Liebe Leserin, lieber Leser,
Adolf Hitler hatte eine Nichte, die in seiner Münchner Wohnung wohnte. Haben Sie das gewusst? Geli Raubal hieß sie. Im September 1931 fand sie ein Hausmeister-Ehepaar tot in ihrem Zimmer vor. Erschossen. Die Kriminalpolizei kam schnell zum Schluss, dass es ein Suizid war. Hitler selbst soll ein Alibi gehabt haben.
Was steckt hinter dem Tod von Adolf Hitlers Nichte?
Und nun dies: Ein akribischer Privatforscher stieß im Münchner Stadtarchiv auf Quellen, die Hitlers Alibi ins Wanken bringen könnten. Die ganze Geschichte dahinter hat Walter Bau aufgeschrieben. Lesen Sie hier, wie toxisch die Beziehung zwischen Hitler und seiner 23-jährigen Nichte gewesen sein soll. Wie todunglücklich sie in München war, wie der Onkel sie auf Schritt und Tritt überwachte.
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Das allein ist schon faszinierend genug. Aber was mich umtreibt: So wie es aussieht, wurde ziemlich viel vertuscht, um dem aufstrebenden NSDAP-Chef nicht zu schaden. Und nun stelle ich mir vor, es wäre sauber ermittelt worden. Hitler wäre dann der Haupttatverdächtige gewesen. Ob er letztlich schuldig war oder nicht – seine Karriere wäre wohl im Eimer gewesen; sein Leben wäre zu dem „Vogelschiss in der deutschen Geschichte“ geworden, den der frühere AfD-Chef Gauland in der Nazi-Zeit samt Holocaust sieht.

Hitler hätte gestoppt werden können. Einfach sauber durch die Justiz, die in einem Kriminalfall ermittelt. Doch die sorgte dafür, dass Hitler nicht aufgehalten wurde und letztlich die Deutschen zum Tätervolk machte.
7. Oktober: Dieser Busfahrer rettete Überlebende – und zerbrach daran
Es ist für mich selbstverständlich, dass ich mich als Nachfahrin dieser Bevölkerung verantwortlich fühle für die Folgen des deutschen Vernichtungszugs gegen alle europäischen Juden, aber auch gegen Sinti, Roma, Menschen mit Behinderungen, Kommunisten, Dissidenten.
Dass überlebende Juden und ihre Nachfahren Schutz in Israel gefunden haben, war für mich immer selbstverständlich und auch ein gewisser Trost. Doch diese Sicherheit war immer schon wackelig. Endgültig genommen wurde sie am 7. Oktober 2023, als Hamas-Terroristen von Gaza aus Israel überfielen, mehr als 1200 Israelis regelrecht abschlachteten, Frauen vor den Augen ihrer Kinder vergewaltigten und mehr als 2000 Menschen als Geiseln verschleppten. Sie kennen das alles. Es war der Beginn des verheerenden Gaza-Krieges, dem unzählige Zivilisten zum Opfer fielen. Noch immer leben in dem kleinen Streifen am Meer 90 Prozent, so Hilfsorganisationen, in Zelten, ohne ausreichende Nahrung, ohne Medikamente, letztlich ohne Zukunft.

Die Lage in Gaza ist tatsächlich eine humanitäre Katastrophe. Hinzu kommen rechtsextreme jüdische Siedler, die Palästinenser im Westjordanland terrorisieren. Da ist natürlich die politische Spitze in Israel in der Pflicht und ich wünsche mir, diese in Teilen rechtsextreme israelische Regierung wird endlich abgewählt. Doch der 7. Oktober ist ein Gedenktag, der den Israelis gehört. Meine Kollegin Kiona Higgins war im Sommer dort. Sie hat viele Menschen getroffen, die Angehörige verloren haben. Die versuchen, wieder einigermaßen in den Alltag zu kommen.
Besonders bewegt hat sie die Geschichte von Haim Ben Arye und seiner Frau Irit Ben Arye. Haim war Busfahrer. Am 7. Oktober 2023 fuhr er Überlebende aus dem Kibbuz Be’eri in Sicherheit. Doch danach war der Vater von acht Kindern ein anderer Mensch. Er konnte das Erlebte nicht verarbeiten und nahm sich das Leben. Lesen Sie hier diese Liebes- und Lebensgeschichte des Paares, die den psychologischen Folgen des Terrors nicht standhalten konnte.
Was meine Vorfahren aus der Nazi-Zeit mitbrachten
Ich bin mit der Aufarbeitung der Nazi-Zeit aufgewachsen. Ich hatte eine Großtante, die uns Kindern gegenüber lamentierte, wenn ihr was nicht passte: „Unter Adolf wäre das nicht passiert.“ Ich hatte einen Schwiegervater, der mir vor seinem Tod erzählte, wie er als kleiner Junge in Niederbayern das Kriegsende erlebte, als amerikanische Soldaten die Höfe und Gasthäuser übernahmen. Das können Sie hier nachlesen.

