Brasilien hat am Sonntag die Welt einmal mehr mit einem Wahlergebnis überrascht. Lula da Silva gelang etwas Historisches. Einen Sieg in der Stichwahl nach vorheriger Pleite in der ersten Runde hat in den vergangenen 40 Jahren niemand geschafft, seit Brasilien wieder eine Demokratie ist. Es ist ein Segen für das Land und die Welt, dass Brasilien ein rechtsextremer Bolsonaro 2.0 mit seinen antidemokratischen, autoritären und klimafeindlichen Ideen erspart geblieben ist.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Im Lager von Flávio Bolsonaro und seinem Vater Jair war keiner auf diese krachende Niederlage vorbereitet. Stattdessen war in der Hauptstadt Brasilia alles für eine triumphale Siegesfeier arrangiert. Aber am Ende gab es nur versteinerte Gesichter, eine zweiminütige Rede und die lächerliche Weigerung, den Wahlsieg anzuerkennen.
Bolsonaro sind dabei auch seine Arroganz, Überheblichkeit und Siegesgewissheit in den vergangenen drei Wochen zum Verhängnis geworden. Es wurden bereits Namen für Ministerposten gehandelt, Bündnisse geschmiedet, Pläne für Verfassungsänderungen angekündigt und eine „Redemokratisierung“ versprochen. Angesichts dieses Horrorszenarios erschien vielen Brasilianerinnen und Brasilianern eine vierte Amtszeit des „Alterspräsidenten“ Lula da Silva mit seinen bald 81 Jahren als das kleinere Übel.
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Brasilien: Lulas Sieg ist ein Triumph über das Recht des Stärkeren
Der Sieg des Linken Lula ist auch ein Sieg des Multilateralismus und vor allem ein Triumph des Unterlegenenschutzes über das Recht des Stärkeren. Die völlig aus den Fugen geratene Welt ist seit Sonntagabend wieder ein Stückchen besser geworden. So viel Pathetik darf an dieser Stelle erlaubt sein. Denn in Zeiten, in denen sich die Demokratie, insbesondere in Lateinamerika, in einer rasanten Erosion befindet, ist das Wahlergebnis von Brasilien ein hell leuchtender Hoffnungsschimmer.
Das gilt besonders für den Amazonasregenwald, die grüne Lunge der Welt, und seine Bewohner. Ihr Schutz vor Ausbeutung, Abholzung und Vertreibung ist jetzt mindestens vier weitere Jahre gesichert, soweit dies staatliche Politik überhaupt erreichen kann. Davon profitiert auch die Welt, denn ein gesunder Regenwald bindet Kohlenstoffdioxid (CO2) in der Luft. Abgeholzte Wälder sind hingegen eine große Quelle für Treibhausemissionen, die für die Erderwärmung verantwortlich sind.
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Lula hat gezeigt, dass er sich nicht ergibt und noch in hohem Alter dazulernt. Sein Wahlkampfteam hat nach der Pleite in der ersten Runde umgehend eine massive digitale Kampagne organisiert und in weniger als einem Monat zehn Millionen Menschen über die WhatsApp-Gruppe „Lulas Armee“ angesprochen. Damit gelang ihm und seiner Arbeiterpartei PT eine Gegenoffensive zu Bolsonaro in den sozialen Medien. Diese hatte Lula bis dato völlig vernachlässigt. Der Präsident schaffte sich am Ende sogar zum ersten Mal ein Mobiltelefon an.
Lula da Silva hat jetzt einen konservativen und ultrarechten Kongress gegen sich
Aber so erfreut und erleichtert man auch auf dieses Ergebnis im ersten Moment blickt, so hart wird sein viertes Mandat für Lula werden. Er muss noch beweisen, dass er mit seiner alten Form Politik zu machen auch die aktuellen Herausforderungen bewältigen kann. Er hat einen konservativen und ultrarechten Kongress gegen sich, dieser wird alles daran setzen, ihm das Regieren unmöglich zu machen. Dazu werden immer mehr Bundesstaaten von „Bolsonaristas“ regiert
Dazu muss er ab dem 5. Januar, wenn er sein Amt antritt, all die Wohltaten verteilen und Versprechen einlösen, die er im Wahlkampf gemacht hat. Dazu gehören erhöhte Zahlungen von Sozialleistungen, Steuererleichterungen und Schuldenerlasse. Alles in allem mehr als 60 Milliarden Euro. Zugleich wächst aber das Haushaltsdefizit. Und außenpolitisch ist er umgeben von rechten und ultrarechten Staaten und vor allem einer US-Regierung, die ihm den Wahlsieg gegen Donald Trumps Buddy Bolsonaro übel nimmt.







