Wäre Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf Dienstreisen mit der Lufthansa unterwegs statt mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr, dann hätte er in den vergangenen Wochen viele Meilen auf seinem Konto angesammelt. Antrittsbesuche in Europa und den USA, G7-Gipfel in Kanada, Nato-Treffen in Den Haag und EU-Treffen in Brüssel: Der neue Regierungschef war viel auf Reisen. Seine Popularitätswerte sind deutlich gestiegen, was so nicht zu erwarten war. Die Deutschen mögen es, wenn ihre Spitzenpolitiker auf der Weltbühne bella figura machen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Diese Phase allerdings dürfte jetzt vorbei sein. Für den Kanzler beginnen nach den Wochen in der Außenpolitik die Mühen der Ebene in der Innenpolitik. Mitte der Woche findet der zweite Koalitionsausschuss von Union und SPD statt. Schwarz-Rot hat einen guten Start hingelegt.

Aber inzwischen grummelt es vernehmlich: Der Plan der Regierung, entgegen ursprünglichen Ansagen bei der Stromsteuer statt allen Verbrauchern nur Industrie und Landwirtschaft zu entlasten, hat zumindest das Zeug, der Koalition die Sommerpause zu versauen. Auch anderswo lauern jede Menge Konflikte. Das Regierungsbündnis hat sich schließlich vorgenommen, den Haushalt zu konsolidieren, die Wirtschaft anzukurbeln und den Sozialstaat zu erneuern.

Hinzu kommt: Merz muss sich ernsthaft Sorgen um seinen Koalitionspartner machen. Die SPD ist geschwächt aus ihrem Parteitag am Wochenende gekommen, Vizekanzler Lars Klingbeil erhielt bei den Wahlen für den Parteivorsitz ein katastrophal schlechtes Ergebnis. Klingbeil wird jetzt versuchen, sich selbst und seine Partei sichtbarer zu machen. Um ihn zu stabilisieren, wird der Kanzler fortan viel Rücksicht auf seinen Stellvertreter nehmen müssen. Und zwar womöglich mehr, als den eigenen Truppen lieb sein kann.





