Es gibt gute Gründe, sich in einen guten Freund oder eine enge Freundin zu verlieben: Nähe, Vertrauen und gemeinsame Erlebnisse schaffen mit der Zeit eine starke Bindung und bringen die Gefühle durcheinander. Doch bleiben diese unerwidert, kann die Freundschaft aus dem Gleichgewicht geraten und Schäden davontragen. Ein Experte klärt auf: Wer häufig in der sogenannten Friendzone landet, folgt damit vielleicht einem unbewussten Muster.

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Einer repräsentativen Umfrage zufolge entwickeln vor allem deutsche Männer romantische Gefühle in ihren Freundschaften. So gaben 37 Prozent der befragten Single-Männer in einer Elite Partner-Studie aus dem Jahr 2018 an, schon einmal unglücklich in eine Freundin verliebt gewesen zu sein. Bei den Frauen hatte etwas mehr als ein Viertel Erfahrungen mit der Friendzone, in der aus den romantischen Gefühlen nicht mehr wurde. Doch bedeuten sie auch das Ende der Freundschaft?
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Fest steht: Die Gefühle zu ignorieren, bringt selten Klarheit. Stefan Woinoff, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie aus München, warnt vor einer wackeligen Grauzone. „Solche Beziehungen hängen oft zwischen Freundschaft und Liebesbeziehung fest“, sagt er. Die Zwischenebene sei selten stabil: „Diese Konstellation hat fast immer ein Gefälle“, so der Experte. So können die einseitigen Gefühle auf Dauer zur Belastung für beide Seiten werden.
Freundschaft zwischen Mann und Frau: Dieses Gefühl ist ein Warnsignal
Genau wie bei gleichgeschlechtlichen Freundschaften bietet auch eine platonische Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau Halt, emotionale Nähe und Leichtigkeit – zumindest, solange kein romantisches Gefühl aufkommt. Denn Verliebtheitsgefühle bringen diese ursprüngliche Leichtigkeit ins Wanken. Ob die Freundschaft das überlebt, hängt auch davon ab, wie intensiv sich die Gefühle ausdrücken.
Ein wichtiges Warnsignal für das Ungleichgewicht in der neuen Dynamik sei Eifersucht, sagt Woinoff. „Wenn der beste Freund oder die beste Freundin jemanden datet und sich dann Eifersucht bei einem zeigt, sollte man das ernst nehmen“, betont er. Die emotionale Belastung zeige sich in solchen Momenten besonders deutlich. Ein klares Zeichen, dass die Situation Betroffenen nicht gut tut.
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Verliebt in die Freundin? Dazu rät der Experte
Der Mediziner rät dazu, vorübergehend Abstand von der Freundschaft zu nehmen: „Manchmal ist es besser, eine Pause einzulegen, um Klarheit zu gewinnen und die eigenen Gefühle zu sortieren“, empfiehlt er. Die Distanz ermögliche es, die eigene Position zu reflektieren und die Freundschaft ohne den Druck der unerwiderten Liebe zu bewerten. So könnten Betroffene entscheiden, ob die Verbindung eine Chance auf eine ehrliche, platonische Basis habe, oder ob es besser sei, sie loszulassen.
Woinoff zufolge zeigt der Umgang mit solchen Situationen oft grundlegende Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Während Frauen häufiger versuchten, den Kontakt aufrechtzuerhalten, setzten Männer eher auf klare Entscheidungen: „Sie sagen dann radikaler: Entweder ganz oder gar nicht“, erklärt Woinoff.
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Gleichzeitig überschätzten Männer das Interesse ihrer Freundinnen eher und entwickelten schneller Gefühle, so der Experte. Das habe häufig zur Folge, dass sie enttäuscht seien, wenn ihre romantischen Wünsche nicht erwidert werden. Zudem könnten die unterschiedlichen Strategien und Herangehensweisen zu Missverständnissen und Enttäuschungen führen, die die Freundschaft zusätzlich belasteten.

