Von außen betrachtet scheint alles perfekt: Der Urlaub ist gebucht, die Koffer sind gepackt, endlich beginnt die lang ersehnte Auszeit. Doch statt Erholung folgt bei vielen der körperliche Zusammenbruch. Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Erkältung – oder einfach völlige Erschöpfung. Was wie ein schlechter Zufall klingt, hat einen Namen: Leisure Sickness, auf Deutsch: Freizeitkrankheit.

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Laut einer aktuellen, repräsentativen Studie der IU Internationalen Hochschule erleben 72 Prozent der Berufstätigen in Deutschland Krankheitssymptome am Wochenende oder im Urlaub. Fast jeder Fünfte ist sogar regelmäßig betroffen.

Symptome und Ursachen: Der Stress fährt mit

Am häufigsten klagen Betroffene über Müdigkeit oder Erschöpfung (36 Prozent), gefolgt von Schlafproblemen (27,6 Prozent), Reizbarkeit (19 Prozent) sowie Kopf- und Erkältungssymptomen. Die Studienleiterin Prof. Dr. Stefanie André sieht klare Zusammenhänge: „Gerade die Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit, eine hohe Arbeitsbelastung und fehlende Erholung sind klare Risikofaktoren für Krankheitssymptome an freien Tagen.“

Tatsächlich fühlt sich etwa ein Drittel der Befragten verpflichtet, auch in der Freizeit erreichbar zu sein. Besonders betroffen: die unter 25-Jährigen. Sie stehen laut Studie noch stärker unter Druck und widerlegen damit laut André das Klischee der „faulen Generation Z“.

Wenn der Körper plötzlich loslässt

Medizinisch ist „Leisure Sickness“ keine anerkannte Krankheit, aber ein reales Phänomen. Die Erklärung: Während Phasen starker Belastung werden Krankheitssymptome unterdrückt, der Körper funktioniert im Stressmodus. Sobald die Anspannung nachlässt, fallen die Stresshormone rapide ab. Das Immunsystem „holt nach“, was es zuvor kompensiert hat.

Auch Überstunden spielen eine Rolle: 80 Prozent der Berufstätigen leisten laut Studie regelmäßig zusätzliche Arbeit. Doch wer sich ständig überlastet, lässt Erholungsphasen oft ausfallen, ein idealer Nährboden für körperliche und psychische Beschwerden.

Auch die Freizeit stresst

Besorgniserregend: 40 Prozent der Befragten geben an, auch im Privatleben keine ausreichende Erholung zu finden. Dabei sei gerade das entscheidend, so André: „Viele Menschen machen in ihrer Freizeit genau da weiter, wo sie im Job aufgehört haben – im Leistungsmodus.“

Für viele ist der Übergang von Arbeit zu Freizeit das größte Hindernis. André rät zu Pufferzeiten vor dem Urlaub und zu klaren Grenzen: „Einfach mal das Diensthandy ausschalten.“ Bewegung, bewusste Auszeiten und Routinen können zusätzlich helfen, den Stresspegel zu senken.

Und nicht zuletzt: Auch Unternehmen stehen in der Pflicht. „Es braucht eine Kultur, die Erholung nicht nur erlaubt, sondern fördert“, sagt André. Weiterbildung, Vertrauen und flexible Modelle seien hier zentrale Bausteine.