Wladimir Putin on tour: Eigentlich ist der russische Präsident nur wenig unterwegs im Land, hält sich hauptsächlich in Moskau, seiner Heimatstadt Sankt Petersburg und in seiner Waldai-Residenz auf. Doch jetzt, kurz vor den Parlamentswahlen am 20. September, wirbt er um Sympathie bei seinem Wahlvolk. Denn seine Zustimmungswerte sind im Keller.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Russland steckt in einer Wirtschaftskrise – und viele Menschen machen den Präsidenten dafür verantwortlich. Die ukrainischen Angriffe auf Industrieanlagen gehen weiter, am Dienstagmorgen flogen 620 Drohnen in Richtung Moskau. Laut Gouverneur Andrej Worobjow wurden drei Menschen verletzt, darunter ein zehnjähriges Mädchen. Trümmerteile einer abgeschossenen Drohne beschädigten ein Lager des russischen Online-Händlers Wildberries. Auf der annektierten Halbinsel Krim kam es zu Stromausfällen durch Angriffe, die Versorgungslage bleibt schwierig. Hart trifft auch die Benzinkrise die Menschen in Russland. Sparer und Unternehmen ziehen in großem Stil Geld von den Konten ab, um Vermögen in bar zur Verfügung zu haben. Putin steht unter Druck.
Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert
Kommt Putin, fallen die Benzinpreise
Anfang August machte der Kremlchef Wahlkampf in Krasnojarsk, 3400 Kilometer östlich von Moskau. „Der größte Traum von Millionen Kindern – ein Mann, unser lieber Freund, der Präsident der Russischen Föderation“, kündigte der Moderator Putins Auftritt an. Dann spielt der Kremlchef etwas Fußball. Stehende Ovationen. Am Vorabend des Besuchs sank der Benzinpreis in der Stadt um 24 Rubel. „Vorübergehende Verbesserungen in der Logistik“ und zusätzliche Lieferungen führten dazu, so der örtliche Tankstellenbetreiber. Nach Putins Abreise stieg der Spritpreis wieder auf das ursprüngliche Niveau, berichtet das Portal „prmira.ru“.
Die Benzinkrise hatte im Mai begonnen, nach Drohnenangriffen auf mehrere Raffinerien. Die Regierung verhängte ein Exportverbot für Benzin und Diesel, senkte die Qualitätsanforderungen und begann mit dem Import von Treibstoff aus Belarus und Kasachstan. Nun importiert man auch aus Indien. Immer wieder kommt es zu Engpässen. In mindestens zehn Gebieten verschärften die Behörden wieder die Kontrollen für den Verkauf an Tankstellen.
Auch interessant
Kurz nach der Stippvisite in Krasnojarsk besuchte Putin Ulan-Ude, die Hauptstadt der russischen Teilrepublik Burjatien im südöstlichen Teil Sibiriens. Der Kremlchef lobte die „Energie und Initiative der Einwohner Burjatiens und ihre aufrichtige Liebe zu ihrer Heimat“. Laut dem Portal „Meduza“ traf Putin einen Jugendlichen, der Kampfpilot werden will: „Helfen Sie mir, an die Militärschule aufgenommen zu werden.“ Ob alle jungen Menschen im entlegenen Burjatien so patriotisch denken, ist fraglich. Bei der Teilmobilisierung im Jahr 2022 wurden dort überproportional viele Männer rekrutiert. Proteste waren die Folge, viele flohen über die nahe Grenze in die Mongolei.
Einzige wirkliche Oppositionspartei ausgeschlossen
Natürlich wird die Kremlpartei Geeintes Russland die Wahl im September gewinnen. Doch wichtig für Putin ist die Wahlbeteiligung. Die Wahl zu ignorieren, wäre ein stiller Protest. Insgesamt zehn Parteien treten an. Sie unterscheiden sich in Detailfragen, sind aber allesamt systemtreu. Die einzige wirkliche Oppositionspartei wäre die kriegskritische Partei Jabloko gewesen. Doch sie bleibt von der Parlamentswahl ausgeschlossen.
Und das Stadtgericht im westrussischen Pskow verurteilte den Jabloko-Politiker Lew Schlosberg nach seiner wiederholten Kritik an dem Krieg gegen die Ukraine zu elf Jahren und einem Monat Haft im Straflager. Mit Jabloko ist die letzte politische Stimme in Russland gegen den Krieg verstummt. Schon zuvor hatte Boris Nadeschdin auf seine Kandidatur verzichtet.
Putin lässt sich mit Kindern fotografieren
Wladimir Putin ist weiter unterwegs. Am 11. August in Nowosibirsk, im Gespräch mit jungen Wissenschaftlern. „Welche Bedrohung stellt KI für uns dar?“, lautet eine Frage. „Wladimir Wladimirowitsch, Sie haben nichts zu befürchten!“, die Antwort. Auf dem Weg zum Flughafen hält seine Autokolonne „spontan“ an. Der Präsident lässt sich mit Kindern fotografieren, die dort schon gewartet haben. Die Preistafel einer Tankstelle in der Nähe ist ausgeschaltet, das zeigt ein Video in den sozialen Netzwerken.
Weiter ging es im Fernen Osten zu einem Manöver der russischen Flotte. In einer Marineuniform warnte Putin westliche Länder davor, die Schiffe der russischen Schattenflotte festzusetzen. „Wir sehen, dass die Behörden einiger Länder unter Verstoß gegen internationales Seerecht versuchen, die Bewegungsfreiheit von Schiffen unserer Wirtschaftsakteure – friedlichen, wohlgemerkt – einzuschränken.“ Das sei Piraterie. Man werde nun „mit gleicher Münze zurückzuzahlen“. Und zwar „überall dort, wo wir es für notwendig und angemessen halten“.
Auch interessant
Demonstrativ besuchte Putin im Anschluss die von Japan beanspruchte Kurilen-Insel Iturup. Russland und Japan haben nie einen formellen Friedensvertrag zur Beendigung des Zweiten Weltkriegs unterzeichnet. Grund dafür ist der ungelöste Streit um die Inselgruppe, die in Japan als Nördliche Territorien bezeichnet wird und auf die Russland Anspruch erhebt. Japan protestierte scharf gegen Putins Besuch.
Und dann doch wieder Wahlkampf. In einer Fischfabrik probierte der Präsident Kaviar, Heilbutt und Thunfisch, gefangen vor Ort. Und empfahl die Insel seinen Wählerinnen und Wählern: „Was für ein wunderbares Wetter Sie haben! Ein Ferienort!“










