Es war ein Signal, das selbst erfahrene Forscher stutzen ließ. Im Juni vergangenen Jahres registrierten australische Astronomen mit ihrem Radioteleskop ein überraschend kräftiges Funksignal. Die Entdeckung führte sie zurück zu einem fast vergessenen Überbleibsel der frühen Raumfahrt: dem Nasa-Satelliten Relay 2.

Erinnerungen an ein Weltraum-Pionierprojekt

Relay 2 war 1964 gestartet worden, um den noch jungen Traum globaler Fernsehübertragungen zu erproben. Zusammen mit seinem Vorgänger Relay 1 gehörte er zu den ersten Kommunikationssatelliten der Geschichte. Berühmt wurde Relay 1, weil er nach der Ermordung John F. Kennedys die Nachricht live nach Asien funkte. Relay 2 galt als verlässlichere Version, war aber nach wenigen Jahren Einsatz technisch am Ende und wurde zu Weltraumschrott. Seitdem umkreist er die Erde in bis zu 7600 Kilometern Höhe, ungenutzt und scheinbar funktionslos.

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Mehr als ein halbes Jahrhundert später machte sich das Relikt jedoch noch einmal bemerkbar. Die Anlage, die das Signal aufzeichnete, ist das sogenannte ASKAP-Teleskop im Westen Australiens: ein Verbund von 36 großen Antennen, die präzise Radioquellen am Himmel orten können.

Jagd nach den schnellsten Blitzen des Alls

Eigentlich hatte das Forschungsteam um Clancy James von der Curtin University ein ganz anderes Ziel: sogenannte Fast Radio Bursts. Diese extrem kurzen Ausbrüche an Radiostrahlung stammen meist aus Milliarden Lichtjahren Entfernung und setzen in Sekundenbruchteilen enorme Energiemengen frei. Solche Blitze gelten als eine der rätselhaftesten Erscheinungen der modernen Astronomie.

Doch was ASKAP am 13. Juni 2024 aufzeichnete, passte nicht ins bekannte Muster. Das Signal war zwar kurz – nur etwa 30 Milliardstel Sekunden –, aber unerwartet stark und vor allem: viel zu nah. Erste Analysen ergaben, dass es nur rund 4500 Kilometer von der Erde entfernt entstanden war. „Wir waren zunächst ziemlich aufgeregt, weil wir dachten, es könnte sich um ein unbekanntes Objekt handeln“, sagte James später dem US-Sender CNN. Die Spur führte jedoch bald in die historischen Satellitendatenbanken – direkt zu Relay 2.

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Warum sendet ein toter Satellit?

Wie kann ein jahrzehntelang stummer Satellit plötzlich ein so intensives Signal abgeben? Dass Relay 2 quasi wieder „angegangen“ sei, schließen Fachleute aus. Holger Krag, Raumfahrtexperte bei der Europäischen Weltraumorganisation Esa, hält es laut „Spiegel“ für ausgeschlossen, dass sich die alte Sendeanlage reaktiviert hat. Vielmehr kommen zwei Ursachen infrage:

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Zum einen könnte sich auf der Oberfläche des Satelliten über lange Zeit elektrische Ladung angesammelt haben bis sie sich in einem plötzlichen Funken entlud. Solche elektrostatischen Entladungen kennt man im Alltag als kleine Stromschläge nach dem Teppichlauf. Im All können sie jedoch nicht nur Bauteile beschädigen, sondern auch starke Radiowellen erzeugen.

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Eine zweite Erklärung wäre der Einschlag eines winzigen Partikels, etwa eines Mikrometeoriten. Ein solcher Treffer verwandelt beim Aufprall Teile des Materials in ein extrem heißes Plasma, das ebenfalls kurz Radioenergie abstrahlen kann.

Satelliten als Störfaktor für die Forschung

Der ungewöhnliche Fall illustriert ein wachsendes Problem: Die Zahl der Objekte im Erdorbit steigt rapide. Tausende aktive Satelliten liefern heute Internet, Fernsehen und Navigationsdaten. Doch mit jedem Start wächst auch das Risiko für Kollisionen und unvorhergesehene Effekte wie diesen. Für Radioastronomen bedeutet das: Immer mehr künstliche Quellen überlagern die empfindlichen Messungen.

Gerade bei den immer zahlreicheren Megakonstellationen, wie Elon Musks Starlink-Netzwerk, wird die Trennung von kosmischen Phänomenen und menschengemachter Störstrahlung zur Herausforderung.