Schock im Süden Brandenburgs: An einem Umspannwerk in Turnow-Preilack unweit des Kraftwerks Jänschwalde sind am Dienstag Sprengvorrichtungen gefunden worden. Die Polizei teilte mit, es sei heute gegen 8 Uhr eine mögliche Sachbeschädigung an einer Leitung festgestellt worden. „Spuren werden gesichert“, sagte eine Sprecherin. Zuerst hatte die „Märkische Allgemeine Zeitung“ berichtet.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) hat sich am späten Nachmittag ein Bild von der Lage vor Ort gemacht. Im Anschluss sprach er von „Sabotagehandlungen“ am Stromnetz. Gegen 7.30 Uhr sei versucht worden, leitfähiges Material in die Höchstspannungsleitungen einzubringen, um damit einen Kurzschluss zu verursachen. „In zwei Fällen ist es gelungen, leitfähiges Material in die Höchstspannungsleitungen einzubringen“, so Redmann. In einigen weiteren Fällen sei das nicht gelungen.
Auch interessant
Innenminister Jan Redmann spricht von „Sabotagehandlungen“
Derzeit würden noch weitere Vorrichtungen gefunden werden, so der Brandenburgs Innenminister weiter. „Das Gelände wird weiter abgesucht, man ist bei einer Anzahl von zweistelligen Vorrichtungen, die man hier gefunden hat“, so Redmann weiter. Auch sie hätten das Ziel gehabt, leitfähiges Material in die Leitungen einzubringen. „In Anbetracht der Anzahl ist es vergleichsweise glimpflich ausgegangen, verglichen mit dem, was hätte passieren können“, sagte der CDU-Politiker. Es hätte keinen Personenschaden gegeben und auch keine längeren Ausfälle. Redmann stellte aber klar: „Wir nehmen den Vorfall sehr ernst.“ Die Art und Weise der Tatbegehung sei geeignet gewesen, um größeren Schaden zu verursachen.

Zu den Ermittlungen konnte Redmann nur wenige Angaben machen. „Es ist nicht so, dass wir bislang bestätigen können, dass ein Sprengsatz detoniert sei“, sagte der Innenminister auf Nachfrage von Journalisten. „Dafür gebe es gegenwärtig keine Bestätigung.“ Das sei aber der derzeitige Stand der Ermittlungen. Derzeit gehen die Sicherheitsbehörden davon aus, dass mittels eines Treibsatzes leitfähiges Material in die Leitungen gebracht wurde. Redmann sprach davon, dass dieser Treibsatz „reingeflogen“ sei. Wie der Treibsatz beschaffen gewesen sei und wie er gezündet wurde, sei Gegenstand von Ermittlungen. Mitarbeiter hätten berichtet, einen Feuerball gesehen zu haben, so Redmann weiter.
Redmann widersprach auch Darstellungen, dass es sich um Silvesterraketen gehandelt habe. Es handle sich um Raketen, die zu diesem Zwecke hergestellt worden seien, sagte der Innenminister. „Sie mussten ein gewisses Gewicht in die Hochspannungsleitungen einbringen, das leitfähige Material musste ja dort eingebracht werden“, so Redmann. Nach Informationen unserer Redaktion sollen diese Treibsätze ähnlich wie Silvesterraketen ausgesehen haben. Die Konstruktion sei nicht ohne Aufwand gewesen. Er wolle aber auch nicht behaupten, dass es sich um „Spezialistenwissen“ gehandelt habe, das notwendig gewesen sei, um die Tat zu begehen. Die Ermittlungen würden derzeit in alle Richtungen gehen. Man sei noch an keinem Punkt, dass es in eine spezifische Richtung gehen könne. „Man kann nicht ausschließen, dass fremde Mächte hinter diesem Anschlag stecken.“ Redmann betonte zudem: „Es war ein systematisches Vorgehen und kein Kinderstreich, der hier stattfand.“
Redmann nahm den Sabotageversuch auch zum Anlass, um Werbung für einen Gesetzesentwurf zu machen, der Betreibern von kritischer Infrastruktur mehr Möglichkeiten einräumen soll, sich besser zu schützen. Die Betreiber sollen als Beliehene Befugnisse haben, Abwehreinrichtungen verwenden zu können und Detektionseinrichtungen, wie sie sonst nur die Polizei verwenden darf. Das betreffe den Bereich Drohnenabwehr und Videoüberwachung. Den Gesetzesentwurf habe er nun seinem Haus priorisiert. „Ich habe nochmals veranlasst, dass wir uns mehr beeilen mit dem Gesetzesentwurf“, so Redmann.
