Nach dem Angriff auf ein Umspannwerk am Kohlekraftwerk Jänschwalde im Süden Brandenburgs ermittelt die Polizei unter anderem wegen Terrorverdachts. Neben dem Verdacht der Störung öffentlicher Betriebe, des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und der Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel werde auch wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt, teilte das Brandenburger Polizeipräsidium am Mittwoch in Potsdam mit.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Unterdessen dauert die Suche nach Beweismitteln vor Ort weiter an. Am Donnerstag gab die Polizei Brandenburg bekannt, dass ein mögliches Bekennerschreiben geprüft werde. Die Authentizität „ist Gegenstand weiterer Ermittlungen und kann zum jetzigen Zeitpunkt weder bestätigt, noch verneint werden.“
Auch interessant
Jänschwalde: Bekennerschreiben aus NRW soll der „taz“ vorliegen
Die „taz“ berichtete am Abend, dass sie ein Bekennerschreiben zu dem Vorfall in Brandenburg erhalten habe, das laut Poststempel in Nordrhein-Westfalen abgeschickt worden sei. Ob es sich dabei um das Schreiben handelt, das die Polizei derzeit prüft, ist unklar. Nach Angaben der Zeitung stellt sich der Absender als Einzeltäter dar, der die verwendeten Selbstbauraketen im Detail beschreibt und als Motiv auf das „unermessliche Leid“ verweist, das die Nutzung fossiler Brennstoffe verursache.
Die „taz“ wies nach umfassender Recherche ausdrücklich darauf hin, dass nicht zweifelsfrei geklärt werden könne, ob der Verfasser des Schreibens auch der Täter sei. Äußerst ungewöhnlich sei daran, dass es handschriftlich verfasst sei und Angaben zum angeblichen Absender enthalte. Die Polizei wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern.
Auch interessant
Angriff sollte großen Stromausfall verursachen
Der Angriff am Dienstagmorgen hatte zu einer kurzzeitigen Unterbrechung von Stromleitungen geführt. Laut Innenminister Jan Redmann (CDU) brachten die bislang unbekannten Täter „leitfähiges Material“ in die Höchstspannungsleitungen ein, was in zwei Fällen zu Kurzschlüssen führte. Laut Netzbetreiber 50Hertz kamen dafür selbstgebaute, an Silvesterraketen erinnernde Flugkörper zum Einsatz, diese waren laut Informationen der „Bild“ mit Kupferdrähten verbunden. An den Raketen seien zudem Zeitzünder angebracht gewesen. Mehr als 20 Geschosse sollten dadurch aktiviert werden.

Redmann geht davon aus, „dass wir da verdammtes Glück gehabt haben“. Nach jetzigem Stand habe nur einer von mehr als einem Dutzend „raketenähnlichen Gegenständen, die einen Treibsatz hatten“, sein Ziel erreicht, sagte der CDU-Politiker im Innenausschuss des Landtages. Ein Geschoss habe es am Dienstagmorgen geschafft, ein Kabel in die Höchstspannungsleitung zu transportieren, um eine leitende Verbindung mit dem Erdboden herzustellen.
Es seien keine handelsüblichen Silvesterraketen gewesen, aber durchaus vergleichbar, so Redmann. Die Täter hätten die Geschosse direkt unter den Leitungen in der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack an der Grenze zu Sachsen positioniert, unweit des Kraftwerks Jänschwalde.
Mehr Politik-News
Jänschwalde: Täter schon Tage zuvor vor Ort gewesen
Nach Tatverdächtigen werde weiter gesucht – die Ermittlungen liefen in alle Richtungen. Die Tatausführung sei anders als bei bisherigen Anschlägen auf die Stromversorgung, die der linksextremistischen Szene zugeordnet werden, stellte Redmann klar.
„Wir müssen gegenwärtig davon ausgehen, dass die Täter schon mehrere Tage vorher dort vor Ort unterwegs waren und die entsprechenden Anlagen installiert haben“, sagte der Minister. Der Bau und die Installation der Vorrichtungen setze einiges „an technischem Know-how“ voraus.
Auch interessant
Möglicher koordinierter Angriff: Parallelen bei Sabotage an Stromanlagen
Des Weiteren hält Redmann einen Zusammenhang zwischen den Angriffen auf Stromversorgungsanlagen bei Jänschwalde und Bergheim für wahrscheinlich: „Die Anzeichen verdichten sich, dass beide Attacken Teil eines koordinierten Angriffs auf unsere Energieversorgung sind“, sagte er laut einer Mitteilung seines Ministeriums. Die beiden Fälle weisen deutliche Parallelen auf. In Bergheim, bei Köln, gehen die Behörden von verfassungsfeindlicher Sabotage aus. In der Nähe beider Orte wurden nach Angaben der Behörden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden, die womöglich bereits vor längerer Zeit dort installiert worden waren.
lro/mb/dpa










