• Auch Paartherapeuten durchleben Beziehungskrisen
  • Ein Experte erzählt von seiner gescheiterten Ehe und was er heute bereut
  • Und er gibt 5 wertvolle Tipps, mit denen Paare ihre Beziehung retten können

23 Jahre war ich mit ein und derselben Frau verheiratet. Es waren 23 Jahre voller Leben – mit Höhen, Tiefen und allem, was eine lange Partnerschaft mit sich bringen kann: Fernbeziehung, erste gemeinsame Wohnung, Hauskauf, zwei wundervolle Kinder, Haustiere, finanzielle Schwierigkeiten, Neuanfänge, Kündigungen, berufliche Selbstständigkeit, beruflicher Fokus, mehrfache Umzüge, ein langer Auslandsaufenthalt mit der Familie, Ferienhaus kernsaniert. Und schlussendlich: auseinandergelebt, jahrelang kein Sex mehr, Seitensprung, Trennung, Scheidung.

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Zwischen Projekten, Pflichten und Alltagsstress verloren wir uns – jeder sich selbst und wir uns. Alkohol- und Nikotinmissbrauch, und körperliche Veränderungen taten ihr Übriges. Ich wusste: Ich muss da raus. Aber ich habe es lange nicht geschafft. Heute, mit viel Abstand, ist mir klar: Ich hätte die Beziehung viel früher beenden oder wirklich etwas ändern müssen.

Die Kurzfassung dieser 23 Ehejahre? Nicht alles war schlecht. Aber auch nicht alles war gut. Ein Teil davon war geprägt von Glück, ein Teil von Hoffnung und Zuversicht, ein größerer Teil jedoch von Einsamkeit und erlebter Hilflosigkeit, dem Umgang mit Abhängigkeiten und Verpflichtungen. Funktionieren statt Leben. Und trotzdem: Ich erinnere mich auch an die vielen wundervollen Dinge, die wir gemeinsam erlebt und durchlebt haben. An den wundervollen Humor und die endlosen Gespräche. Es war – trotz allen Schwierigkeiten – auch eine gute Zeit.

Unglückliche Ehe: Weshalb die Kinder oft zum Druckmittel werden

Meine damalige Frau meinte an dem Tag, an dem ich mich letztlich trennte: „Gut, dass Du den Mut hast, zu gehen. Ich hätte gewartet, bis die Kinder aus der Schule raus sind.“ Es war ein ehrlicher, vielleicht sogar versöhnlicher Satz. Und doch bleibt ein bitterer Beigeschmack. Warum warten? Warum nicht handeln, wenn etwas nicht mehr stimmt?

Ihre Beziehungsfrage, Ihre Geschichte – schreiben Sie uns!

Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht und wollen uns Ihre Geschichte erzählen? Oder haben Sie Fragen zu einem Partnerschaftskonflikt oder sonstigen Beziehungsthemen? Schreiben Sie uns einfach unter beziehung@funkemedien.de – auf Wunsch auch anonym. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.

Gerne leiten wir Ihre Fragen auch an unsere Beziehungsexperten weiter, wie etwa das Therapeutenpaar Andrea Katz-Straden und Gisbert Straden. Sie geben dann Antwort auf die wichtigsten Fragen.

Vielleicht erkennen Sie sich wieder. Selbstverständlich schreibt jede Beziehung ihre eigene Geschichte. Aber es gibt Muster, die sich ähneln. In meiner Arbeit als Paartherapeut, sehe ich gemeinsam mit meiner jetzigen Frau und Kollegin immer wieder das Gleiche: Paare, die sich mehr mit dem beschäftigen, was sie trennt, als mit dem, was sie verbindet.