Umspannwerk in Jänschwälde: Einsatzkräfte entschärfen mehrere Sprengsätze
Stefan Kapferer ist Vorsitzender der Geschäftsführung von 50Hertz, dem Übertragungsnetzbetreiber. Ein Versorgungsausfall konnte vermieden werden, sagte Kapferer. Dafür gebe es mehrere Faktoren. Die betroffene Leitung sei ausgeschaltet worden, sie wurde im Anschluss wieder eingeschaltet. Das Umspannwerk sei vorrangig dafür zuständig, von der Leag erzeugten Strom in das Netz einzuspeisen. Da an diesem Tag die Sonne geschienen habe und der Wind kräftig gewesen sei, habe es ein hohes Maß an anderen Energieträgern gegeben, die zur Verfügung standen. „Es gab ein hohes Maß an Versorgungssicherheit“, so Kapferer. Zudem sei das Netz so ausgestattet, dass, sobald eine Leitung ausfällt, eine andere genutzt werden könne, um damit die Versorgung sicherzustellen. „Trotzdem müssen wir solche Vorfälle sehr ernst nehmen“, sagte Kapferer.
Adolf Roesch ist CEO des Energieunternehmens Leag. Er sprach von einer „spontanen Abschaltung“ in einem Block nach dem Sabotageakt. Aber weder Personal noch Equipment hätten Schaden genommen. Es habe auch keine Betriebsstörungen gegeben und die Versorgungssicherheit sei gewährleistet gewesen. Der Block soll ab 18 Uhr wieder ans Netz gebracht werden, so Roesch. Der Vorfall zeige, dass man im Land Brandenburg resilient aufgestellt sei, sagte Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement (parteilos). Der Vorfall zeige auch, dass es wichtig sei, auf einen Mix aus unterschiedlichen Energien zu setzen.
Strom wird im Umspannwerk Preilack überregional und regional verteilt
In dem Umspannwerk Preilack im Landkreis Spree-Neiße unweit der Landesgrenze zu Sachsen wird der Strom, der im Kraftwerk Jänschwalde erzeugt wird, überregional und regional verteilt. Nach Angaben der Leag wurde das Kraftwerk Jänschwalde in den Jahren 1976 bis 1989 als letzter Kraftwerksneubau der DDR errichtet.
Im Januar hatten mutmaßlich linksextreme Täter Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins angezündet und kurzgeschlossen. Rund 45.000 Haushalte und mehr als 2.200 Geschäfte und Firmen sowie Krankenhäuser und Pflegeheime waren tagelang ohne Strom. Zu dem Brandanschlag bekannten sich die linksextremistischen sogenannten «Vulkangruppen», die als Ziel den Kampf gegen Kapitalismus angaben.
Auch interessant
Produktion bei Tesla durch Sabotage tagelang gestoppt
Im März 2024 hatte eine Gruppe Feuer an einen großen Strommast gelegt, der auch für die Versorgung der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin nötig war. Die Produktion wurde durch die Sabotage tagelang gestoppt.
Wie der Netzbetreiber 50Hertz gegenüber der Zeitung mitteilte, hätten bislang unbekannte Täter „vermeintlich Sachbeschädigung an mehreren Leitungen“ begangen. Es habe demnach eine „kurzzeitige Leitungsunterbrechung“ gegeben. Mittlerweile seien aber alle Leitungen wieder in Betrieb.
dpa/rk