Romantische Gefühle in der Freundschaft können Problem werden
Besonders schwierig sei es, wenn eine Seite weiterhin hoffe, dass sich die Freundschaft irgendwann vielleicht doch noch in eine romantische Beziehung verwandeln könnte. Das ständige Hegen unerwiderter Gefühle könne zu Frustration und emotionalem Stress führen, erklärt Woinoff.
„Wie Honig lecken durchs Glas“, beschreibt der Experte das Gefühl, nahe an der ersehnten Liebe zu sein, ohne sie wirklich zu erreichen. Gleichzeitig können die einseitigen Gefühle auf beiden Seiten Unsicherheit und Zweifel hervorrufen, etwa durch den Druck der unerwiderten Liebe.
Woinoff zufolge haben solche Situationen das Potenzial, Menschen nachhaltig zu prägen: „Wenn man immer wieder in dieser platonischen Zone stecken bleibt und nicht weiter kommt, ist das ein dauerhafter Selbstbewusstseinskiller“, sagt Woinoff. Dabei kann dahinter ein viel weitreichenderes Problem liegen.
Ständig in der Friendzone? Dahinter könnte psychologisches Muster stecken
„Wenn jemand immer wieder in der Friendzone landet, liegt das oft an einer tief verwurzelten Selbstwertproblematik“, erklärt der Experte. Er zieht Parallelen zu unbewussten Beziehungsmustern aus der Kindheit. Woinoff: „Wer sich selbst nicht als liebenswert empfindet, sucht sich oft Menschen, die diese Überzeugung bestätigen.“
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In der Psychoanalyse spricht man bei diesem Mechanismus von einem neurotischen Wiederholungszwang: ein unbewusster Drang, in dem Betroffene schmerzhafte Erfahrungen immer wieder in neuen Situationen durchleben, ohne den Zusammenhang mit ihrer Vergangenheit zu erkennen. Laut Woinoff kann der Wiederholungszwang dazu führen, dass sich Betroffene immer wieder in aussichtslose Liebessituationen begeben – etwa eine unerwiderte Liebe in einer Freundschaft.
Doch welcher Weg führt aus dieser Wiederholungsfalle hinaus? Besonders wichtig sei es, die eigenen Beziehungsmuster zu reflektieren, sagt Woinoff: „Wenn es immer wieder nicht klappt, lohnt es sich, vergangene Beziehungsmuster anzuschauen.“ Indem die unglücklich Verliebten sich mit den eigenen Erfahrungen und Wünschen auseinandersetzten, könnten sie besser verstehen, warum die unerfüllte Liebe in Freundschaften immer wieder auftritt und wie sie künftig gesunde und erfüllende Beziehungen eingehen.
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Platonische Freundschaft zwischen Mann und Frau: Das sagt der Experte
Auch wenn sich das Vorurteil hält: Eine platonische Freundschaft zwischen Mann und Frau kann durchaus existieren. Machen romantische Gefühle die Freundschaft zur Herausforderung, rät Woinoff dazu, ehrlich zu sich selbst zu sein und sich nicht mit falschen Hoffnungen zu belasten.
„Es gibt kein normal oder unnormal, wie solche Beziehungen laufen sollten“, sagt Woinoff. „Vor allem geht es darum, ob es für beide Seiten funktioniert.“ Dazu müssten Erwartungen, Wünsche und Grenzen klar kommuniziert werden. Manchmal besteht aber keine Möglichkeit, die eigenen Gefühle selbst in den Griff zu bekommen.
Wer merkt, dass die unerwiderte Liebe zu einer Belastung wird, sollte nicht zögern, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Psychotherapie kann helfen, unbewusste Beziehungsmuster zu erkennen und zu durchbrechen“, sagt Woinoff. Gleichzeitig hilft die Erkenntnis, dass Liebe ein natürlicher Teil des Lebens ist und sich nicht nur auf romantische Beziehungen beschränkt.
So kann Liebe im Alltag viele Formen der Verbundenheit annehmen – selbst die einer platonischen und unschuldigen Freundschaft zwischen unterschiedlichen Geschlechtern.





