Für zahlreiche Supermarktbetreiber begann die Woche mit einer bösen Überraschung: Statt Lebensmittel zu kühlen, gaben ihre Kühlanlagen plötzlich Wärme ab. In einigen Geschäften stiegen die Temperaturen auf bis zu 50 Grad Celsius. Dahinter stehen offenbar gezielte Cyberangriffe, die in der Nacht zum Montag (2. November) Kühlsysteme in mehreren europäischen Ländern manipulierten.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Betroffen waren Geschäfte in Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland und den Niederlanden. Händler mussten Lebensmittel aus dem Verkauf nehmen, teils ganze Warenbestände entsorgen. Wie hoch der Schaden insgesamt ausfällt, ist bislang unklar.
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Cyberangriff in Belgien: Rund 60 Supermärkte betroffen
Besonders betroffen war Belgien. Laut RTL Info kam es in rund 40 Delhaize-Filialen, 15 Carrefour-Märkten und fünf Spar-Geschäften zu Störungen. Auch eine Ikea-Filiale in Mons meldete Probleme, allerdings mit begrenzten Folgen. In einer Metzgerei verdarb laut Reuters Fleisch im Wert von rund 15.000 Euro.
In mehreren Geschäften stiegen die Kühltemperaturen auf etwa 15 Grad – zu warm für verderbliche Lebensmittel. Viele Händler mussten daraufhin ihre Waren entsorgen.
Laut dem Kühltechnik-Dienstleister Sabcobel hatten Unbefugte die Anlagen aus der Ferne in den Abtaumodus versetzt. Dabei wird die Kühlung vorübergehend unterbrochen, um Eis zu entfernen. Bleibt der Modus zu lange aktiv, steigen die Temperaturen. Techniker trennten betroffene Anlagen vom Netzwerk.
Cyberangriffe auf Supermärkte: Kühlprobleme in fünf weiteren Ländern
Auch in Schweden wurden Kühlanlagen manipuliert. Ein Ica-Supermarkt im südschwedischen Sjöbo berichtete auf Facebook, Hacker hätten seine Kühl- und Gefriergeräte auf 50 Grad eingestellt. Die Konzernzentrale bestätigte den Angriff nicht. Auch sieben Coop-Märkte meldeten Störungen.
Weitere Vorfälle gab es in Luxemburg, Irland und den Niederlanden. In Luxemburg traf es mehrere Delhaize-Filialen. Die irische Kette SuperValu nahm in 13 Geschäften vorsorglich Kühl- und Tiefkühlware aus dem Verkauf. In den Niederlanden meldete der Hersteller Danfoss mindestens 17 betroffene Betriebe.
In Estland gelangten Angreifer laut dem Dienstleister Kitman Coldtech an die Steuerung einer älteren Kühlanlage und stellten sie auf 50 Grad. Techniker verhinderten größere Schäden. Auch kleinere Geschäfte in Finnland meldeten laut Rundfunksender Yle Störungen. Ob Hacker dahinterstecken, ist noch unklar.
Deutschland: Markt in Nordrhein-Westfalen betroffen
Auch in Deutschland blieben Märkte nicht verschont. Im CAP-Markt in Volmarstein (Nordrhein-Westfalen) funktionierte die Kühlung am Montagmorgen nicht richtig, im Kühlhaus zeigte die Anzeige zehn Grad plus. Mitarbeiter räumten Käse, Milch, Joghurt, Fleisch und Backwaren-Rohlinge aus und entsorgten sie. Die Tiefkühlkost wurde gesperrt. Betroffen ist laut Mitarbeiterin Anja Bahr eine Regalfläche von mehr als zehn Metern Länge.
Die Kühlregale ließen sich schnell wieder herunterkühlen. Die Tiefkühlkammern müssen dagegen komplett ausgeräumt werden, und es gibt nur zwei Liefertage pro Woche. Die AWO als Betreiberin steht nach eigener Auskunft im Austausch mit der gehackten Fernwartungsfirma. Bahr rechnet frühestens zum Wochenende mit einer Normalisierung. Das trifft viele Kunden hart, denn der Markt, in dem Menschen mit Behinderungen arbeiten, dient der Nahversorgung. Für manche gibt es keine Einkaufsalternative.
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Hackerangriffe in Frankreich: Alte Kühltechnik als Schwachstelle
Bereits Mitte Oktober hatten Hacker in Frankreich die Kühlanlagen Hunderter Supermärkte manipuliert, darunter Filialen von Intermarché und Coopérative U. Die Folgen waren gravierend: Lebensmittel verdarben, vereinzelt brachen Brände aus. Laut Reuters entstanden erhebliche wirtschaftliche Schäden.
Auch damals griffen die Täter über das Internet auf die Steuerungen zu. Wie die Zeitung „Le Monde“ berichtet, waren vor allem ältere Systeme des Herstellers Danfoss betroffen. Das Unternehmen hatte seine Kunden bereits Mitte Oktober aufgefordert, gefährdete Anlagen vom Internet zu trennen oder ihre Zugänge abzusichern. Nicht alle Betreiber folgten der Empfehlung. Ob hinter beiden Angriffswellen dieselben Täter stecken, ist bislang ungeklärt.
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mit dpa












