Kreuzworträtsel, Sudoku und Schach gelten als bewährte Methoden, um das Gehirn auch im Alter auf Trab zu halten. Doch eine neue US-amerikanische Studie zeigt: Es gibt eine noch angenehmere Art, die grauen Zellen zu trainieren – und die hat weder mit Zahlen noch mit Buchstaben zu tun.
Beziehung: Liebe macht klug – zumindest im Alter
Die Soziologen Shannon Shena vom Hope College und Hui Liub von der Purdue University in den USA haben in einer Langzeitstudie untersucht, welchen Einfluss das sexuelle Erleben auf die geistige Fitness älterer Menschen hat. Dazu werteten sie Daten des National Social Life, Health, and Aging Project (NSHAP) aus, das seit Jahren Informationen über das soziale Leben, die Gesundheit und das Altern in den USA sammelt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift „The Journal of Sex Research“.
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Konkret analysierten sie die Antworten von 1.683 Personen im Alter ab 62 Jahren, die über einen Zeitraum von fünf Jahren regelmäßig zu ihrer sexuellen Aktivität befragt wurden. Dabei gaben die Befragten nicht nur an, wie oft sie sexuell aktiv waren, sondern auch, wie viel Lust sie dabei empfanden – mit oder ohne Orgasmus – und wie zufrieden sie mit ihrem Liebesleben waren. Gleichzeitig wurde ihre kognitive Leistungsfähigkeit mit standardisierten Tests zu Gedächtnis, Aufmerksamkeit und logischem Denken ermittelt.
Das Ergebnis war eindeutig: Wer im Alter sexuell aktiv blieb, schnitt in den kognitiven Tests signifikant besser ab als Gleichaltrige, die ihr Liebesleben bereits auf Eis gelegt hatten. „Unsere Studie zeigt, dass ein erfülltes Sexualleben nicht nur das emotionale Wohlbefinden stärkt, sondern sich langfristig auch positiv auf die geistige Gesundheit auswirkt“, erklären Shena und Liub.
Häufiger oder intensiver Sex? Das Alter macht den Unterschied
Interessanterweise zeigte sich, dass die Art der positiven Effekte vom Alter abhängt. „Bei den über 75-Jährigen zeigte sich, dass diejenigen, die mindestens einmal pro Woche Sex hatten, fünf Jahre später bei kognitiven Tests deutlich besser abschnitten“, so die Forscher. Wer also im Alter regelmäßig sexuell aktiv blieb, schien auch länger geistig fit zu bleiben.

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Bei den Jüngeren zwischen 62 und 74 Jahren zählte dagegen weniger, wie oft sie Sex hatten, sondern wie erfüllend sie ihn empfanden. Menschen, die angaben, „sehr angenehmen und befriedigenden Sex“ zu haben, erzielten laut der Studie langfristig bessere kognitive Ergebnisse als diejenigen, die wenig Freude an ihrer Sexualität empfanden.
„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die emotionale und körperliche Zufriedenheit, die mit gutem Sex einhergeht, einen langfristigen Einfluss auf die kognitive Gesundheit haben könnte“, schreiben Shena und Liub. Sie vermuten, dass eine erfüllte Sexualität im mittleren Alter dazu beitragen könnte, den altersbedingten Gedächtnisverlust hinauszuzögern.
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Warum hält Sex das Gehirn fit?
Doch was genau steckt hinter diesem Zusammenhang? Die Forscher haben mehrere Erklärungen für die positive Wirkung von Sex auf die kognitive Gesundheit. Ein wichtiger Faktor sei die körperliche Bewegung, die mit sexueller Aktivität einhergeht. „Sex verbessert die kardiovaskuläre Gesundheit und fördert die Durchblutung des Gehirns – und eine gute Durchblutung ist entscheidend für die kognitiven Funktionen“, erklären die Forscher.
Einen weiteren Schlüssel sehen die Forscher im Stress, der durch Sex abgebaut wird. Chronischer Stress gilt als einer der größten Feinde des Gedächtnisses, weil er das Wachstum neuer Nervenzellen in den für Gedächtnis und Lernen zuständigen Hirnregionen hemmen kann. „Wenn Sex Stress reduziert, könnte das eine schützende Wirkung auf das Gehirn haben“, folgern die Wissenschaftler.
Und dann ist da noch das Glückshormon Dopamin. Dieser Botenstoff, der nach einem erfüllenden Liebeserlebnis ausgeschüttet wird, spielt eine zentrale Rolle bei Lernprozessen und Gedächtnisleistungen. Mehr Dopamin bedeutet also nicht nur Wohlbefinden – es könnte auch bedeuten, dass das Gehirn leistungsfähiger bleibt, so die These der Forscher.
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Sexualität: Gutes Gedächtnis macht nicht automatisch Lust auf mehr
Eine überraschende Erkenntnis der Studie war jedoch, dass der Zusammenhang zwischen Sex und geistiger Fitness keine Einbahnstraße ist. Während ein aktives Sexualleben langfristig mit besseren kognitiven Leistungen einherging, zeigte sich kein umgekehrter Effekt: Menschen mit guter geistiger Fitness waren später nicht automatisch sexuell aktiver.
„Es mag nahe liegen, dass Menschen mit besseren kognitiven Leistungen auch im Alter ein aktiveres Sexualleben haben. Aber wir haben keinen Hinweis darauf gefunden“, sagt Shena. „Stattdessen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass es die Sexualität selbst ist, die zu besseren Gesundheitsergebnissen führt – und nicht umgekehrt.“
Trotz langer Ehe: Ein Plädoyer für mehr Intimität im Alter
Die Forscher betonen, dass die Bedeutung der Sexualität für die geistige Gesundheit gerade im Alter oft unterschätzt wird. Während Gehirnjogging und gesunde Ernährung als bewährte Strategien gegen den kognitiven Abbau gelten, scheint auch ein erfülltes Liebesleben eine nicht zu unterschätzende Rolle zu spielen.
„Unsere Ergebnisse tragen zu einem vielschichtigen Verständnis von gesundem Altern bei und zeigen, dass Sexualität ein oft übersehener, aber wichtiger Faktor für die kognitive Gesundheit ist“, schreiben die Wissenschaftler.