Sie fokussieren sich auf die negativen Dinge: Da sind zum einen, die Kränkungen, die im Laufe der Zeit entstanden sind. Diese sind teils so schmerzhaft und tief, dass ein Blick auf die guten gemeinsamen Zeiten verbaut ist. Hass und Wut stehen bei vielen im Vordergrund. Missgunst und Kränkung, finanziell empfundene Ungerechtigkeiten führen dazu, dass Kinder häufig als Droh- und Druckmittel instrumentalisiert werden.

Auch interessant: Messbarer Wendepunkt: Trennung deutet sich schon Jahre vorher an

Unglückliche Ehe „um jeden Preis“ retten? Das sagt ein Therapeut

Zum anderen hören wir immer wieder, dass mindestens einer von beiden sagt, dass er oder sie zu lange einfach „ausgehalten“ habe statt eine Veränderung anzustoßen. Doch warum fällt es Paaren so schwer, sich früher zu entscheiden – für Veränderungen, für andere Wege, manchmal auch für das Ende?

Auch wenn wir heute in „modernen“ Zeiten leben, unabhängiger sind und scheinbar freier, so hören wir sehr häufig, dass Paare immer noch an seit langem existierenden Konventionen unserer Gesellschaft hängen, die ihnen zu Hause beigebracht wurden. Es ist der Glaubensatz: „Man bleibt zusammen. Um jeden Preis.“ Das Ideal der ewigen Familie wirkt stärker als jeder Verstand.

Kinder spüren die Konflikte in einer unglücklichen Ehe

Kinder sind dabei oft der zentrale Grund, zusammenzubleiben – auch wenn man unglücklich ist, wenn sonst längst nichts mehr da ist, was verbindet. Die Idee oder die Annahme, dass die Kinder von Konflikten nichts mitbekommen sollen, ist naiv. Kinder spüren alles. Nur verstehen sie oft nicht, was sie erleben – aber sie fühlen, wenn etwas zwischen den Eltern nicht stimmt. Je älter sie werden, desto klarer sehen sie das und begreifen, was los ist. Und sie lernen: So sieht Beziehung aus.

Wegen der Kinder zusammenzubleiben, aber dabei in emotionaler Einsamkeit zu leben, mit wenig Lebensfreude, nur funktionierend bis zur Selbstaufgabe, kann mit das Schlimmste sein, was Sie sich beiden und den Kindern antun können. Ein klarer Schnitt, eine Veränderung im Familiensystem, hilft allen Beteiligten. Mehr dazu: „Warum es Trennungskinder häufig so schwer haben.“

Wenn Paare unglücklich zusammen bleiben, spielen auch Ängste eine zentrale Rolle: Angst vor dem Alleinsein, vor Leere, finanzieller Unsicherheit, Angst vor der Überforderung, Angst vor dem Scheitern, Angst, versagt zu haben, nicht den Erwartungen unserer Gesellschaft, der Freunde sowie der Familie entsprochen zu haben – und vieles mehr. 

Was können Paare also tun, damit es gar nicht erst gar soweit kommt? Was braucht es für ein gesundes Beziehungsfundament?

Beziehung stärken: Fünf wichtige und hilfreiche Tipps

  • Miteinander im Gespräch bleiben

Viele verstummen mit der Zeit. Gefühle bleiben unausgesprochen. Verletzungen werden geschluckt, statt sie dem Partner oder der Partnerin mitzuteilen. Doch das Ungesagte bleibt nicht folgenlos. Es arbeitet in uns – still, aber stetig. Es ist wie ein lähmendes Gift, das langsam, aber sicher wirkt. 

  • Geplante Zwiegespräche führen

Zwiegespräche sind ein hilfreiches Ritual. Führen Sie diese Rücken an Rücken sitzend oder im Liegen, Wange an Wange – mit einer klaren Struktur. Jeder spricht zehn Minuten, ohne unterbrochen oder kommentiert zu werden. Beginnen Sie mit folgendem Einstieg: Wie geht es mir? Wie geht es mir mit dir? Wie geht es mir mit uns? Danach wird gewechselt. Machen Sie das zweimal pro Woche – mindestens.

