Was würde passieren, wenn die AfD regieren sollte? Diese Frage lässt sich derzeit nur spekulativ beantworten. Doch ein Blick nach Sachsen-Anhalt liefert erste Hinweise: Dort kam die AfD bei der Landtagswahl 2021 auf 20,8 Prozent – was sie zur zweitstärksten Kraft machte. Und sie bereitet sich auf den nächsten Schritt vor: Für die Wahl 2026 strebt der als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestufte Landesverband der AfD laut „Bild“-Informationen eine Alleinregierung an. Zwar arbeitet die Partei nach eigenen Angaben bereits an einem 100-Tage-Programm, das Anfang 2026 auf einem Parteitag beschlossen werden soll – konkrete Inhalte liegen aber noch nicht vor.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Ein Blick in frühere Landtagsanträge der AfD gibt jedoch Hinweise, welche politischen Schwerpunkte eine solche Regierung setzen könnte. Wichtig dabei: Diese Anträge müssen nicht mit dem künftigen Wahl- oder Regierungsprogramm übereinstimmen. Dennoch zeichnen sie ein Bild davon, wie sich die Partei Sachsen-Anhalt in Zukunft vorstellt.
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Bereits im September 2024 forderte die AfD in einem Antrag, Asylbewerber zur Arbeit verpflichten zu können – vor allem „geduldete und gestattete Personengruppen, deren Asylantrag höchstwahrscheinlich keine Aussicht auf Erfolg haben wird“. Wer sich verweigere, solle Einkommens- und Leistungen gekürzt bekommen. Die Partei argumentiert, dass Länder wie Dänemark mit Arbeitsverpflichtungen und Leistungskürzungen „vermeintliche Schutzsuchende … zwanglos zu einer Rückreise“ bewegen könnten.
Darüber hinaus schlägt die Partei vor, die Kosten für Asylverfahren und Sozialleistungen „nur darlehensweise unter der Bedingung der späteren Rückzahlung“ zu gewähren – beispielsweise, wenn der Asylantrag abgelehnt wird.
Bildung: AfD möchte Fokus auf „nationale und regionale Identität“
Auch die Bildungspolitik soll laut AfD-Anträgen grundlegend umgestaltet werden. So soll der Sachunterricht laut einem Antrag aus dem September 2024 in der Grundschule in „Heimatkunde“ umbenannt und inhaltlich neu ausgerichtet werden – mit Fokus auf nationale und regionale Identität. Beispielsweise sollen laut Antrag im Deutschunterricht Grimms Märchen verpflichtend behandelt werden. Zusätzlich sollen Schülerinnen und Schüler „mindestens 20 traditionelle Volks- und Kinderlieder melodisch, rhythmisch und textlich sicher“ im Musikunterricht lernen und in den Schulen soll „täglich zur Begrüßung ein aus dem umfangreichen deutschen Volksliedgut stammendes Lied gesungen werden“.

Im Januar 2025 forderte die AfD die Auflösung der Landeszentrale für politische Bildung. Stattdessen soll ein „Landesinstitut für staatspolitische Bildung und kulturelle Identität“ entstehen. Ziel: Eine „Plattform zur Förderung der nationalen Identifikation mit Heimat, Tradition, deutscher Leitkultur und deutscher Geschichte“. Gleichzeitig sollen Fördermittel für Integrations- und Antirassismusprojekte gestrichen werden.
„#deutschdenken“: Wieso die AfD das Motto für Sachsen-Anhalt ändern will
Im Mai 2025 legte die AfD einen Antrag vor, mit dem die derzeitige Landesmarketingkampagne Sachsen-Anhalts, „#moderndenken“ durch „#deutschdenken“ ersetzt werden soll. Ziel ist laut Antrag ein „respektvoller und wertschätzender Umgang mit der deutschen Geschichte“. Zudem steht dort das Vorhaben, eine „Straße des Deutschen Reiches“ zu errichten – eine touristische Route, die Orte aus der Zeit des 10. Bis 16. Jahrhunderts miteinander verbindet, darunter der Magdeburger Dom und die Kaiserpfalz Memleben.

Wer solche Orte besucht, soll nach Vorstellungen der AfD dann einen „Stolz-Pass“ erhalten – eine Art Stempelkarte, mit der Bürgerinnen und Bürger sowie Touristen Vergünstigungen erhalten. Je mehr Orte besucht werden, desto günstiger der Eintritt. Auch die Benennung öffentlicher Gebäude und Schulen will die Partei neu regeln – historische Persönlichkeiten sollen stärker in den Vordergrund rücken. Für Schülerinnen und Schüler sollen laut Antrag statt Gedenkstättenfahrten wie etwa in NS-Konzentrationslager „Exkursionen zu historischen Stätten“ mit Bezug zur Landesgeschichte durchgeführt werden.
In der Innenpolitik will die AfD das Waffenrecht für legale Besitzer nicht verschärfen – im Gegenteil. Wer einen Waffenschein besitzt, solle „nicht weiter diskriminiert“ werden, heißt es in einem Antrag vom März 2025. Probleme mit Waffen sieht die Partei nicht bei legalen Besitzern, sondern bei der „kulturfremden ungebremsten Zuwanderung“. Daher fordert sie, den Erwerb von SRS-Waffen (Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen) „von Ausländern generell zu unterbinden und gegen notorische Gefährder im Einzelfall Waffenverbote“ zu verhängen. In Städten mit hoher Kriminalität solle es zudem möglich sein, freiwillige Bürgerwehren zuzulassen.
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Ob die AfD diese Vorhaben tatsächlich als Regierungspartei umsetzen wollte und könnte, bleibt offen. Konkreter wird das erst, wenn 2026 das offizielle 100‑Tage‑Programm der Partei beschlossen wird.










