieren.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Youtube, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Kamera wird in den kommenden zehn Jahren Nacht für Nacht rund tausend Bilder des Südhimmels machen und am Ende den gesamten einsehbaren Himmel etwa 800 Mal abbilden. Dabei soll ein riesiger Datensatz mit rund 40 Milliarden Himmelsobjekten entstehen, darunter Sterne der Milchstraße und ferne Galaxien. 

Auch interessant

 Rubin-Observatorium soll gefährliche Asteroiden orten

„Das Rubin-Observatorium wird mehr Informationen über unser Universum erfassen als alle optischen Teleskope in der Geschichte zusammen“, sagte der geschäftsführende Direktor der US National Science Foundation, Brian Stone, bei der Vorstellung der ersten Bilder. „Durch diese bemerkenswerte wissenschaftliche Einrichtung werden wir viele Geheimnisse des Kosmos erforschen, einschließlich der Dunklen Materie und der Dunklen Energie, die das Universum durchdringen.“

«Vera Rubin Observatory» liefert erste Bilder
Auf einem kleinen Ausschnitt des Virgo-Galaxienhaufens sind unter anderem zwei auffällige Spiralgalaxien (unten rechts), drei verschmelzende Galaxien (oben rechts), mehrere Gruppen ferner Galaxien und zahlreiche Sterne in der Milchstraße zu sehen. © ---/NSF-DOE Vera C. Rubin Observ | ---

Wissenschaftler wollen mit dem Observatorium zudem Asteroiden orten, die sich der Erde nähern und damit potenziell eine Gefahr darstellen. Weitere Forschungsschwerpunkte werden die Kartierung der Milchstraße sowie die Beobachtung kurzlebiger Phänomene wie Sternexplosionen und die Einverleibung von Sternen durch supermassereiche Galaxien sein. „Die Entdeckungen könnten zur Entstehung ganz neuer Bereiche der Astronomie führen“, sagt Adam Miller von der Northwestern University in den USA. „Sehr wahrscheinlich wird Rubin Dinge finden, von deren Existenz jetzt noch niemand etwas ahnt.“

Eduardo Bañados vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg will anhand der gelieferten Bilder sehr junge Galaxien mit schwarzen Löchern im Zentrum untersuchen, die noch wachsen. „Das sind die Galaxien, die existierten, als das Universum noch ein Baby war – jünger als eine Milliarde Jahre.“ Bislang ist es Forschern ein Rätsel, warum diese jungen Galaxien schon schwarze Löcher mit einer beträchtlichen Masse aufweisen. „Es ist, als hätten wir ausgewachsene Erwachsene im Kindergarten entdeckt“, sagt Bañados.

mit dpa