  • Klare Stopp-Signale setzen

Wenn Sie spüren, dass etwas nicht mehr stimmt, setzen Sie ein klares Signal: So geht es nicht weiter. Warten Sie damit nicht zu lange. Niemand wird von heute auf morgen unsichtbar. Wenn Sie sich nicht gesehen oder gehört fühlen, sprechen Sie es an. Nicht irgendwann – sondern jetzt. Beide Partner tragen Verantwortung für die Beziehung. Bleiben Sie also dran. 

  • Suchen Sie sich Hilfe

Wenn Sucht im Spiel ist – Alkohol, Drogen, Spielsucht, Nikotin – geraten viele an ihre Grenzen. Überforderung ist vorprogrammiert. Der Versuch, den anderen zu „retten“, führt oft in Co-Abhängigkeit oder gar Krankheit. Der einzig sinnvolle Weg als Angehöriger: sich Hilfe und Unterstützung suchen, etwa in einer Selbsthilfegruppe oder in Beratungsstellen. Ein guter Wegweiser ist hier www.dassuchtportal.de oder Ihre Krankenkasse.  

Glückliche Trennung: Wie man die Liebe gut beendet

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    Zudem können sie Einzeltherapien für den Partner anzustoßen und ggf. eine begleitende Paartherapie beginnen. Machen Sie sich aber klar, dass es ausschließlich die Aufgabe des kranken Partners ist, sich auf den Weg zu machen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagt der Volksmund – aber sie stirbt. Gerade bei Süchten. Bevor Sie selbst krank werden, ziehen Sie die Reißleine – so weh es Ihnen auch tut. 

    • Frühzeitig über einen Partnerschafts- oder Ehevertrag nachdenken

    Wenn eine Trennung wahrscheinlich wird, hilft es, rechtzeitig über die Zukunft nachzudenken. Was kommt danach? Was soll geregelt werden? Wie geht es finanziell weiter? Wie kann ein respektvoller Umgang gewahrt bleiben? Ehe- oder Partnerschaftsverträge können sinnvoll sein – auch noch während der Beziehung. Klare Regeln geben Sicherheit, auch im Fall des Falles.

    Gisbert Straden & Andrea Katz

    Genau wie seine Frau Andrea Katz ist Gisbert Straden ausgebildeter Paar- und Sexualtherapeut. Zuvor war er als Dozent für Wirtschaftspsychologie tätig. Gemeinsam mit seiner Frau, die hauptberuflich als Lehrerin arbeitet, betreibt er die Praxis „Von Paar zu Paar“ in Berlin. In ihrer Beziehungskolumne „Wie Katz und Straden“ beleuchten sie gemeinsam Beziehungsprobleme und suchen nach Lösungen – sowohl aus der Perspektive erfahrener Therapeuten als auch aus ganz persönlicher Sicht, mit eigenen Konflikten und Herausforderung in der Beziehung.

    Beziehungen scheitern nicht plötzlich. Bei ersten Anzeichen sollten Sie beginnen, für den Fall, dass sie sich doch trennen müssen, klare Vereinbarungen zwischen ihnen und ihrem Partner, für die Zukunft zu treffen. Denn diese Verträge und Vereinbarungen können auch noch während der Partnerschaft geschlossen werden. Je früher Sie alles versuchen zu regeln, desto leichter wird es Ihnen fallen.

    Sollte es am Ende nicht gelingen, das gemeinsame Fundament zu festigen und es kommt zur Trennung, vergessen Sie nicht: Auch eine gescheiterte Beziehung war nicht umsonst. Sie war Leben. Lernen. Entwicklung. Schmerz – aber auch Reife. Am Ende geht es um Mut, Klarheit. Und den Willen zur Veränderung – wenn nötig. Bleiben Sie nicht aus Gewohnheit. Bleiben Sie, weil es sich lohnt. Und wenn es sich nicht mehr lohnt: Gehen Sie.