Während Westeuropa unter der schlimmsten Hitzewelle seit Jahrzehnten stöhnt, können sich die Urlauber im östlichen Mittelmeer noch entspannen: Die Temperaturen in Griechenland sind erträglich. Die erste Hitzewelle des Sommers mit Temperaturen von bis zu 42 Grad erlebte das Land schon Ende Juni. Sie hielt allerdings nur zwei Tage an, dann vertrieben frische Nordwinde die Hitze. Am Mittwoch meldete Athen eine Höchsttemperatur von 32 Grad. Das entspricht dem üblichen Niveau für Anfang Juli. Bedingungen, unter denen man es am Pool oder am Strand gut aushalten kann.

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Zumal das Meer schon richtig warm ist: Bei Kalamata im Süden der Halbinsel Peloponnes und an den Stränden der westgriechischen Stadt Patras wurden am Mittwoch 26 Grad gemessen. Auf Korfu und Rhodos waren es 25 Grad. Das sind Werte, die eigentlich erst im August erreicht werden. Doch was die Badegäste freut, beunruhigt die Klimaforscher. Am vergangenen Sonntag meldeten Wissenschaftler des staatlichen französischen Wetterdienstes Météo-France die höchste jemals im Juni gemessene durchschnittliche Oberflächentemperatur im Mittelmeer: 26,01 Grad.

Extreme Hitze: Mittelmeer gilt als „Hotspot“ des Klimawandels

Die Daten wurden mithilfe des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus ermittelt. Die Copernicus-Satelliten überwachen auch die Meeresumwelt. „Noch nie haben wir im Juni eine so hohe Durchschnittstemperatur festgestellt“, sagte Thibault Guinaldo, ein Wissenschaftler von Météo-France, der Nachrichtenagentur AFP. Die Wassertemperaturen im Mittelmeer liegen derzeit um etwa drei Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1991–2020.

Besonders alarmierend: Das Mittelmeer erwärmt sich etwa 20 Prozent schneller als die Meere im globalen Durchschnitt. Es gilt daher als „Hotspot“ des Klimawandels. Das gefährdet nicht nur viele Arten von Meerestieren. Météo-France warnt, dass diese hohen Meerestemperaturen zu mehr „tropischen Nächten“ am Mittelmeer führen werden, also Nächten mit hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Damit steigt die Unwettergefahr.

Auf Hitze folgen Unwetter – Überschwemmungsgefahr steigt

Griechenland hat bereits erfahren, was das bedeutet. Auf die kurze Hitzewelle der vergangenen Woche folgten in Nordgriechenland heftige Gewitter, Starkregen und Hagel. Erinnerungen an den September 2023 werden wach: Damals führte nach einer Hitzewelle das Sturmtief „Daniel“ zu schweren Überschwemmungen. Besonders betroffen waren Mittelgriechenland und die Inseln der Ägäis. Mindestens 17 Menschen kamen in den Fluten ums Leben.

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Die massiven Schäden an Straßen, Brücken und Eisenbahntrassen sind bis heute nicht vollständig behoben. Viele Landwirte in Thessalien, Griechenlands Kornkammer, verloren alles, was sie besaßen: Höfe, Herden, Felder und Maschinen. „Daniel“ war eines der schwersten Unwetter in Griechenland seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen vor 165 Jahren.

Das Sturmtief wurde durch warme Wassertemperaturen im östlichen Mittelmeer verstärkt und entwickelte sich so zu einem „Medicane“, einem mediterranen Wirbelsturm. Solche schweren Stürme kennt man sonst nur aus tropischen Breiten. Deshalb versetzen die am vergangenen Sonntag gemessenen Rekordtemperaturen jetzt viele Fachleute in Sorge. Seit 1982 sind die mittleren Meerestemperaturen in Griechenland pro Jahrzehnt um 0,59 Grad angestiegen, so eine gemeinsame Studie von Ozeanographen der Universität Athen, der Universität der Ägäis und der Universität Thessaloniki.