Mit einer Zustimmung von 70 Prozent hat Tino Chrupalla beim jüngsten Parteitag der AfD bei seiner Wiederwahl zum Bundessprecher nicht das allerbeste Ergebnis erzielt. Dem Selbstbewusstsein des 51‑Jährigen hat der Dämpfer nicht geschadet, wie er am Sonntagabend im Sommerinterview mit ARD-Chefredakteur Markus Preiß belegen konnte. Der Chrupalla-Talk verlief sachlich, aber hart in der Sache. „Das war ein ganz normaler Sommer. Ich sehe da viel Panikmache“, sagte Chrupalla zum Klimathema und den 14.000 Hitzetoten. Der Anteil des Menschen am Klimawandel sei „sehr gering“. Gleichwohl brauche man Klimaanlagen für Heime, Schulen und Krankenhäuser.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Dass er als Malermeister bei hohen Temperaturen auch keine Farben mischen könne, bemerkte Markus Preiss und hakte nach, ob sich sein Blick durch den Hitzesommer auf den Klimawandel nicht doch etwas verändert habe. Man streiche um 13 Uhr auch keine Fassade, entgegnete Chrupalla, man mache das früh am Morgen oder in den späten Abendstunden. „In Italien und Spanien ist doch so ein Arbeiten auch allgegenwärtig.“ Der Klimawandel sei für die Menschen nur ein „Nebenthema“, mit dem die Politik ablenken wolle. „Hohe Gas- und Strompreise, Krieg und Frieden, dass Leute nach 45 Beitragsjahren nicht in Rente dürfen – das sind die Probleme der Menschen!“

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Plant die AfD jetzt selbst eine Brandmauer?

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September könnte „der Moment für die AfD“ kommen, meinte Preiss und wollte wissen, wie es dann weiter gehe. Denn Spitzenkandidat Ulrich Siegmund habe gesagt, er wolle alleine regieren. Also keine Gespräche? Eine Brandmauer von der AfD zu anderen Parteien? „Das muss Siegmund selbst entscheiden“, antwortete Chrupalla. Gleichwohl sehe er die AfD gesprächsbereit. Alle, die es „gut mit Deutschland meinten“, seien „herzlich“ eingeladen, in einen Dialog mit der AfD einzutreten.

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Auf eine Zusammenarbeit mit dem BSW von Sahra Wagenknecht will er nicht setzen. Die müssten sich erst einmal selbst sortieren. Auch könne man das Fell erst verteilen, wenn der Bär erlegt sei. Vage blieben die Antworten von Chrupalla zu in der AfD erhobenen Vorwürfen, es gebe bei der Briefwahl in Pflegeheimen Manipulationen. „Das ist mir zugetragen worden als Politiker von Angehörigen“, so Chrupalla. Er kenne da Heime, wolle da aber keine Namen nennen. Die AfD werde aber in Regierungsverantwortung die Briefwahl abschaffen.

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Zum in Sachsen-Anhalt geplanten Verzicht auf „kulturfremde Fachkräfte“ brachte die ARD einen Einspieler, der einen syrischen Facharzt in Sachsen-Anhalt zu Wort kommen lässt. Solche „gut integrierten Fachkräfte“ seien natürlich nicht gemeint, antwortete Chrupalla. „Die sind herzlich willkommen. Dagegen sagt keiner was.“ Für mehr Sicherheit und Sauberkeit soll laut AfD-Programm in Sachsen-Anhalt auch eine freiwillige Bürgerwacht möglich sein. „Das ist die Stadtbilddebatte, die Friedrich Merz angestoßen hat“, bemerkte Chrupalla. Auf Dorffesten und Flughäfen patrouillierten ja auch private Sicherheitsdienste, warum nicht von Freiwilligen?

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Chrupalla verweist auf „rote Linien“ seiner Partei

Schließlich ging es um drei Personen aus dem Umfeld von Ulrich Siegmund – Simon Kaupert, Patrick Harr und Laurens Nothdurft –, die früher eine Nähe zur Identitären Bewegung oder zur Heimattreuen Deutschen Jugend hatten. „Die haben ein lupenreines Führungszeugnis“, meinte Chrupalla. Es sei unerheblich, was jemand in seiner Jugend gemacht und ob er vor 20 Jahren mal „ein Camp“ besucht habe. „Joschka Fischer war auch mal im Extremismus und ist später Außenminister geworden.“

Es gebe eine klare Unvereinbarkeitsliste der AfD und wenn in Aussagen oder Handeln jemand eine rote Linie überschreite, dann werde die Partei handeln. Auch die Parteivorsitzenden Bernd Lucke und Jörg Meuthen mussten gehen, sagte Markus Preiss, als sie sich von rechten Figuren distanzierten, Ob Chrupalla auch „Angst“ vor diesem Schicksal habe? „Nein, ich habe keine Angst, als Bundesvorsitzender in irgendeiner Weise nicht gewählt zu werden“, antwortete Chrupalla und sprach damit das Schlusswort.