Polizei und Staatsanwaltschaft haben bei einer Pressekonferenz am Mittwoch (2. September) im Polizeipräsidium Essen neue Details zum Anschlag auf das Umspannwerk in Bergheim-Rheidt bekanntgegeben. Essen hatte zunächst die Einsatzführung und die Ermittlungen übernommen. Das Präsidium ist auf solche besonderen Lagen vorbereitet; die eigentlich zuständige Kölner Polizei war zugleich durch einen anderen Großeinsatz gebunden.

Michael Esser, Leitender Kriminaldirektor und Polizeiführer des Einsatzes, schilderte den mutmaßlichen Ablauf des Anschlags so: „Gegen 20 Uhr ist es in dem Umspannwerk zu einem Kurzschluss gekommen. In der Folge sind mehrere Leitungen ausgefallen. Ein Draht war über die Hochspannungsleitungen geführt und am Zaun befestigt worden, um eine Verbindung zur Erde herzustellen. Bei dem Kurzschluss ist der Draht verglüht, auch der Zaun wurde beschädigt. Es kam zu kurzen Lichtblitzen, von denen zahlreiche Videos kursieren.“ In der Folge mussten Kraftwerksblöcke in Niederaußem und Neurath heruntergefahren werden. Einen größeren Stromausfall habe der Anschlag jedoch nicht ausgelöst: „Die Netze sind stabil geblieben. Nach unserem aktuellen Erkenntnisstand kam es zu keinem großflächigen Stromausfall. Es gab keine nennenswerten Stromausfälle in den benachbarten Dörfern und Städten, die auf dieses Ereignis zurückzuführen sind.“

Abschussvorrichtungen im Maisfeld


Die bislang wichtigste Spur führt in ein Maisfeld neben dem Umspannwerk. Dort haben Ermittler am Mittwochmittag sechs Abschussvorrichtungen gefunden, die nach Einschätzung der Polizei mit dem Anschlag zusammenhängen könnten. „Es ist davon auszugehen, dass die Vorrichtungen so gebaut waren, dass pyrotechnische Gegenstände vermutlich einen Draht in die Höhe platzieren konnten“, sagte Esser. Offenbar sollte so leitfähiges Material über die Hochspannungsleitung gebracht und ein Kurzschluss ausgelöst werden. Mehr Details zur Konstruktion und Funktionsweise der Vorrichtungen wollte Esser aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.

Für die Staatsanwaltschaft sind die sechs Vorrichtungen ein starkes Indiz dafür, dass die Anlage gezielt angegriffen wurde. „Wir gehen derzeit davon aus, dass es eine vorsätzliche Einwirkung von außen gegeben hat“, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer. Die gefundenen Abschussvorrichtungen seien „ein ganz starkes Indiz für das Begehen einer vorsätzlichen Straftat“. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage (§ 88 StGB) und wegen Störung öffentlicher Betriebe (§ 316b StGB). Der zweite Straftatbestand erfasst unter anderem Angriffe auf Anlagen der öffentlichen Energieversorgung. Für beide Straftaten sieht das Gesetz grundsätzlich Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen vor.

Verdacht auf Straftat - Störung im Umspannwerk Bergheim
Polizisten suchen in der Umgebung ein Rübenfeld ab. © Henning Kaiser/dpa | Henning Kaiser

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Polizei hat Hinweisportal eingerichtet

Nun versuchen die Ermittler, aus den Spuren zu den Tätern zu kommen. Die sechs Abschussvorrichtungen werden kriminaltechnisch untersucht, nach Angaben Bremers auch auf DNA-Spuren. Zudem sollen Telekommunikationsdaten ausgewertet werden. Bremer sagte: „Dazu gehört im ersten Schritt auch die Überprüfung von Telekommunikationsverbindungsdaten, um eben auch zu schauen, wer sich zur fraglichen Zeit in den entsprechenden Funkzellen befunden hat.“ Die Polizei hat außerdem ein Hinweisportal eingerichtet und bittet Zeugen, verdächtige Beobachtungen zu melden. Konkrete Hinweise auf einen Täter gibt es nach Angaben Essers bislang nicht.

Eine weitere Frage ist, ob der Anschlag mit den jüngsten Sabotageakten in Brandenburg zusammenhängt. „Natürlich prüfen wir auch die Zusammenhänge zu den jüngsten Taten in Brandenburg“, sagte Esser. Auch Bremer bestätigte, dass die Ergebnisse aus beiden Verfahren miteinander abgeglichen werden. Einen Zusammenhang können die Ermittler bislang aber nicht belegen. Ebenso offen ist das Motiv der Täter.

Bremer warnte deshalb vor vorschnellen Zuschreibungen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nach eigenen Angaben in alle Richtungen. „Wir und auch sonst niemand können diesen Fall auf Knopfdruck lösen“, sagte Bremer. Es brauche „kriminalistische Erfahrung und Geduld“, um den Anschlag aufzuklären.