Die AfD gibt sich gern rebellisch. Politiker der rechten Partei wettern gegen den „Mainstream“ und das „Establishment“, AfD-Rechtsaußen Björn Höcke beschimpft regelmäßig die „Kartellparteien“. Dennoch hat die AfD ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl im Vergleich zu 2021 verdoppelt – ein großer Erfolg. 152 AfDler ziehen in den Bundestag ein. Doch weniger etabliert als Politiker der anderen Parteien sind die AfD-Entsandten gar nicht – entgegen der eigenen Inszenierung. Nur radikaler. Es gehen Anwälte und Ärztinnen nach Berlin, Ingenieure und Kaufleute, Polizisten und Berufspolitiker. Ein paar Handwerker und Angestellte sind auch darunter.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Von 152 Abgeordneten sind nur 18 Frauen. In keiner Fraktion ist der Anteil so gering. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die AfD durch den Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft. 29 Abgeordnete werden aus diesen extrem rechten Verbänden künftig im Parlament sitzen.
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Auch ohne eigenes Mandat: Wie Björn Höcke seinen Einfluss erweitert
Björn Höcke wird seinen Einfluss in der Bundespartei aufgrund der Wahlergebnisse wohl ausweiten können. Mit Stefan Möller, langjähriger Co-Landessprecher von Höcke, zieht ein enger Vertrauter des umstritten AfD-Politikers in den Bundestag ein. Auch Robert Teske, Sieger des Direktmandates im Wahlkreis 195, gilt als Vertrauter von Höcke. Zuletzt leitete der 35-Jährige dessen Büro. Höcke selbst trat nicht für die Bundestagswahl an.
Auch in Sachsen-Anhalt werden gute Kontakte zu Höcke gepflegt. Christina Baum zieht als eine der wenigen Frauen für die AfD in den Bundestag ein. Die gebürtige Thüringerin sitzt bereits seit 2021 im Parlament und war ein wichtiger Teil des „Flügels“. Der sogenannte „Flügel“ war eine rechtsextreme Gruppierung innerhalb der AfD, in der Höcke eine wichtige Rolle einnahm. Inzwischen wurde er offiziell aufgelöst. Baum war außerdem bereits bei Veranstaltungen der österreichischen extrem rechten Partei FPÖ zu Gast.
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Die Zahnmedizinerin wurde 2018 für 30 Tage von Facebook gesperrt. Sie hatte ein Foto eines 50-Euro-Scheins gepostet, auf dem „DEUTSCHE FRAU FIKEN, DANN TOT MACHEN“ geschrieben war. Wie die „Zeit“ berichtete, arbeitete zudem die Frau des „Compact“-Gründers Jürgen Elsässer für Baum.
Das „freundliche Gesicht“ des Nationalsozialismus kommt aus Nordrhein-Westfalen
AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel jubelte über das Ergebnis ihrer Partei. Allerdings scheiterte sie selbst, verlor ihren Wahlkreis am Bodensee deutlich gegen den Kandidaten der CDU. Weidel kommt über die Landesliste dennoch in den Bundestag. Und sie hat einige enge Vertraute, die es in die Fraktion schafften. Unter ihnen: Markus Frohnmaier, 33 Jahre alt, ebenfalls aus Baden-Württemberg. Er gilt seit Jahren als Strippenzieher in der AfD, gemeinsam mit anderen jungen AfDlern wie Sebastian Münzenmaier aus Kaiserslautern.

Frohnmaier gilt als Scharfmacher, ebenso wie Matthias Helferich. Dieser nannte sich selbst das „freundliche Gesicht“ des Nationalsozialismus, soll laut Medienberichten „die Außerlandesbringung von deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund“ gefordert haben. Ein Ausschlussverfahren läuft. Doch das hinderte Helferich nicht, für den Bundestag zu kandidieren – und der Landesverband wählte ihn auf Platz 6 der Liste. Helferich zieht ein. Erneut. Schon vor der Wahl saß er im Bundestag, bisher fraktionslos. Der künftigen AfD-Fraktion wird er aber angehören, wie nun bekannt wurde.
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Jan Wenzel Schmidt sitzt ebenfalls bereits im Bundestag und sorgte mit seinen Angestellten für Aufsehen. 2022 hatte die „Welt“ berichtet, dass Schmidt den Neonazi Mario Müller als wissenschaftlichen Mitarbeiter beschäftigte. Dieser war laut „Correctiv“ bei dem berühmt gewordenen Potsdamer Treffen anwesend. Noch in der Wahlnacht trat Schmidt nun als AfD-Generalsekretär in Sachsen-Anhalt zurück. In der Partei gab es Kritik an dem 33-Jährigen. Ihm wurden Lügen und Erpressung vorgeworfen.
Merkels ehemaliger Wahlkreis fällt an einen jungen Mann mit NPD-Vergangenheit
Der gleichaltrige Hannes Gnauck konnte in Brandenburg ein Direktmandat gewinnen. Er sitzt bereits seit 2021 im Bundestag und ist seit 2022 Vorsitzender der rechtsextremen AfD-Jugendorganisation Junge Alternative, von der sich die Partei im April trennen will. Gnauck war vor seiner Politikerkarriere Soldat bei der Bundeswehr. 2019 diente er in Afghanistan. Inzwischen darf er die Uniform nicht mehr tragen, der Militärgeheimdienst MAD stufte ihn 2021 als „Extremist“ ein.

Extreme Verbindungen werden auch Dario Seifert vorgeworfen. Der 30-Jährige gewann den Wahlkreis, in dem jahrelang die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) antrat. Dem „Nordkurier“ bestätigte Seifert, dass er zwei Jahre lang Mitglied der Jugendorganisation der verfassungsfeindlichen NPD (heute Die Heimat) war. Auch der AfD war Seifert wohl nicht ganz geheuer. Ein Parteiausschlussverfahren endete 2024 in einer zweijährigen Ämter-Sperre. Seinen ersten Einzug in den Bundestag hat das nicht verhindert.
AfD-Abgeordneter spielte Wehrmachtssoldat für Hollywood-Streifen
Ein bereits bekannteres Gesicht ist das von Maximilian Krah. Der Abgeordnete des Europa-Parlaments, der nun in den Bundestag wechselt, hatte im vergangene Jahr für Wirbel gesorgt. Einer seiner Mitarbeiter soll für China spioniert haben, einem weiteren russischen Spion soll Krah Zugang zum EU-Parlament verschafft haben. Nach umstrittenen Aussagen über die SS, die zu einem Bruch mit der französischen Rechtsaußen Partei Rassemblement National führten, zog er sich aus dem AfD-Vorstand zurück. Der Parteivorstand verhängte zudem im Europawahlkampf ein Auftrittsverbot für Krah. Mit seinen TikTok-Clips sorgte er dennoch weiterhin für Aufsehen.
Auch Karsten Hilse dürfte politisch Interessierten bereits bekannt sein. Der 60-Jährige sitzt seit 2017 im Bundestag. Weniger bekannt dürfte hingegen seine vorhergehende Karriere sein. Hilse arbeitete als Polizist, erst in der DDR, dann im vereinten Deutschland. Ein Zubrot verdiente er sich als Model – er wurde 1994 Mr. Brandenburg – und als Statist. Im Film „Inglourious Basterds“ spielt er einen Wehrmachtssoldaten.








