Es ist der Albtraum aller Eltern, und in Amerika ist er wieder Wirklichkeit geworden. Ein bewaffneter Angreifer hat am Donnerstag in einer Grundschule im Westküsten-Bundesstaat Oregon mindestens drei Kinder im Alter von fünf, acht und elf Jahren und eine Lehrkraft getötet. Der mutmaßliche Täter, der erst 16 Jahre alt war, ist ebenfalls tot. Damit starben bei dem Blutbad an der Silver Rail Elementary School in Bend nach Angaben von Polizeichef Mike Krantz fünf Menschen. Ein weiteres Kind und eine zweite Lehrkraft wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Rekonstruktion der Tat beginnt gegen 13 Uhr Ortszeit. Ein Mensch in einem Auto vor der Schule alarmiert die Polizei: Ein Unbekannter mit einer Langwaffe habe auf das Fahrzeug geschossen. Innerhalb der nächsten Minute gehen weitere Notrufe ein. Kurz darauf wird aus dem Inneren des Schulgebäudes berichtet, dass ein Bewaffneter eingedrungen sei und schieße.
Um 13.02 Uhr treffen die ersten Polizeibeamten ein. Wenige Sekunden später kommt über Funk die Nachricht, dass der Angreifer niedergeschossen worden sei. Er liegt tot im Schulgebäude. Erst Stunden später wird geklärt, wer ihn gestoppt hat. Nach Angaben von Polizeichef Krantz war es ein Bürger, der den Jugendlichen verfolgt und - mit einer legalen Waffe samt Lizenz - erschossen hatte. Ob der Mann zuvor selbst Ziel des Angreifers gewesen war, ist nicht geklärt.
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Die Polizei nennt zunächst keine Opferzahlen. Während bewaffnete Einsatzkräfte Raum für Raum durchsuchen, warten Eltern vor der Schule auf Nachrichten. Niemand weiß, ob das eigene Kind verletzt wurde, ob es sich versteckt hält oder bereits in Sicherheit ist. Schulbusse bringen die Überlebenden zur nahe gelegenen Journey Church. Dort sollen Familien wieder zusammengeführt werden.
Erin Johnson, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft aufhält, hört die Schüsse. Dann schreit ihre Nachbarin, deren Kinder die Silver Rail Elementary besuchen. Johnson sieht die Polizeifahrzeuge anrücken. Später erfährt sie, dass die Kinder ihrer Nachbarin unverletzt sind. Über die anderen Opfer weiß sie nichts. „Es ist herzzerreißend“, sagt sie dem öffentlich-rechtlichen Sender Oregon Public Broadcasting. „Das sind doch noch Babys.“

Der Angriff traf eine Schule, an der Kinder vom Kindergartenalter bis zur fünften Klasse unterrichtet werden. Im vergangenen Schuljahr waren dort 459 Schülerinnen und Schüler angemeldet. Die meisten sind im Alter zwischen fünf und elf Jahren.
Die Dimension des Verbrechens wird erst im Laufe des Abends deutlich. Drei Kinder sind tot, ebenso eine Lehrkraft. Ein weiteres Kind und eine zweite Lehrkraft werden ins Krankenhaus gebracht. Über ihren Gesundheitszustand gibt es zunächst keine verlässlichen Angaben. Unbekannt ist auch, ob der Täter eine persönliche Verbindung zur Schule hatte. Sein Motiv, die Herkunft der Tatwaffe und seine Identität sind Gegenstand der Ermittlungen. Das FBI unterstützt die örtliche Polizei.
Schulbezirksleiter Steven Cook spricht von einer sinnlosen Tragödie. „Wir sind fassungslos und zutiefst erschüttert“, erklärt er. Der Unterricht im gesamten Schulbezirk Bend-La Pine fällt an diesem Freitag aus. Auch Sportveranstaltungen werden abgesagt. Die Stadt organisiert psychologische Hilfe für Familien und Beschäftigte.
News aus den USA
Politiker: „Wann hört das endlich auf?“
Besonders eindringlich reagiert die demokratische Kongressabgeordnete Janelle Bynum aus Oregon. „Sie töten unsere Kinder“, sagt sie. Kinder sollten in der Schule basteln, Freunde finden und lernen – nicht unter ihren Schultischen Schutz vor Kugeln suchen müssen. Bynum fragt: „Wann hört das endlich auf?“ Auch Senator Ron Wyden, ebenfalls Oregon, fordert Konsequenzen. Das beste Gedenken an die Opfer bestehe darin, endlich vernünftige Waffengesetze zu verabschieden, die das Risiko weiterer Schulmassaker verringerten. Oregons Gouverneurin Tina Kotek appelliert an die Bevölkerung, zusammenzustehen und die betroffenen Familien zu unterstützen. Von Präsident Donald Trump in Washington gab es zunächst keine Stellungnahme.

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Die Schießerei von Bend wirft erneut die Frage auf, warum selbst Grundschulen in den Vereinigten Staaten nicht vor solchen Angriffen geschützt werden können. Nach dem Massaker von Uvalde in Texas, bei dem 2022 ein 18 Jahre alter Täter 19 Grundschüler und zwei Lehrerinnen ermordete, hatte Amerika erbittert über schärfere Waffengesetze und besseren Schutz der Schulen gestritten. Die politischen Gegensätze zwischen Befürwortern strengerer Kontrollen und Verteidigern des Rechts auf Waffenbesitz blieben jedoch bestehen.

Nun stehen erneut Eltern vor einer Schule, deren Name binnen weniger Stunden zum Synonym für eine Tragödie geworden ist. Drei Kinder werden nie mehr nach Hause kommen. Was zunächst als Einsatz wegen Schüssen auf ein Auto gemeldet wurde, endete als eines der schwersten amerikanischen Schulverbrechen der jüngeren Zeit.










