• Wenn die Pollen zu fliegen beginnen, ist die Ruhe für Allergiker vorbei – und das immer früher im Jahr
  • Doch manche Pollenarten führen zu stärken Reaktionen als andere
  • Wovon das abhängt und welche Arten besonders belastend sind, erklärt ein Allergieforscher

Die Sonne scheint lieblich, doch die Augen brennen und jucken und die Nase läuft auf Hochtouren: Es ist Frühling in Deutschland – und mehr als zwölf Millionen Allergikerinnen und Allergiker müssen sich auf den jährlichen Pollenflug gefasst machen. Der Blick auf den Pollenflug-Kalender verrät aber: so richtig Ruhe gibt es für Betroffene in Zeiten von massivem Klimawandel und längeren Wärmephasen eigentlich nicht mehr. Die Blütephasen verlängern sich, neue Pflanzen- und Pollenarten breiten sich auch in Deutschland aus.

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Die Folgen können von lästigen Symptomen wie Juckreiz, Niesen oder laufender Nase bis hin zu schwerwiegenden Atembeschwerden und Asthma-Anfällen reichen. Betroffene schützen sich mit Apps oder tragen Schutzmaske, das Nasenspray wird zum Dauerbegleiter. Doch welche spezifische Allergie führt in Deutschland zu besonders starken Beschwerden?

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Diese Pollen sind am schlimmsten für Allergiker

Der Grad der Gefährdung ergibt sich bei Pollen vor allem aus ihrer Menge und wie stark allergen sie sind. So ist der Pollenflug bei Tannen, Fichten und Kiefern beispielsweise sehr hoch, aufgrund ihrer geringen Allergenität jedoch nicht immer problematisch für Betroffene. „Die Art und Weise der Reaktion und der Symptome ist bei allen Pollen gleich, aber die meisten Beschwerden werden durch Birken- und Gräserpollen ausgelöst“, erklärt Professor Karl-Christian Bergmann, Allergieforscher an der Berliner Universitätsklinik Charité.

Menschen mit Heuschnupfen müssen stark sein – der Klimawandel wird einige Pollen-Arten relevanter machen.
Besonders viele Menschen in Deutschland reagieren allergisch auf Gräserpollen.© Getty Images | kristo74

Neben den diversen Gräser- und Birken-Pollen sorgen die Erle, die Hasel, die Esche und der Beifuß für den Großteil der allergischen Reaktionen. „Diese machen über 90 Prozent der Erkrankungen aus“, sagt Bergmann. Die viel besprochenen Ambrosia-Pollen spielten, so der Experte, im Vergleich keine größere Rolle. Zwar können die Pollen der invasiven Pflanze durchaus zu allergischen Reaktionen führen, ihre Ausbreitung beschränke sich im größeren Stil jedoch auf wenige Bereiche Deutschlands, beispielsweise in Cottbus oder Breslau. „Ich halte sie deshalb nicht für gefährlicher als die Birken- und Gräserpollen“, so der Experte.

Heuschnupfen: Diese Pflanze wird in Zukunft eine größere Rolle spielen

Dennoch sei die Ambrosia „ein Musterbeispiel für eine Pflanze, die sich mit dem Klimawandel ausbreitet“. Es gebe sie ungefähr seit 1890 in Deutschland, in Berlin und Baden-Württemberg habe es Programme gegeben, um den Allergie-Auslöser wieder loszuwerden. „Die Bestände waren dort zwar sowieso niedrig, aber es ist gut, dem Thema Pollenflug an allen Stellen beizukommen“, sagt Bergmann.

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Gleiches gelte für den Götterbaum, der in städtischen Gebieten lange als dekorativer Parkbaum angepflanzt wurde, mittlerweile aber auf der EU-Liste als invasive Art geführt wird. Der Baum aus der Familie der Bittereschengewächse breitet sich aufgrund seiner geringen Ansprüche und klimatischen Anpassungsfähigkeit schnell aus und führe zu Heuschnupfen und Pollen-Asthma. Laut Bergmann werde der Götterbaum in Zukunft deshalb eine größere Rolle für Allergiker spielen, vor allem in urbanen Gebieten.

Pollenflug: Vor allem an diesem Ort ist die Gefahr groß

Städterinnen und Städter sind, so der Experte, generell häufiger von Allergien betroffen. Zwar ist eine starke allergische Reaktion auf dem Land aufgrund des hohen Pollenflugs wahrscheinlicher, allerdings spielt die Großstadtluft bei der sogenannten Sensibilisierung eine entscheidende Rolle. „Der Klimawandel führt dazu, dass wir in den Städten höhere Temperaturen und vertikale Luftbewegungen haben, also mehr Feinstaub“, sagt Bergmann. Die Folge: Die Menschen haben Antikörper gegen die Pollen im Blut, sind also für die Pollen sensibilisiert, auch wenn noch keine Allergie vorherrscht: „Bei diesen Sensibilisierten ist die Wahrscheinlichkeit eine Allergie zu entwickeln deutlich höher.“

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Ein weiteres Gefahrenpotenzial: Kreuzallergien. Hier betont der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB), dass eine bestimmte Pollenallergie nicht pauschal mit der korrespondierenden Lebensmittelallergie gleichzusetzen ist. Ärztliche Beratungs- und Therapiemaßnahmen seien elementar für die Entwicklung eines angepassten Ernährungsplans. Dennoch ist die Chance für Kreuzallergien in gewissen Konstellation höher, erneut sind vor allem Allergiker mit Birken- und Gräserallergien betroffen: „Die stärksten Reaktionen gibt es bei der Erdnuss, dort gibt es vereinzelt sogar Todesfälle.“ Letztere seien allerdings auf Gräserpollen zurückzuführen.

Welche Kreuzallergien sind besonders häufig und gefährlich?

Menschen mit Birken- oder Gräserallergien müssten außerdem bei Lebensmitteln wie roten Mohrrüben oder Kartoffeln aufpassen. „Wenn Sie auf Birkenpollen reagieren, ist die Wahrscheinlichkeit einer Kreuzallergie mit Stein- oder Kernobst wahrscheinlich“, sagt Bergmann. Jeder zweite Erwachsene, der unter Heuschnupfen mit Birkenpollen leidet, reagiere auch allergisch auf Äpfel. Die Folge laut Bergmann: „Juckreiz, Zungenschwellung, Lippenschwellung, ein Gefühl von Halsverengung. Das sogenannte orale Allergiesyndrom.“

Letztlich lässt sich also festhalten: Für die meisten Allergikerinnen und Allergiker werden die Gräser- und Birkenpollen auch in Zukunft das größte Gefahrenpotenzial bergen. Doch mit dem Klimawandel werden neue Pflanzen und deren Pollen – wie die Ambrosia oder der Götterbaum – eine größere Rolle spielen. Außerdem führen die höheren Temperaturen und Feinstaubbelastungen in Städten zu höherer Sensibilisierungs- und Allergiegefahr. Dennoch ist sich Bergmann sicher: „Der Götterbaum wird die Birken- und Gräserpollen in ihrer Bedeutung nicht verdrängen.“