Unterwegs in Moskau vor der Duma-Wahl, unterwegs mit Olga. Sie ist Rentnerin, geht gerade zum Einkaufen, vorbei an den Wahlplakaten. „Meine Meinung? Weder die politischen noch die wirtschaftlichen Probleme werden bei dieser Wahl irgendwie widergespiegelt“, sagt Olga unserer Redaktion. „Was meinen Bekanntenkreis betrifft, alle glauben nicht mehr an Wahlen, dass sie etwas bringen oder bewirken könnten, deshalb gehen viele einfach nicht hin, sie verzichten darauf.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Umgerechnet rund 300 Euro beträgt die Durchschnittsrente in der Hauptstadt, auf dem Land ist es weniger. Wenig Geld, mit dem auch Olga auskommen muss. Im Supermarkt treffe man Rentner, die mit abgezählt zwei Karotten und drei Kartoffeln an der Kasse stehen. Ständig stiegen die Preise, meint Olga. „Man behauptet zwar, die Inflation sei niedrig, aber tatsächlich hat sie viel mehr Auswirkung auf unsere Geldbeutel, als die Politiker behaupten.“
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Umfrage: Über 70 Prozent stehen nach wie vor hinter Putin
In Russland sei der Pessimismus hinsichtlich der Zukunftsaussichten des Landes und des Lebens seiner Familien im kommenden Jahr so stark angestiegen wie nie zuvor, berichtet das Portal ng.ru und zitiert eine aktuelle Umfrage der Stiftung für öffentliche Meinung (FOM). Mehr als die Hälfte aller Menschen erwarte in den nächsten sechs bis zwölf Monaten keine Verbesserung der Lage im Land. 23 Prozent glaubten, sie würde sich verschlechtern. Über 70 Prozent der Bevölkerung allerdings, so eine andere Umfrage, stünden nach wie vor hinter Wladimir Putin. Und das trotz der Krisen. Ständige ukrainische Drohnenangriffe auf Raffinerien etwa machen das Benzin teurer, zeitweise gab es an vielen Tankstellen Schlangen oder überhaupt keinen Treibstoff.
Die 44‑jährige Tonia arbeitet in einem Hotel als Reinigungskraft, weit entfernt von ihrer Wohnung. Sie ist auf ihr Auto angewiesen. „Wenn ich Benzin brauche, kaufe ich es. Egal wo und wie viel es kostet. Und wenn ich dafür zwei Stunden im Stau stehen muss, dann kaufe ich es. Denn ich muss ja fahren“, erzählt sie unserer Redaktion. Tonia wird zur Wahl gehen. „Ich gehe zum Wahllokal“, sagt sie, obwohl man in diesem Jahr auch online abstimmen kann. „Ich finde, eine Stimme bedeutet auch etwas. Was ist, wenn meine fehlt?“
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Die Kremlpartei Geeintes Russland wird die Wahl, die von Freitag bis Sonntag läuft, offiziell gewinnen, das ist klar. Doch auch die anderen neun Parteien, die kandidieren, stehen zum Kreml und zum Krieg in der Ukraine. Wladimir Putin ist nicht Parteichef, er steht auch nicht zur Wahl. Die Partei Geeintes Russland wird von Ex-Präsident Dmitri Medwedew angeführt. Trotzdem: Alle kennen Putin, aber kaum jemand kennt die Abgeordneten, die auf dem Wahlzettel stehen.
Angst vor niedriger Wahlbeteiligung
Genau deshalb macht Putin Wahlkampf. Und dieses Mal war er besonders viel unterwegs. Der Kremlchef sorgt sich, dass die Wahlbeteiligung niedrig ausfallen könnte. Der Krieg in der Ukraine spielte im Wahlkampf kaum eine Rolle. Heldentum aber schon. Die wahren Patrioten würden siegen, so Putin in seinem Wahlaufruf am Mittwoch. „Diejenigen, die uns nicht im Stich lassen, die ihre Hingabe zum Vaterland, ihre Bereitschaft, unserem Volk zu dienen und das Land vor jeglichen Bedrohungen zu verteidigen, unter Beweis gestellt haben.“
Verfängt das bei den Menschen im Land? Die fast täglich von ukrainischen Drohnenangriffen, etwa auf die Rüstungsindustrie, hören oder sogar direkt davon betroffen sind? Die Angehörigen von Iwan, 35 Jahre alt, leben weit weg von Moskau. „Meine Eltern wohnen in einer Region, wo es viel Rüstungsindustrie gibt. Logischerweise ein Ziel für die ukrainischen Drohnen“, erzählt er. „Jedes Mal, wenn du im Internet eine Meldung siehst, dass dort ein Angriff ist oder erwartet wird, dann schreibst du den Eltern natürlich gleich oder rufst sie an. Man macht sich eben Sorgen.“
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Sorgen machen sich auch viele Menschen in Russland über eine erneute Mobilisierung. Iwan teilt diese Sorge nicht. „Ich denke nicht, dass es eine Mobilmachung geben wird. Wir haben ja auch die Wirtschaft, sie soll sich irgendwie entwickeln. Und dazu braucht man die Menschen hier im Land.“ Der 83‑jährige Wladimir ist sich da nicht so sicher. Mit seinem Leben ist er ganz zufrieden, etwas Angst hat er aber schon. „Ich habe zwei Enkelkinder. Und ich mache mir schon Sorgen: Was, wenn sie mir genommen werden? Und ich mache mir jetzt Sorgen um mein Land. Ich hoffe, dass der Krieg zu Ende geht, dass alle im Frieden leben.“
Wladimir will trotzdem die Regierungspartei wählen, Olga hingegen wollte eigentlich für die offen kriegskritische Partei Jabloko stimmen, die mit der Losung „Für Frieden und Freiheit“ und für ein „Leben ohne Angst“ antreten wollte. Jabloko wurde ursprünglich zur Wahl zugelassen. Und bekam dann massiven Zulauf, vor allem von jungen Menschen, die sich in den sozialen Netzwerken für die Ziele der Partei einsetzten. Dann aber wurde die Zulassung per Gerichtsurteil wieder zurückgenommen. Wen aber wird Olga jetzt wählen? Eine andere Partei, klar. „Nicht aber Geeintes Russland. Für die werde ich nicht mein Kreuz machen.“
Parlamentswahlen, bei denen es keine ernstzunehmende Alternative gibt und deren Ausgang schon jetzt feststeht. Kein Wunder, dass das Interesse – gerade bei jungen Menschen – abnimmt. „Nun, tatsächlich sprechen wir darüber nicht in unserem Freundeskreis“, sagt Iwan. „Eigentlich ist das schlecht. Als ich Student war, haben wir das alles unter uns besprochen. Und wir gingen sogar zur Wahl.“




![DIESES FOTO WIRD VON DER RUSSISCHEN STAATSAGENTUR TASS ZUR VERFÜGUNG GESTELLT. [RUSSIA, LUGANSK PEOPLE'S REPUBLIC - JULY 29, 2026: A serviceman from the military commandants office of the Lugansk People's Republic performs an air defence duty to protect the airspace of the Lugansk People's Republic. Alexander Reka/TASS] Air defence in Lugansk People's Republic, Russia](https://img.sparknews.funkemedien.de/412741926/412741926_1785999935_v16_9_1200.jpeg)









