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Lidl: Keine Kinder-Werbung mehr für ungesunde Lebensmittel

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Beate Kranz
Sparen mit Eigenmarken im Supermarkt

Sparen mit Eigenmarken im Supermarkt

Die Stiftung Warentest hat Markenprodukte mit Eigenmarken in Supermärkten verglichen und ist zu einem überraschenden Ergebnis gekommen.

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Lustige Comic-Figuren und Spielzeuge sollen von ungesunden Produkten für Kinder verschwinden. Darum setzt Lidl auf diesen Schritt.

Berlin. Gesunde Ernährung spielt auch bei Lebensmittelhändlern eine immer größere Rolle. Der DiscounterLidl will deshalb künftig keine ungesunden Lebensmittel mehr mit typischen Kindermotiven auf seinen Verpackungen bewerben. Das soll für alle Produkte seiner Eigenmarken gelten. Ausnahmen gebe es nur für Aktionsartikel zu Weihnachten, Ostern und Halloween, teilte der Konzern mit.

Der Discounter ist damit der erste Lebensmittelkonzern in Deutschland, der eine entsprechende Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) umsetzt. Konkret bedeutet das:

  • Der Verkauf von Lebensmitteln mit Kindermotiven auf den Verpackungen wird stark eingeschränkt.
  • Auch Lebensmittel mit Spielzeugbeigabe soll es nur noch in geringem Umfang geben.
  • Beides ist bei Lidl-Eigenmarken nur noch möglich, wenn die Produkte den WHO-Kriterien für gesunde Lebensmittel entsprechen

Die WHO bewertet anhand der Anteile von Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker, Salz, Kaloriengehalt, Zuckerzusätzen und Süßstoffe in Produkten, ob sie sich im Marketing an Kinder richten dürfen oder nicht.

Lidl: Foodwatch lobt Initiative gegen Kinder-Werbung

Die Initiative von Lidl stößt bei der Verbraucherorganisation Foodwatch auf positive Resonanz. „Angesichts grassierender Fehlernährung bei jungen Menschen mit zum Teil tödlichen Folgen ist der Vorstoß von Lidl ein wichtiger, aber auch längst überfälliger Schritt“, sagte Luise Molling von Foodwatch.

Lidl werde „Kinder nicht mehr mit bunten Bildern und Comicfiguren auf den Verpackungen von Zuckerbomben und fettigen Snacks ködern“. Die Verbraucherschützerin forderte auch die Handelsketten Aldi Nord und Süd auf, dem Beispiel zu folgen und ihr „dreistes Junkfood-Marketing auf Kosten der Kindergesundheit stoppen“.

Auch das Bundesernährungsministerium sieht in der Lidl-Initiative einen „begrüßenswerter Schritt, um die Ernährungsumgebung von Kindern zu verbessern“, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin Ophelia Nick dieser Redaktion. „Eine effektive gesetzliche Regelung bleibt allerdings unentbehrlich, um Kinder umfassend vor unerwünschten Werbepraktiken für Lebensmittel mit zu viel Zucker, Salz und Fetten zu schützen.“

Lidl geht voran: Viele Kinder sind zu dick

Das Ministerium von Cem Özdemir (Grüne) arbeitet aktuell mit Hochdruck an einem Gesetzentwurf, der an Kinder gerichtete TV-Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- oder Salzgehalt in Zukunft bei Sendungen und Formaten für unter 14-Jährige verbieten soll.

Die Werbung für Lebensmittel mit viel Zucker, Salz und Fett hat laut Studien einen großen Einfluss auf das Essverhalten von Kindern. Aktuell essen Kinder in der Regel doppelt so viele Süßigkeiten wie empfohlen, aber nur halb so viel Obst und Gemüse, so Foodwatch. 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen seien übergewichtig, 6 Prozent sogar krankhaft übergewichtig. Laut OECD ist jeder siebte Todesfall in Deutschland auf ungesunde Ernährung zurückzuführen.

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