Laut internationalen Umfragen sind die Bewohner mancher Länder öfter untreu als andere. Einer Studie von „Smith Investigation Services“, „World Population Review“ und „The Tech Report“ zufolge gehen die Menschen in den USA, Deutschland und Großbritannien am häufigsten fremd. Doch bei der Suche nach dem treuesten Land sticht ein Inselstaat besonders hervor.

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Mit einer Untreuerate von nur neun Prozent bildet Island das positive Schlusslicht der Umfrage. Auch in einer Studie aus dem Jahr 2020 war Island die Nummer Eins unter den treuesten Ländern, dicht gefolgt von Grönland. Doch warum betrügen die Menschen in manchen Regionen weniger als in anderen? Eine Paartherapeutin erklärt, welche Faktoren die Treue in Beziehungen am stärksten beeinflussen.
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Mit einer Bevölkerung von rund 397.000 Menschen ist Island ein relativ kleines Land. Warum die Isländer und Isländerinnen besonders treu sein sollen, lässt sich nur anhand von Vermutungen erklären: In kleineren Gemeinschaften könnte die Angst vor sozialer Ächtung dazu beitragen, dass Menschen seltener fremdgehen oder dies zumindest nicht öffentlich zugeben. Die Treuestudien sind zudem oft nicht repräsentativ: Um Zusammenhänge herstellen zu können, fehlen weitere empirische Forschungen.

Empirisch belegbar ist allerdings die Tatsache, dass Island dem Glücksreport der Vereinten Nationen zufolge zu den glücklichsten Ländern der Welt gehört. Das hohe Maß an Zufriedenheit und Wohlbefinden könnte die Stabilität von Beziehungen fördern und somit die Wahrscheinlichkeit von Untreue reduzieren.
Island ist zudem für seine fortschrittlichen Ansichten zur Gleichstellung der Geschlechter und eine offene Kommunikation innerhalb von Beziehungen bekannt. Das kann dazu beitragen, dass Paare ihre Bedürfnisse und Erwartungen klarer kommunizieren und so seltener fremdgehen. Passend dazu: Experte erklärt: Diese drei Gründe führen zu Untreue
Treue von der Kultur abhängig? Paartherapeutin kritisch
Generell sind Umfragen zu Treue nur bedingt aussagekräftig. Kulturelle Unterschiede und die fehlende Bereitschaft, offen über persönliche Themen zu sprechen, können die Ergebnisse verzerren. Zudem variiert die Definition von Untreue je nach Person: Während emotionale Intimität für manche bereits als Untreue gilt, sehen andere erst den körperlichen Betrug als Vertrauensbruch.
Laut der Paartherapeutin Fiona Grabow spielen persönliche Bedürfnisse und individuelle Muster bei der Loyalität in Beziehungen eine größere Rolle als unterschiedliche Kulturen und Herkünfte. In ihrer Arbeit mit Paaren beobachtet sie, dass die Ursachen für Untreue vor allem in der Dynamik der Beziehung liegen.
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Zwar könnten kulturelle Faktoren wie gesellschaftliche Normen, Werte oder der Umgang mit Sexualität bei der Häufigkeit von Untreue eine Rolle spielen. Doch konkrete Aussagen dazu sind Grabow zufolge schwierig: „Die Gründe für Untreue sind sehr individuell“, betont sie.
So lasse sich ihrer Meinung nach auch nicht beantworten, ob die Menschen in manchen Länder öfter fremdgehen als in anderen. „Sicher gibt es kulturelle Unterschiede“, sagt sie. „Aus meiner Sicht wäre es allerdings schwierig und vielleicht auch etwas unfair, ganze Länder pauschal miteinander zu vergleichen.“
Treue in Beziehungen: Diese Faktoren sind laut Expertin wichtig
Messbarer sind dagegen die Einflüsse individueller Charakterzüge und Beziehungsdynamiken. 2004 versucht eine Studie, regionale Unterschiede bei der Treue an verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen festzumachen. Damals ergaben Umfragen in zehn Weltregionen und 52 Ländern, dass Menschen mit einer niedrigen Verträglichkeit und einer niedrigen Gewissenhaftigkeit öfter untreu werden. Wer empathisch und verantwortungsbewusst handelt, geht demnach weniger oft fremd.
Auch die Gründe für die Untreue geben einen tieferen Einblick in die Psyche der Fremdgänger als ihre Herkunft oder ihr Wohnort. So gehen Grabow zufolge viele Menschen fremd, wenn sie ihre emotionalen Bedürfnisse innerhalb der Beziehung nicht erfüllt sehen.
Einsamkeit, fehlende Aufmerksamkeit oder das Bedürfnis nach Bestätigung könnten dann dazu verleiten, außerhalb der Partnerschaft nach Erfüllung zu suchen, so die Expertin. Mehr dazu: Paartherapeut warnt: Diese Personen werden besonders oft untreu
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Der Schlüssel zu mehr Treue liegt Grabow zufolge folglich nicht darin, von anderen Ländern zu lernen, sondern von Paaren mit einer erfolgreichen Kommunikation: Offene und wertschätzende Gespräche und die ernsthafte Auseinandersetzung mit den emotionalen Bedürfnissen des Partners seien entscheidender als kulturelle Einflüsse, sagt sie.
Eine stabile Partnerschaft zeichnet sich durch Vertrauen, Kommunikation und emotionale Nähe aus. Paare, die offen miteinander sprechen, auf die Bedürfnisse des anderen eingehen und gemeinsam an ihrer Beziehung arbeiten, haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, langfristig treu zu bleiben. Egal, in welchem Land sie leben.







