Die Idee klingt so einfach wie ungewöhnlich: Könnte es einen gemeinsamen Schlüssel geben, um gleich mehreren der häufigsten Alterskrankheiten – Demenz, Schlaganfall, Depression – vorzubeugen? Eine neue Studie, die kürzlich im „Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry“ erschienen ist, liefert nun genau dafür einen überraschend konkreten Bauplan. Und der beginnt nicht in der Apotheke, sondern im Alltag.

Studie mit neuem Ansatz zur Erforschung des Gehirns

Die Medizin mag klare Diagnosen – und forscht dementsprechend in getrennten Kategorien. Für Demenz gibt es eigene Studien, ebenso für Schlaganfall oder Depressionen im Alter. Doch genau hier setzt die neue Studie an: Sie denkt die Risiken zusammen. Nicht aus wissenschaftlicher Bequemlichkeit, sondern aus menschlicher Logik.

„Aus menschlicher Sicht macht es wenig Sinn, Krankheiten voneinander zu trennen“, sagt Dr. Sanjula Singh, Hauptautorin der Studie und Neurologin an der Harvard Medical School. Schließlich wolle niemand entweder einen Schlaganfall oder eine Demenz vermeiden – sondern am liebsten beides. Und die Depression gleich mit. Die neue Studie fragt deshalb, welche Faktoren alle drei Erkrankungen gemeinsam beeinflussen – und wie sich diese im Alltag gezielt verändern lassen.

Spannende Achäologie-Artikel – für Sie recherchiert

Ein Hebel für drei Krankheiten

Für ihre Analyse hat das Team um Singh 59 Metastudien zu Demenz, Schlaganfall und Depression ausgewertet, die zwischen 2000 und 2023 erschienen sind. Untersucht wurden nur Menschen, die noch nicht erkrankt waren – also solche, bei denen eine Vorbeugung noch möglich ist. Ebenso gezielt wurde nach modifizierbaren Risikofaktoren gesucht, also nach Einflüssen, die Menschen selbst beeinflussen können.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Das Ergebnis liest sich wie ein Fahrplan zur Prävention: 17 Faktoren, die nicht nur einzeln wirken, sondern gleich mehrere Krankheitsrisiken senken können.

Lesen Sie auch: Schlaganfall vor 24 Jahren: „Ich leide noch immer“

Hirnerkrankungen vorbeugen: 17 Faktoren, die zählen

Die Liste ist lang – und doch überschaubar. Sie umfasst medizinische Werte wie Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker, Nierenfunktion und Body-Mass-Index, aber auch psychologische, soziale und verhaltensbezogene Aspekte: Bewegung, Schlaf, Ernährung, Alkoholkonsum, Rauchen, Stress, depressive Symptome, aber auch soziale Interaktion, kognitive Aktivität, Schmerzempfinden, Hörverlust und sogar die empfundene Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens.

Besonders deutlich war der Einfluss des Blutdrucks: Werte ab 140/90 mmHg verdoppeln das Schlaganfallrisiko, erhöhen das Demenzrisiko um 20 Prozent und das Depressionsrisiko um 16 Prozent. Auch Bewegungsmangel und Schlafstörungen beeinflussen alle drei Erkrankungen signifikant.

Diese 17 Faktoren sollten nach Ansicht der Forschenden besonders beachtet werden:

  • Bluthochdruck
  • Nierenerkrankungen
  • Nüchternblutzucker
  • Gesamtcholesterin
  • Body-Mass-Index (BMI)
  • Alkoholkonsum
  • Tabakkonsum
  • Ernährung
  • Hörverlust
  • Schmerz
  • Körperliche Aktivität
  • Lebenssinn
  • Schlaf
  • Stress
  • Soziales Engagement
  • Kognitive Aktivität in der Freizeit
  • Depressive Symptome

Ein Menü, kein Pflichtkatalog

Die gute Nachricht: Viele dieser Risikofaktoren sind beeinflussbar und hängen miteinander zusammen. Wer sich mehr bewegt, schläft oft besser. Wer Stress abbaut, schützt sein Herz. Wer regelmäßig soziale Kontakte pflegt, senkt sein Risiko für Depressionen und Demenz.

Dr. Singh empfiehlt daher, die Liste nicht als strikten Fahrplan zu lesen, sondern als eine Art Menü: „Wählen Sie ein oder zwei Punkte aus, die zu Ihrem Leben passen – oft führt ein kleiner Schritt zu weiteren Veränderungen“.

Auch Dr. Richard Isaacson, Experte für neurologische Prävention, der nicht an der Studie beteiligt war, bezeichnet die Ergebnisse als „praktischen Leitfaden“. Die Menschen wollten verstehen, wie sie selbst etwas für ihre Gesundheit tun können – und genau das liefere diese Analyse.

Auch interessant: Neue Hoffnung: Impfung könnte Demenzrisiko um 20 Prozent senken

Wissenschaft, die anwendbar ist

Tatsächlich fließen die Erkenntnisse der Studie bereits in die Weiterentwicklung des sogenannten Brain Care Score ein. Das Instrument wurde 2023 am McCance Center for Brain Health entwickelt und ermöglicht eine risikoarme Einschätzung der eigenen neurologischen Gesundheit – ohne Bluttest, ohne MRT, allein durch die Bewertung des eigenen Lebensstils.

Für dieses Jahr ist eine aktualisierte Version des Scores angekündigt. Sie soll helfen, wissenschaftliche Erkenntnisse leichter in den Alltag zu übertragen.