Plötzlich kursierte da ein neuer Name in der Debatte um die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier (SPD), den die wenigsten auf dem Schirm hatten: Ines Claus. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe die hessische CDU-Fraktionschefin angeblich für das Amt der Bundespräsidentin favorisiert – das berichtete die „Rheinische Post“ am Dienstag unter Berufung auf „hochrangige CDU-Kreise“. Auf seiner Asien-Reise stellte Merz‘ Umfeld jedoch prompt klar, in der Frage um das höchste Amt des Landes sei noch alles offen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Merz habe „weder eine Entscheidung getroffen noch einen Vorschlag unterbreitet“, hieß es aus der Umgebung des Kanzlers. Frühestens am 9. November, bei den Sitzungen des CDU-Präsidiums und -Vorstands, werde eine Entscheidung fallen, wen die CDU Union vorschlagen wird. Es herrsche Aufregung um die P-Frage, heißt es aus Kanzler-Kreisen. Doch man wolle den Prozess an Terminen und Gesprächen orientieren – und auch die Grünen ins Boot holen, da „die Bundespräsidentenwahl breit abgefedert sein sollte im demokratischen Spektrum“.

Ines Claus: Ihr Name kursiert fürs höchste Amt des Landes – Nouripour „irritiert“

Deren Spitzenpolitiker Omid Nouripour hatte sich über Claus‘ Namen nämlich „sehr irritiert“ gezeigt, wie er mitteilte. „Wir brauchen in diesen Zeiten eine Person, die das Land zusammenhält, die auch von allen getragen wird“, sagte Nouripour dem ARD-Hauptstadtstudio und der Deutschen Presse-Agentur am Rande von Steinmeiers Staatsbesuch in China. Er erwarte, „dass eine Kandidatin präsentiert wird, die wir alle in der demokratischen Mitte auch wählen können.“ Statt Ines Claus hält er Ilse Aigner dafür geeignet – eine Politikerin, die nicht nur Markus Söder, sondern große Teile der CSU und SPD stützen.

Claus sagte der „Rheinischen Post“, es sei eine „große Ehre“ für sie, in Zusammenhang mit einer Kandidatur genannt zu werden. Die 49-Jährige ist stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU. Die Volljuristin ist verheiratet mit dem Mediziner Dr. Matthias Claus. Das Paar hat drei Kinder. Claus lebt in Trebur, einer Gemeinde im Rhein-Main-Gebiet. Sie führt seit April 2020 die CDU-Landtagsfraktion in Hessen. Das Amt als stellvertretende Vorsitzende der CDU im Bund hält sie seit 2026. Sie stammt aus demselben Landesverband wie Boris Rhein, der zwischenzeitlich ebenfalls als Bundespräsidenten-Kandidat gehandelt wurde.

Ines Claus: Studium, Familie, Themen der CDU-Politikerin

1998, während ihres Studiums der Rechtswissenschaften und Politologie in Frankfurt am Main, trat Claus in die CDU ein. Im Anschluss an das zweite Staatsexamen arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der CDU Main-Taunus und als Rechtsanwältin. Im Hessischen Landtag arbeitete sie unter anderem als persönliche Referentin des Landtagspräsidenten sowie als stellvertretende Pressesprecherin. Später leitete sie den Bereich Europa, Internationale Beziehungen im Landtag.

Seit Dezember 2018 ist sie selbst direkt gewählte Landtagsabgeordnete im hessischen Landtag. Zu ihren Kernthemen zählt sie Familie, Bildung und Gesundheit. Für sie sei Bildungspolitik kein abstrakter Begriff. „Ich erlebe es jeden Tag bei den Hausaufgaben“, heißt es auf ihrer Website. Laut eigenen Angaben geht die Politikerin in ihrer Freizeit gern wandern, fährt Ski und spielt Tennis.

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Doch so schnell der Name Ines Claus aufs Tableau kam, so schnell ist er auch wieder abgeräumt. In CSU-Parteikreisen ist von einem „Testballon“ die Rede, dessen Gehalt man nicht bewerten wolle. Und auch Claus selbst verwies auf den Fahrplan für die Wahl des Bundespräsidenten oder der Bundespräsidentin bei der Bundesversammlung am 30. Januar. Claus sagte unaufgeregt: „Jetzt gilt es, ein geordnetes Verfahren einzuhalten. Innerhalb der Partei, also mit den Ministerpräsidenten, den Führungsgremien der CDU und der CSU und natürlich mit unserem Koalitionspartner.“