Der Einsatzbefehl für den Kriegseintritt gegen den Iran widerspricht so ziemlich allem, was Donald Trump in ferner und jüngster Vergangenheit über die Treibsand-Effekte von kriegerischen Auslandseinsätzen gesagt hat: Dass ein militärischer Konflikt, wenn man ihn erstmal begonnen hat, nur schwer zu kontrollieren oder zu beenden ist. Umso mehr drängt nach dem massiven Bombenabwurf im Iran die Frage auf: Warum hat Trump sich dazu entschlossen – und auf wen hat er dabei gehört? 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die bislang interessanteste Einschätzung kommt von Karim Sadjadpour. Der internationale anerkannte Wissenschaftler am „Carnegie Endowment for International Peace” sieht vor allem persönlich-psychologische Faktoren im Spiel. 

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#17 Omid Nouripour über seine Flucht aus dem Iran – und wie man auf Farsi rappt
Meine schwerste Entscheidung
 

So sei Trump seit Langem frustriert darüber gewesen, dass er die Brandherde Gaza und Ukraine/Russland nicht unter Kontrolle bekommen hat, sagte Sadjadpour dem „New Yorker”. Weil er keine Geduld für langwierige Verhandlungen besitze, habe sich Trump mit seinem Einsatzbefehl quasi an die Spitze der Bewegung setzen wollen. „Am Morgen nach der israelischen Invasion (am 13. Juni – Anm. d. Red.) wollte Trump sich mit diesem Erfolg in Verbindung bringen. Er wollte nicht, dass Netanjahu allein seinen Churchill-Moment hatte. Er möchte dafür in Erinnerung bleiben, dass er die Atomanlagen zerstört hat.” Ego als Kriegsmotiv?

Donald Trump: Rubio, Hegseth und Vance meldeten Zweifel an Militärschlag an

Dem Vernehmen nach meldeten Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und Vize-Präsident JD Vance bis zuletzt Zweifel an. Ein Militärschlag könne am Ende für die USA langfristig betrachtet mehr Probleme schaffen als lösen. Alle drei, angefeuert dabei von wichtigen Influencern der Maga-Wählerbasis Trumps wie Steve Bannon und Tucker Carlson, fürchten, dass die USA in einen größeren, viel zerstörerischen Krieg im Nahen Osten gezogen werden könnten. 

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Sie erinnerten Trump intern daran, dass er erst vor wenigen Wochen in einer außergewöhnliche Rede in Saudi-Arabien die militärischen Interventionen seiner Vorgänger scharf kritisiert hatte. „Letztendlich haben die sogenannten Nation Builder weit mehr Nationen zerstört als sie aufgebaut haben“, sagte Trump in Riad. „Und die Interventionisten haben sich in komplexe Gesellschaften eingemischt, die sie nicht einmal verstanden haben.”

US-Präsident Donald Trump erklärte den Angriff auf den Iran. Im Hintergrund: Vize-Präsident JD Vance (von links), Außenminister Marco Rubio und VerteidigungsministerPete Hegseth. Alle drei Kabinettsmitglieder sollen Zweifel an dem Schlag geäußert haben.
US-Präsident Donald Trump erklärte den Angriff auf den Iran. Im Hintergrund: Vize-Präsident JD Vance (von links), Außenminister Marco Rubio und VerteidigungsministerPete Hegseth. Alle drei Kabinettsmitglieder sollen Zweifel an dem Schlag geäußert haben.© AFP | CARLOS BARRIA

CIA-Chef John Ratcliffe gilt als Schlüsselfigur der Entscheidung

Wichtigste Zuträger für Trump bei der endgültigen Entscheidung waren: CIA-Chef John Ratcliffe. Der frühere Kongress-Abgeordnete, der gern im Hintergrund bleibt, hat das Ohr des Präsidenten. Ganz anders Ratcliffes Vorgesetzte, Tulsi Gabbard. Die oberste Koordinatorin aller 18 US-Geheimdienste fiel in Ungnade, weil sie im März sagte, der Iran stehe nicht vor dem Griff nach der Atombombe.

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Trump sah darin die Torpedierung seiner Weltsicht, warf Gabbard öffentlich vor, dass sie falsch liege und ließ die ehemalige Demokratin außen vor, als er am Samstag mit seinem engsten Stab im „Situation” Room des Weißen Hauses per Video-Übertragung die Bombardierung der iranischen Atomanlagen verfolgte. Auch auf die Expertise von General Dan Caine, Vorsitzender der Vereinten Stabschef aller Waffen-Gattungen, gibt Trump viel. Wie auch gesondert auf die Einschätzungen von General Michael Kurilla, der Chef des Zentralkommandos (CENTCOM), war seit Monaten die treibende militärische Kraft hinter den Angriffen.