Julia Klöckner ist als Bundestagspräsidentin gerade 100 Tage im Amt, aber hat es in dieser knappen Zeit geschafft, zur Lieblingsgegnerin der Linken aufzusteigen. Auch der freundliche Robert Habeck, den man stets für seine wertschätzende Sprache gelobt hatte, prügelt ungeniert auf die CDU-Politikerin ein.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Sie habe „mutwillig oder aus Dämlichkeit“ die Gesellschaft gespalten, wütet der Grüne. Sie habe „immer nur polarisiert, polemisiert und gespalten“, urteilt er. Wie gut, dass es Hate-Speach angeblich ja nur bei Rechten gibt – sonst hätte sich auch Habeck noch in die Kategorie der Polarisierer, Polemiker und Spalter eingereiht.

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Klöckners Positionen und Äußerungen hängt etwas Kulturkampferisches an

Natürlich ist es jedem unbenommen, sich an den Positionen und am Wirken der Bundestagspräsidentin zu reiben. Tatsächlich wirkt manches ungelenk und unsouverän, was die rheinland-pfälzische Politikerin von sich gibt. Vielen ihrer Positionen hängt etwas Kulturkämpferisches an – wie der etwas schräge Vergleich zwischen dem rechtspopulistischen Portal „Nius“ und der linksalternativen „taz“ oder die Entscheidung, zum Christopher Street Day die Regenbogenfahne eben nicht auf dem Reichstag zu hissen.

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Eines aber kann man ihr kaum vorwerfen: Den Kulturkampf hat Klöckner nicht erfunden. Manche Linke, die geradezu allergisch auf jede Handlung und Äußerung von Klöckner reagieren, haben diesen Kulturkampf über Jahre forciert und vorangetrieben.

Matthias Iken
Matthias Iken. Stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts.© Andreas Laible / FUNKE Foto Services | ANDREAS LAIBLE

Sie beanspruchten die Deutungshoheit, was man öffentlich sagen darf – und was besser nicht. Sie haben ohne jede Sensibilität ihre Denk-, Sicht- und Sprachweisen vom Regenbogen bis zum Gendern durchgedrückt. Und damit genau den Kulturkampf befördert, den sie jetzt beklagen.