Einer Elitepartner-Studie aus dem Jahr 2020 zufolge betrügt jede dritte Person in Deutschland mindestens einmal im Leben ihren Partner oder ihre Partnerin. Die Gründe für die Untreue sind unterschiedlich: Selbst glückliche Beziehungen sind kein Garant für lebenslange Treue. Doch was viele nicht wissen: Neben dem betrogenen Teil der Partnerschaft muss auch der Betrüger den Seitensprung verarbeiten.

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Viele Fremdgänger fühlen sich schuldig, zweifeln an ihrer Beziehung und an sich selbst. Eine Paartherapeutin erklärt: Wer untreu war, muss sich selbst verzeihen – und das, noch bevor der Partner oder die Partnerin es tut. Zu diesem Prozess gehört auch eine fordernde Aufgabe, doch ohne sie kann die Beziehung den Betrug nicht überwinden.
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Fremdgehen in der Beziehung: Wie kann sich Betrüger selbst verzeihen?
Nach einem Seitensprung oder einer Affäre können sich zwei Personen im Vergeben üben: der oder die Betrogene und der Betrüger selbst. Die Paartherapeutin Sabine Lahme beschreibt Letzteres als unumgänglich: „Wenn ich mir nicht selbst vergebe, wer dann?“, fragt sie. Dahinter steckt ein wichtiger Prozess.
Denn der oder die betrügende Person setze sich dabei bewusst mit der Situation auseinander und stelle sich Fragen zur Selbstreflektion, erklärt die Expertin: „Was ist da passiert? Aus welchem Grund ist es zu der Untreue gekommen? Was fehlt mir in der Beziehung? Und aus welchem Grund habe ich nicht mit meinem Partner darüber gesprochen?“, zählt Lahme auf. Ein Fremdgänger könne weder Verständnis noch Vergebung von seinem Partner erwarten, wenn er diesen Prozess nicht durchlaufe.
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„Beziehung fängt immer bei mir selbst an“, sagt sie. „Wenn ich in einer Beziehung nicht im Reinen mit mir bin, bin ich es auch nicht in meiner Beziehung zur Partnerin oder zum Partner.“ Umgekehrt entstehe daraus auch die Basis für die weitere Partnerschaft: Eine Beziehung, in der der Betrüger sich seinen Fehltritt nicht vergibt, kann laut Lahme nicht funktionieren.
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Ein wichtiges Element der Selbstreflexion sei, sich die eigene Schuld einzugestehen. Wer betrogen habe, müsse sich nicht für den Seitensprung verurteilen oder schämen, könne aber Verantwortung dafür übernehmen, so die Paartherapeutin. Dazu gehöre auch, ehrlich zu sich selbst zu sein und dem Partner oder der Partnerin keine Schuld an der Untreue zu geben. Das sei eine erwachsene Reaktion, sagt Lahme.
Dabei sagt die Expertin klar: Schuld habe der Fremdgänger immer. „Fremdgehen ist eine bewusste Tat“, sagt sie. An versehentliche Seitensprünge oder Partyunfälle glaube sie nicht: „Ich kann jederzeit stoppen. Es zwingt mich keiner, mit jemandem ins Bett zu gehen“, so die Paartherapeutin. Mehr zum Thema: Achtung Alkohol – Fremdgeh-Gefahr beim Feiern
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Sie räumt allerdings ein, dass oft auch der Betrogene einen Anteil an der Untreue habe. Meist läge das Problem darin, dass sich Paare nicht genügend austauschten, sagt Lahme. „Kommunikation heißt nicht: Wer holt die Kinder ab, wer kocht?“, erklärt sie. „Kommunikation bedeutet: Wie geht es dir wirklich? Was beschäftigt dich? Wonach sehnst du dich?“ Solche Fragen machten eine Beziehung aus.
Beziehung retten: So funktioniert es sogar nach zehnjährigem Betrug
Wer seinen Partner betrüge, überschreite dennoch zuerst seine eigene Grenze, erklärt die Therapeutin. Der fremdgehende Teil der Partnerschaft sei sich selbst und seinen Prinzipien nicht mehr treu: Auch deswegen sei es so wichtig, das Geschehene aufzuarbeiten, sich selbst zu vergeben und an dem Seitensprung zu wachsen. Wie sich die Beziehung nach Untreue retten lässt, lesen Sie hier.
Neben der Chance zur persönlichen Weiterentwicklung bietet die Untreue dann auch eine Gelegenheit für die Beziehung zum Partner oder zur Partnerin: Sie müsse nicht das Ende einer Beziehung sein, wenn das Paar ehrlich mit seinen Erfahrungen und Gefühlen umgehe und ins Gespräch komme, so die Expertin.
Selbst bei einem schweren Betrug können sich Paare wieder annähern, sich verzeihen und den Konflikt lösen: „Ich hatte Paare, bei denen der Partner zehn Jahre fremdging und quasi ein Doppelleben hatte“, erzählt die Paartherapeutin. Lahmes Freude ist unüberhörbar: In solchen Fällen zu sehen, wie sich beide Zeit füreinander nehmen und eine andere Beziehung führen als vor dem Betrug, sei das Schönste an ihrem Job.





