Liebe Leserin, lieber Leser,

trauern Sie jetzt, in diesen Herbsttagen, ihrer geliebten Grillwurst hinterher? Dem marmorierten Entrecôte oder saftigen Nackensteak? Denn das ist es, was die Deutschen laut Grillkompass 2024 in lauen Sommernächten am liebsten auf den Rost legen: Rind, Schwein, Lamm, Huhn. Fleischersatzprodukte etwa aus Tofu oder Seitan machen nur vier Prozent aus; Paprika, Zucchini oder Aubergine landen immerhin als Beilage ziemlich oft auf dem Grill.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Ich unterstelle mal, wer einen zünftigen Grillabend auf der Gartenterrasse oder dem Balkon plant, weiß, wo was beim Metzger oder im Supermarkt zu finden ist.

Dass die Parlamentarier der Europäischen Union mehrheitlich der Meinung sind, Fleischersatzprodukte könnten Verbraucher in die Irre führen, wenn dem Wort „Veggie“ der „Burger“ angehängt wird, dem „Tofu“ die „Wurst“, dem „Gemüse“ die „Frikadelle“: Das hat mich in dieser Woche wohl am meisten amüsiert. Mein Kollege Tobias Kisling hält das angestrebte Namensverbot jedenfalls für eine Farce. Hält man den Verbraucher für so dumm, fragt er sich in seinem Kommentar. Warum überhaupt die Abstimmung auf der Tagesordnung landete, was deutsche Politiker davon halten und auch die Handelskonzerne, beschreibt Hanna Gersmann.

Schnitzeljagd ohne Fleisch: Ist das noch legal?

Die Wirkung ist auf jeden Fall fatal. Die sozialen Netzwerke überschlagen sich vor Häme. „Bleibt die Schnitzeljagd beim Kindergeburtstag auch ohne Fleisch legal?“ „Muss Wurstsalat künftig Kopfsalat enthalten?“ „Und was ist mit dem Spaghetti-Eis? Es enthält doch gar keine Pasta!“ Ich selbst frage mich, ob uns noch etwas „Wurst“ sein darf, wenn es uns egal ist.

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Birgitta Stauber, Textchefin © Montage | FMG/Reto Klar/FFS

Tatsache ist: Die Mehrheit der Straßburger Parlamentarier will es offenbar. So „Wurst“ ist mir, ob Fleisch Veggie ist oder nicht , dass Veganer nicht Schnitzel, Burger und Grillwurst essen, sondern nur noch Bratlinge, was das Essen auf dem Tisch irgendwie klein macht und ihm auch noch eine abschätzige Note verleiht. Als wäre es ein Feigling, Sträfling oder gar Schädling. Und wie soll eigentlich die vegane Wurst heißen? Erbsenproteinschlauch? Ein passendes Synonym habe ich jedenfalls nicht gefunden.

Meine Kinder mit ihren abwechselnden veganen und vegetarischen Phasen nehmen die EU jetzt zum ersten Mal richtig wahr. Ihr Eindruck: „Die in Straßburg und Brüssel haben wohl sonst nichts zu tun!“ Damit sind sie nicht allein. Ich sehe die Abstimmung als bestes Beispiel für Überregulierung, was wohl einer der häufigsten Vorwürfe ist.

Milch ist nur das Nahrungsmittel, das aus dem Euter stammt

Übrigens hat das bei Lebensmitteln System: Nur Erzeugnisse aus Eutern (z.B. Kuh, Schaf oder Ziege) dürfen Milch heißen. Ersatzprodukte aus Mandeln oder Hafer liegen schon länger als „Drink“ in den Kühlregalen der Supermärkte. So ein Blödsinn, finde ich. Milch ist ein Oberbegriff. Sie stammt aus Eutern, wird aus Mandeln gepresst, ersetzt Scheuerpulver, macht Glas undurchsichtig.

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Ich nehme jetzt mal ein Ersatzprodukt genauer unter die Lupe: die Hafermilch. Die finde ich tatsächlich trinkbar im Kaffee. Noch besser schmeckt sie mir im Müsli. So gesund, das weiß ich inzwischen, ist Hafermilch aber nicht. Sie enthält viel Pflanzenöle, Konservierungsmittel, Stabilisatoren und Säuerungsmittel bei vergleichbar wenig Nährstoffen. Meine Kollegin Alina Juravel, die lange geglaubt hatte, mit Hafermilch ihrer Gesundheit viel Gutes zu tun, war geschockt, als ihr Arzt ihr während ihrer Schwangerschaft dringend davon abriet.

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Schmeckt im Müsli gar nicht so schlecht: Hafermilch. © IMAGO/Jan Huebner | IMAGO stock

Und was ist mit Hafer an sich? Den Flocken im Müsli, dem Porridge? Ohne Hafer kann ich zum Beispiel den Tag nicht starten, doch in letzter Zeit wird in den sozialen Medien mehr und mehr gewarnt vor einem drastisch ansteigenden Blutzuckerspiegel. Obendrein soll Hafer den Darm reizen. Miriam Eichhorn-Zachariades hat den Ernährungsexperten Dr. Riedl gefragt, ob das stimmt – und der bestätigt glücklicherweise, was mein Körper mir längst signalisiert: Haferflocken sind sehr gesund, vor allem, wenn sie lange quellen statt kochen, mit Beeren statt Zucker gesüßt werden und kernig sind.

Ja, schon klar, je weniger verarbeitet Lebensmittel sind, desto gesünder. Und wenn wir gesund sind, also mit den richtigen Cholesterin- und Zuckerwerten, Normalgewicht und guten Muskeln, wenn wir Sport treiben und lernen, mit unserem Stress umzugehen, Alkohol nur in homöopathischen Dosen konsumieren und den Schokoriegel aus der Griffweite verbannen, trotzen wir Viren, Krebszellen, Übergewicht, Falten, Haarausfall und, und, und.

Longevity: Ein Arzt probiert es aus – und ist plötzlich biologisch jünger

Felix Bertram Longevity
Felix Bertram möchte lange fit bleiben. © privat | privat

Tatsächlich kann ich den Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit inzwischen runterbeten – trotzdem lese ich jeden Artikel dazu. Glücklicherweise gibt es immer wieder neue Ansätze. Einen erklärt meine Kollegin Antonia Kusche: Sie hat den Trend „Longevity“ bzw. Langlebigkeit unter die Lupe genommen und dazu den Arzt Felix Bertram interviewt, der gerade dabei ist, sein biologisches Alter zu senken. In seinem Buch beschreibt er vier simple Methoden. Okay, es geht wieder um gute und schlechte Lebensmittel, Alkohol und Stress. Mir gefällt allerdings der ganzheitliche Ansatz, mit dem Bertram auf seinen Körper schaut. Aber lesen Sie selbst.

Mit dieser Motivation treibt es mich jedenfalls jetzt nach draußen, denn auch ich muss Stress abbauen. Und den Herbst habe ich schließlich immer schon geliebt. Ich hoffe, Ihnen geht es auch so.

Wie immer wünsche ich Ihnen einen erholsamen Sonntag,

Ihre Birgitta Stauber