Wenn US-Präsident Donald Trump über Iran spricht, pendelt er zwischen Feuer und Wasser. Mal lobt er die Spitzenvertreter des Regimes als „sehr schlau“ und „stark“. Dann beschimpft er sie als „verrückte Mistkerle“ und „Gangster“. Auch beim Umgang mit der Islamischen Republik könnten die Gegensätze nicht größer sein. Mal schwärmt der Amerikaner von einem „historischen Friedensabkommen“, das in Reichweite sei. Kurz darauf droht er mit der „Auslöschung“ des Landes. Trump sei möglicherweise der US-Präsident, der „Irans Führung am wenigsten verstanden hat“, urteilt der ehemalige CIA-Analyst Kenneth Pollack.

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Egal ob amerikanisch-israelische Luftschläge auf Ziele in Iran oder eine ultrascharfe Sanktionskeule: Das Regime kapituliert nicht. Es attackiert seine Nachbarn, blockiert die wichtige Öl-Route durch die Straße von Hormus und nimmt die Weltwirtschaft als Geisel. Trumps Frustration liegt darin begründet, dass er historische Gegebenheiten ausblendet. Der Präsident hat offensichtlich nicht auf dem Schirm, dass die Islamische Republik auf eine Geschichte von Leidensfähigkeit und Opferbereitschaft zurückblickt. Die Widerstandskultur gegen die Erzfeinde USA und Israel ist so etwas wie die politische DNA des Regimes.

Iran-Irak-Krieg stärkte Irans Resilienz gegen äußeren Druck

Die prägende Erfahrung für diese Resilienz war der Iran-Irak-Krieg von 1980 bis 1988. Nach dem Sturz der Schah-Herrschaft und der Islamischen Revolution von 1979 dachte der irakische Machthaber Saddam Hussein, er könne die Schwäche des Nachbarlandes ausnutzen.

Doch sein Angriff stieß auf den erbitterten Widerstand von Irans Volk und Militär. Auf iranischer Seite gab es zwischen 200.000 und 500.000 Todesopfer – zum Teil wurden auch Minderjährige als Minenräumer eingesetzt. „Der revolutionäre Staat überstand acht Jahre der Invasion, Isolation, enormen Verluste und materiellen Entbehrungen. Er zog daraus die bleibende Lehre, dass extremer Druck von außen ausgehalten werden kann, solange der Kernbereich aus Politik und Sicherheit zusammenhält“, sagte der in Washington ansässige Nahost-Experte Reza Parchizadeh unserer Redaktion.

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Irans Revolutionsgarden: Ein mafiöses Netz

Die Erfahrung des Iran-Irak-Krieges stärkte die Revolutionsgarden. „Sie förderte die militärische und wirtschaftliche Selbstständigkeit und schuf eine Regierungskultur, in der Not, Sanktionen und Konfrontationen als zu bewältigende Umstände und nicht als außergewöhnliche Krisen behandelt werden“, betont Parchizadeh. Die 1979 gegründeten Revolutionsgarden sind die Schutztruppe des Regimes nach innen und außen. Die rund 200.000 Mann starke Elite-Streitmacht verfügt über ihre eigene Armee, Luftwaffe und Marine. Zudem kontrollieren die Garden mehr als 50 Prozent der iranischen Wirtschaft. Sie betreiben Banken, Nahrungsmittelfirmen, Luxushotels, bis hin zu Bergbau-Unternehmen. Es handelt sich um ein mafiöses Netz, das Flug- und Seehäfen verwaltet und die iranischen Ölexporte durch die Straße von Hormus dirigiert.

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Durch ihre wirtschaftliche Monopolstellung und ihre politische Macht konnten die Revolutionsgarden die seit 1979 verhängten internationalen Strafmaßnahmen abfedern. Sie gründeten Scheinfirmen, errichteten Zahlungssysteme außerhalb des Dollarraums, installierten verdeckte Handelskanäle mit Ländern wie der Türkei, China oder Malaysia. Techniken, die bis heute verfeinert werden. „Über vier Jahrzehnte andauernde Sanktionen haben zwar sehr schwerwiegende wirtschaftliche Kosten verursacht. Aber sie haben das System auch dazu gezwungen, Methoden der Anpassung, der Sanktionsumgehung und der wirtschaftlichen Kontrolle zu entwickeln. Diese machen es unwahrscheinlich, dass Druck allein zu einem politischen Zusammenbruch führt“, erklärt der Iran-Analyst Parchizadeh. Nach innen ging die Führung mit äußerster Brutalität gegen die eigene Bevölkerung vor, die immer wieder gegen Not und Mangel im eigenen Land protestierte. „Die größte Stärke des Regimes war seine Fähigkeit, einen Großteil der wirtschaftlichen und menschlichen Kosten des Überlebens auf die Gesellschaft abzuwälzen und gleichzeitig den Zwangskern des Staates zu bewahren“, so Parchizadeh.

Irans System ist nicht unverwundbar

Der Zwangskern des Staates besteht heute vor allem in den Machtzirkeln der Revolutionsgarden. Führende Vertreter des Regimes haben Generalsrang, waren Kommandeure der Revolutionswächter – einige haben sogar im Iran-Irak-Krieg gekämpft. Darunter befinden sich zum Beispiel der Chef der Garden, Ahmad Vahidi, oder der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Mohsen Rezaei. Ihr Gewicht ist umso höher, als der offenbar schwer verletzte Oberste Führer Modschtaba Chamenei nicht über die Autorität seines von Israel getöteten Vaters verfügt.      

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Das Regime glaubt, dass die im Iran-Irak-Krieg erprobte Kultur des Widerstandes auch im aktuellen Konflikt mit Amerika funktioniert. Das macht das System jedoch nicht unverwundbar. „Historisch gesehen reichten jedoch weder Sanktionen noch äußerer militärischer Druck allein aus, um die Islamische Republik zu brechen. Ihre entscheidende Schwachstelle lag schon immer weniger in der Stärke des von außen ausgeübten Drucks als vielmehr darin, ob interner oder externer Druck letztendlich zu einer Spaltung innerhalb der herrschenden Elite und ihrer Sicherheitsinstitutionen führt“, unterstreicht der Nahost-Fachmann Parchizadeh. Bislang gibt es keine Anzeichen, dass Trumps Diplomatie des Zwangs den iranischen Machtapparat auch nur ansatzweise erschüttert.