Mein Großvater überlebte als Soldat der deutschen Wehrmacht den D-Day, die Landung der Alliierten in der Normandie, mit einem Bauchschuss. Meine Mutter wuchs als Flüchtlingskind auf. Ich glaube, Widerstandskämpfer war niemand. Glücklicherweise auch kein NSDAP-Mitglied, wie meine Internetrecherche, die seit einiger Zeit möglich ist, zeigte. Ich erinnere mich aber an meine Oma, die immer jammerte, der Opa (mit dem späteren Bauchschuss) sei ja als Verwaltungs-Mitarbeiter einer Zeche im Ruhrgebiet nicht aufgestiegen, weil das Parteibuch gefehlt habe.
Als Kind kannte ich keinen Nationalstolz, als Jugendliche träumte ich von Auswanderung, und irgendwie fand ich immer andere Länder cooler, interessanter, lebendiger. Deswegen löst die Nationalhymne in mir auch wenig aus. Aber vielleicht ist das ein Fehler, schließlich lauten die ersten Wörter „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Was Besseres kann man doch kaum der AfD entgegenschleudern.
Boris Pistorius bringt mir die Nationalhymne näher
So ähnlich muss es Boris Pistorius (SPD) empfunden haben, unser Verteidigungsminister, als er sich mit Mikro in der Hand auf eine Getränkekiste stellte, die freie Hand zur Faust ballte und die Nationalhymne anstimmte. Und zwar auf dem Bebelplatz, also dort, wo die NSDAP kurz nach Hitlers Machtergreifung im Mai 1933 symbolträchtig Tausende Bücher verbrennen ließ. Heute ist dort ein Denkmal, eine Glasscheibe, die den Blick auf leere Regale freigibt, also auf eine Bibliothek ohne Bücher. Pistorius war mit seiner Fraktion spontan auf den Platz marschiert, nachdem Tobias Rausch, Mitglied der rechtsextremen AfD, zum Präsidenten des Thüringer Landtags gewählt worden war. Christian Unger und Doreen Reinhard waren dabei.

Pistorius sang zwar nicht schön, aber laut. Und es lag Entschlossenheit in seinem Gesicht. Warum bekommt eine derartige Geste nicht unser Bundeskanzler hin? Das fragt sich auch mein Kollege Jan Dörner in seinem Kommentar. Merz‘ Widerstand gegen die AfD, die er ja mal halbieren wollte, wirkt tatsächlich zunehmend hilflos. Und nun sind ihm bzw. der CDU mutmaßlich vier eigene Leute in den Rücken gefallen, indem sie mit ihren Stimmen den AfD-Mann an die Spitze hievten.
„Amann [un]framed“: Betreibt diese NGO Hetzkampagnen?
Für Felix Kolb reicht der Widerstand der Parteien gegen die AfD schon lange nicht aus. Er ist einer der Gründer von Campact e. V., einer Nichtregierungsorganisation (NGO), die Menschen für politische Kampagnen mobilisiert. So rief sie im Wahlkampf zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September dazu auf, im Kampf gegen die AfD strategisch zu wählen. Also mit der Zweitstimme SPD oder Grüne zu wählen. Dafür erntet die NGO massive Vorwürfe, etwa Belehrung der Wählerschaft oder Einmischung in den Wahlkampf. Was ist dran an der Kritik?
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Ist Campact damit selbst ein politischer Akteur, betreibt Campact gar selbst Hetzkampagnen? Unsere digitale Chefredakteurin Melanie Amann hat Felix Kolb mit diesen Vorwürfen konfrontiert. Hören Sie rein in diesen Podcast und machen Sie sich ein eigenes Bild. Ich verspreche Ihnen, es sind auf beiden Seiten starke Argumente gefallen.
Früher war es der Butterberg. Kommt jetzt der Weinsee?
Habe ich mich hier eigentlich schon mal geoutet, dass ich gerne Wein trinke? Vor allem, wenn er aus dem Veneto und der Lombardei stammt. Lugana, Sauvignon blanc und auch Pinot Grigio. Aber womöglich trinken Leute wie ich auch nicht (mehr) genug, weil wir längst wissen, dass jeder! einzelne! Tropfen! Alkohol! ein Zellgift ist. Und so kommt es, dass die italienischen Winzer ihren großartigen Wein nicht mehr losbekommen.
Es ist einfach zu viel da, so wie früher beim Butterberg. Zur Erinnerung: Jahrzehntelang produzierten Milchbauern in Westeuropa zu viel Butter. Das lag an festen, staatlich garantierten Abnahmepreisen für landwirtschaftliche Produkte. Die Überschüsse lagerte der Staat dann in gigantischen Kühlhallen. Nach Agrarreformen in den 1990er- und 2000er-Jahren normalisierte sich das Angebot-Nachfrage-Pendel wieder.

Beim italienischen Weinsee ist das anders. Er wächst, weil Wein nicht mehr zwangsläufig mit einem gelungenen Abendessen verbunden wird. Weil die Betriebsparty auch ohne Prosecco funktioniert. Und weil immer mehr Mischgetränke auf den Markt kommen. Etwa der fertig gemixte Aperol, ready to drink. Micaela Taroni hat aufgeschrieben, was auf die italienischen Winzer zukommt.
Lachen, bis die Verzweiflung weg ist: So klappt es mit der Deutschen Bahn
Und nun noch was zu einem meiner Lieblingsthemen: der Deutschen Bahn. Alexander Rothe, Reporter der Berliner Morgenpost, hat einen ganz besonderen Trip aufgeschrieben, bei dem er so ziemlich alles erlebte, was die Bahn gerade an Verspätungen, Chaos und allgemeiner Verwirrung aufzubieten hat. Meine Lieblingsdurchsage, die er in seinem Text zitiert: „Liebe Fahrgäste, leider fährt der Zug in die falsche Richtung.“ Ich konnte mich lange nicht beruhigen, so musste ich lachen.
Im Moment hebt das tatsächlich meine Stimmung und ich freue mich auf den freien Sonntag. Ich hoffe, es geht Ihnen auch so.
Herzliche Grüße, Ihre Birgitta Stauber




