Über Wochen soll Ali S. auf Spionage-Tour in Berlin gewesen sein. Er soll durch die Stadt gefahren sein und mehrere Orte aufgesucht haben, machte mutmaßlich Fotos, unter anderem vom Sitz der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und einem Gebäude, in dem sich der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland immer wieder aufhält.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die deutschen Sicherheitsbehörden haben Ali S. nach Information unserer Redaktion seit Monaten auf dem Schirm. Nun nahmen Ermittler in Dänemark den Mann fest. Denn Ali S. ist Däne, hat offenbar afghanische Wurzeln – und wurde mutmaßlich vom iranischen Regime angeheuert.
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Ali S. soll Anfang des Jahres von einem iranischen Geheimdienst den Auftrag erhalten haben, in Berlin Informationen über jüdische Örtlichkeiten und bestimmte jüdische Personen zu sammeln, hält der Generalbundesanwalt in Karlsruhe fest. Der GBA hat die Ermittlungen übernommen.
Ein Attentat stand nicht unmittelbar bevor
Insgesamt drei Objekte soll S. ausspioniert haben. Dies diente mutmaßlich der Vorbereitung weiterer geheimdienstlicher Operationen in Deutschland, möglicherweise bis hin zu Anschlägen gegen jüdische Ziele, so die Anwälte in Karlsruhe. Der „Spiegel“ berichtete zuerst über den Fall. Nach Informationen unserer Redaktion soll der Mann schon in den kommenden Tagen nach Deutschland ausgeliefert werden. Ein Attentat stand jedoch nicht unmittelbar bevor. Vielmehr gehen die Ermittler davon aus, dass die ausspionierten Informationen in Zukunft für einen Anschlag genutzt werden sollten.
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Neben China, Russland und Nordkorea gelten iranische Geheimdienste für die deutschen Dienste seit Jahren als Hauptakteure von Spionage in Deutschland. Klar ist auch: Die Situation in Nahost, die Angriffe Israels gegen das iranische Atomprogramm und die Reaktionen des Regimes in Teheran, können Einfluss auf die Sicherheitslage in Deutschland nehmen.
Die ausländischen Mächte heuern zunehmend Personen für Geheimdienstoperationen an. Das sind oftmals keine ausgebildeten Agenten, sondern sogenannte „Low-Level-Agents“ – häufig angeworben über Messengerdienste wie Telegram. Manche von ihnen observieren Bundeswehr-Kasernen mit Drohnenüberflügen oder versenden heimlich Pakete mit explosiven Stoffen. Im vergangenen Sommer sorgten Explosionen an Flughäfen in Leipzig und Birmingham für Aufsehen. Derzeit ermittelt der Generalbundesanwalt, ob dahinter russische Geheimdienste stecken. Immer wieder zeigen sich auch Verbindungen ins kriminelle Milieu.
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Ali S. stand offenbar im Dienst der iranischen Quds-Brigaden – eine Elitetruppe des iranischen Militärs, die sich auf Operationen im Ausland spezialisiert hat und sowohl die palästinensische Terrororganisation Hamas als auch die libanesische Hisbollah unterstützt. Details über die Anwerbung des afghanisch-stämmigen Dänen sind bisher nicht bekannt. Wichtig aber: Als dänischer Staatsbürger kann er für iranische Dienste ein wertvoller Agent sein, schließlich genießt er Reisefreiheit in Europa.
Der Molotow-Cocktail, den der Mann warf, landete auf einer benachbarten Schule
Die Quds-Brigaden sind deutschen Ermittlern bekannt. Ende 2023 verurteilte ein Gericht in Düsseldorf einen Deutsch-Iraner. Er wollte laut Richter einen Anschlag auf die Synagoge in Bochum verüben. Der Molotow-Cocktail, den der Mann warf, landete auf einer benachbarten Schule. Offenbar hatte der Täter die Gebäude verwechselt.
Verbindungen hatte der Täter offenbar auch zum kriminellen Rockermilieu. Die Fäden im Hintergrund sollen die iranischen Quds-Brigaden gezogen haben.

Ein Däne mit afghanischen Wurzeln, der in Deutschland spioniert? Auch das kommt für Sicherheitsbehörden nicht überraschend. Skandinavien gilt als einer der Hotspots iranischer Aktivitäten. Der schwedische Inlandsgeheimdienst habe den Iran bereits früher als eins der Länder benannt, von denen die größte Bedrohung für Schweden ausgeht.
Im Januar 2024 wurde eine Handgranate auf das israelische Botschaftsgelände in Stockholm geworfen. Sprengstoffexperten entschärften sie, bevor sie physischen Schaden anrichten konnte. Im Mai 2024 wurden Schüsse auf die Botschaft abgefeuert, im Oktober erneut.
Es war der israelische Geheimdienst Mossad, der Schweden vor gut einem Jahr eine unheilvolle Verbindung aufzeigte: Rawa Majid, der bekannteste Gang-Kriminelle des Landes und Anführer des sogenannten „Foxtrot“-Netzwerkes, arbeite nun für den Iran. Er war es demnach, der den versuchten Anschlag auf die israelische Botschaft von seinem „Netzwerk“ ausführen ließ.
Viele seiner kriminellen Handlanger sind sehr jung. Dass die organisierte Kriminalität seit Jahren immer neue, vor allem männliche Jugendliche in ihr Netz zieht, gehört zu den größten ungelösten Problemen der schwedischen Gesellschaft. Das nutzt offenbar dem Iran.

Die Schüsse Mitte Mai soll demnach wiederum eine andere Gang organisiert haben, „Rumba“ genannt, mit ihrem Anführer Ismail Abdo. Mehrere geplante Taten wurden von der Polizei verhindert. Einsatzkräfte stoppten etwa einen 15-Jährigen, der gerade in ein Taxi mit Ziel israelische Botschaft stieg. In der Jackentasche hatte er eine geladene Waffe.
Mit Chat-Anweisungen werden Jungen wie er zu Waffenverstecken, Tatorten und heimlichen Unterkünften dirigiert, mit Geld und dem Gedanken an vermeintlichen Ruhm gelockt, manche auch mit Fluchthilfe aus geschlossenen Jugendeinrichtungen. In einzelnen Fällen werden solche jungen Menschen gar zu Auftragsmördern.
Ermittler beobachten Tendenz, dass immer mehr Jugendliche von der Gewalt angezogen sind
Der Junge aus dem Taxi zur israelischen Botschaft war nicht vorbestraft. Er wurde zu elf Monaten „Jugendüberwachung“ verurteilt. Dazu gehört etwa ein engmaschiger Kontakt mit den Behörden, Auflagen wie Ausgehverbote am Wochenende sowie Betreuung durch den Sozialdienst.
Die schwedische Regierung und der Inlandsgeheimdienst Säpo bestätigten kurz nach Bekanntwerden des Mossad-Berichts, dass der Iran junge Bandenkriminelle in Schweden als sogenannte Proxys, als Stellvertreter nutzt, um Angriffe gegen Israel auszuführen.
Bei den jungen Tätern sieht die Säpo weniger ein ideologisches Motiv als entscheidend an. Man beobachte die Tendenz, dass immer mehr Jugendliche von der Gewaltausübung an sich angezogen würden und dies zur Antriebskraft werde.









