- Demenz gilt als Volkskrankheit – eine Heilung oder einen effektiven Schutz gibt es bisher nicht
- Nun zeigt eine Studie, dass eine schon heute weit verbreitete Impfung das Risiko deutlich senken könnte
- Die Viren, gegen die sich die Impfung richtet, tragen viele Menschen bereits in sich
Allein in Deutschland gibt es laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft rund 1,8 Millionen Demenz-Patienten. Die Risikofaktoren für die Erkrankung sind zwar bereits bekannt, gänzlich verhinderten lässt sie sich die Demenz bislang jedoch nicht. Das könnte sich nun zumindest teilweise ändern. Laut einer britischen Studie könnte eine Impfung gegen Gürtelrose das Demenz-Risiko deutlich senken.

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Die im Fachjournal Nature veröffentliche Studie untersuchte, inwiefern die Gürtelrose-Impfung gegen das sogenannte Varizella-Zoster-Virus vor Demenz schützt. Dafür wurden zwei Personengruppen aus Wales über sieben Jahre beobachtet. Eine Gruppe wurde gegen Gürtelrose geimpft, die andere nicht. Das Ergebnis: Diejenigen, die geimpft waren, hatten ein um bis zu 20 Prozent geringeres Risiko, im weiteren Verlauf ihres Lebens an Demenz zu erkranken. Aber: Der Effekt zeigte sich fast nur bei Frauen, bei Männern konnte kein entscheidender Effekt festgestellt werden.
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Den Forschern zufolge sei deshalb zwar erwiesen, dass eine Impfung gegen Gürtelrose vor der Weiterentwicklung oder dem Auftreten einer Demenz-Erkrankung schütze. Wie der Mechanismus genau funktioniert, muss jedoch noch weiter erforscht werden.
Experte begeistert: „Demenz-Risiko signifikant reduziert“
Martin Korte, Dekan der Fakultät für Lebenswissenschaften an der Technischen Universität in Braunschweig, zeigt sich von der Studie angetan. Er sagte gegenüber dem Science Media Center (SMC): „Die hier vorgelegte Analyse (...) liefert einen überzeugenden Beleg, warum die Gürtelrosen-Impfung nicht nur gegen eine sehr schmerzhafte Erkrankung schützt, sondern zusätzlich auch noch das Demenz-Risiko signifikant reduziert“.
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In weiteren Untersuchungen sei außerdem zu klären, warum sich der Effekt der Gürtelrose-Impfung auf das Demenzrisiko zwischen Frauen und Männern so stark unterscheidet, sagt Neurobiologe Korte gegenüber dem SMC.
Varizella-Zoster-Virus: Was steckt hinter dem Virus?
Das Varizella-Zoster-Virus stammt aus der Gruppe der Herpesviren, die schon länger mit der Entwicklung von Demenz in Verbindung gebracht werden. Das Virus löst Windpocken aus, an den vor allem Kinder erkranken. Einmal infiziert, verbleiben die Viren im Körper. Auch nach vielen Jahren können sie wieder aktiv werden und Gürtelrose verursachen. Symptome sind Abgeschlagenheit und Fieber sowie Nervenentzündungen mit Brennen und starken Schmerzen. Oft breitet sich ein Hautausschlag aus, aus dem sich juckende Bläschen bilden.
Impfstoff wird in Deutschland nicht mehr verwendet
Auch wenn die Studie vielversprechend erscheint, gibt es zumindest für Deutschland eine entscheidende Einschränkung: Die Studienergebnisse gelten bisher nur für den Lebendimpfstoff Zostavax. Dieser ist in Deutschland nicht mehr gebräuchlich. Heutzutage wird der Herpes-Zoster-Totimpfstoff mit dem Handelsnamen Shingrix verimpft. Unklar ist also, ob die Studie auf Shingrix überhaupt übertragbar ist. Klaus Überla, Direktor des virologischen Instituts des Universitätsklinikums Erlangen, verweist jedoch auf eine amerikanische Studie, die darauf hindeutet, dass der in Deutschland empfohlene Proteinimpfstoff sogar noch besser vor der Demenz schützt als der Lebendimpfstoff.

Demenz: Wer sollte sich gegen Gürtelrose impfen lassen?
Etwa drei von zehn Personen erkranken im Laufe des Lebens an einer Gürtelrose. Die Krankheit kann zwar grundsätzlich in jedem Alter auftreten, doch meistens sind Menschen über 50 Jahren oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem betroffen. Seit 2018 werden Gürtelrose-Impfungen in Deutschland deshalb für alle ab 60 und Risikogruppen ab 50 Jahren empfohlen.
Angesichts der neuen Studienergebnisse sollten die Impfempfehlungen auch in Deutschland überdacht werden, urteilen Forscher. „Mit dieser Studie gibt es einen weiteren guten Grund, die Impfung gegen Gürtelrose, wie von der Ständigen Impfkommission empfohlen, in Anspruch zu nehmen“, meint Klaus Überla.
Martin Korte formuliert es noch deutlicher: „Ganz klar wäre meine Empfehlung, die Impfung weiter auszudehnen. Alle Altersgruppen profitieren, was die Gürtelrose selbst angeht – es gibt kaum etwas Schmerzlicheres als eine schwere Gürtelrose. Man kann davon ausgehen, dass je früher man impft, umso eher das Demenz-Risiko gesenkt wird.“








